Reiseanbieter im Premium-Segment

Darf es ein wenig ausgefallener sein? Für Kunden des Reiseveranstalters Kuoni liegt die Antwort auf der Hand.

Die 1906 gegründete Kuoni AG zählt zu den größten Reisekonzernen Europas. Kerngeschäfte sind die Touristik, Geschäftsreisen und das Destination Management, hinzukommen Visa-Dienstleistungen.

Bei Premium- und Spezialreisen gehört Kuoni zu den weltweit führenden Anbietern. Der Konzern ist mit Vertretungen in 45 Ländern rund um den Globus präsent.

V.a. Reisen im hohen Preissegment sind für Unternehmen wie Kuoni lukrativ.

Kunden, die sich diese Reisen leisten können, bleiben häufig bei einem Anbieter, der sich bewährt hat.

Besonders die Organisation von Rundreisen in exotische Länder ist eine Zusatzleistung, die über das Angebot klassischer Touristik-Konzerne hinausgeht.

Kampf mit dem Internet

Kuoni lag mit seinen Jahreszahlen im Rahmen unserer Erwartungen. Für das 1. Quartal werden traditionell keine Ergebnisse veröffentlicht. Tatsache ist aber, dass sich die Frankenstärke negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirkt.

Betroffen ist in erster Linie das traditionelle Reiseveranstaltergeschäft. In den ersten 5 Monaten sanken die Buchungszahlen um 13%.

Der Konzern reagiert jetzt auf die veränderten Marktbedingungen in der Branche. Die Konkurrenz der Internetanbieter gewinnt immer mehr Marktanteile und erhöht den Druck auf die Margen der herkömmlichen Reiseveranstalter.

Das Visa-Geschäft ist einträglich

Um seine Position zu verteidigen, müsste Kuoni einerseits viel Geld in den Ausbau des Online-Geschäfts investieren, darf aber andererseits den traditionellen Vertriebsweg Reisebüro nicht vernachlässigen. Das aber ist dem Konzern zu teuer.

Insofern kappt Kuoni seine Wurzeln und verkauft sein Kerngeschäft, die Veranstaltung von Pauschalreisen, an die Rewe-Tochter DER Touristik. Der Erlös wird auf 100 bis 150 Mio. SFr geschätzt.

Andererseits wird der Deal laut Kuoni das Halbjahresergebnis mit rund 180 Mio. SFr belasten, zumal Kosten für den Verkaufsprozess und Wertberichtigungen anfallen.

Attraktiver ist das Geschäft mit Dienstleistungen für andere Reiseanbieter, auf das 60% des Gesamtumsatzes entfallen.

Vor allem das wachstumsstarke und hoch profitable Visa-Geschäft der Sparte VFS-Global wird ausgebaut. Die mittelfristigen Ziele wurden bestätigt:

Mit den verbleibenden Dienstleistungen will Kuoni bis 2017 den Umsatz auf 3,5 Mrd. SFr und die operative Marge auf 3% steigern.

Kuoni ist eher kein gutes Investment

Wir halten die Aktie für wenig aussichtsreich. Obwohl der Fokus auf Spezialreisen interessant wirkt, ist das Geschäft von Kuoni nur bedingt rentabel. Lediglich das Geschäft mit Visa brummt.

Der avisierte Strategiewechsel dürfte erst mittelfristig zum Tragen kommen. Positiv wirkt sich auf jeden Fall die hohe Dividendenrendite von 3,0% aus.

20. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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