Rekord-Deal voraus? – Charter Communications wieder Übernahme-Kandidat

Charter wird vom Jäger zum Gejagten: DIe japanische Softbank könnte noch in dieser Woche den größten Übernahme-Versuch aller Zeiten verkünden. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Im „Wer-kauft-wen“ der US-Telekom-Branche kam es am vergangenen Wochenende zur nächsten überraschenden Wende:

Charter Communications, von nicht wenigen Analysten als wahrscheinlicher Käufer für den US-Mobilfunkers Sprint gehandelt, teilte mit, dass der Kabelkonzern sich gegen ein Übernahme-Angebot entschied.

Die Absage nach vorhergegangenen Übernahme-Verhandlungen war eindeutig:

Charter teilte mit, man verstehe, dass Sprint gerne einen Deal möchte, doch für das Unternehmen wäre der Nutzen überschaubar.

Eigentlich wäre dadurch davon auszugehen, dass ein Deal vom Tisch ist. Doch die Übernahme-Verhandlungen könnten demnächst unter anderen Vorzeichen weitergehen…

Es heißt, dass Masayoshi Son, Chef des Sprint-Mehrheits-Eigentümers Softbank, sich nicht geschlagen geben will.

Schon in dieser Woche könnte er über Softbank für Charter ein Übernahme-Angebot abgeben.

Softbanks Übernahme-Reigen könnte mit Charter weitergehen

Was für eine Wende:

Mehrere Wochen wurde darüber verhandelt, wie Sprint Charter Communications – und indirekt auch dem Verbündeten Comcast – weiterhelfen könnte, jetzt wird der Jäger zum Gejagten!

Es wird spannend sein zu sehen, wie Charter reagiert, sollte es wirklich eine Offerte geben. Masayoshi Son hat schon mehrfach mit Übernahmen für Furore gesorgt.

Davon waren nicht wenige nur „halbgut“, doch eine Charter-Übernahme mit anschließender Sprint-Zusammenführung könnte ein Erfolg werden.

Finanzierung anspruchsvolles Unterfangen – Aber nicht unmöglich

Eine Charter-Übernahme wäre selbst für die milliardenschwere Softbank ein Kraftakt.

Der Kabelkonzern ist an der Börse über 100 Mrd. Dollar schwer und hat noch über 60 Mrd. Dollar Schulden.

Hinzu kommt die Prämie, um das Angebot den Charter-Aktionären schmackhaft zu machen.

Softbanks Schuldenstand steht bei 135 Mrd. Dollar und die Japaner werden an der Börse mit 87 Mrd. Dollar bewertet.

Softbank ist also weniger wert und hat mehr als doppelt so hohe Schulden. Dass sollte Sie jedoch nicht annehmen lassen, dass die an der Börse „kleinere“ Softbank nicht für Charter bieten könnte.

Der Softbank-Chef zählt renommierte Anleger aus dem arabischen Raum hinter sich und hat einen Plan, wie er Softbank in 300 Jahren zum wertvollsten Konglomerat der Welt aufbauen will.

Für eine Charter-Übernahme könnte er das Geld zusammen bekommen.

Charter-Aktien legen zu

Charter-Aktien können nach Aufkommen der Gerüchte zunächst 2-stellig zulegen und lagen im heutigen US-Mittags-Handel noch mit 5% im Gewinn.

Dies zeigt Ihnen, dass sich einige Marktteilnehmer trotz des umgekehrten Größenverhältnisses eine Übernahme vorstellen könnten.

Es muss allerdings gesehen werden, dass die Aktie heute vermutlich auch ein Stück stärker ist, weil Charter nicht Sprint übernimmt – und damit ein potenzielles Risiko wegfällt.

Übernahme-Sensor erwartet keinen Deal

Bei 390 Dollar je Charter-Aktie stellt sich die Frage, ob die Deal-Chance groß genug ist, um eine Investition zu rechtfertigen.

Dabei muss gesehen werden, dass Charters Allianz mit Comcast ein ebenso großes Risiko darstellt wie das Finanzierungs-Risiko.

Hinzu kommt, dass Charter aufgrund zu geringer Vorteile vielleicht überhaupt nicht übernommen werden möchte und sich genötigt sehen könnte, eine kostspielige Abwehr-Strategie zu fahren.

Denkbar ist auch, dass der Sprint-Großaktionär einfach nur noch einmal seine verschiedenen Optionen präsentieren will, um Verhandlungsmasse bei anderen Übernahme- oder Fusions-Gesprächen zu gewinnen.

Wir erwarten jedenfalls im großen US-Telekom-Poker seit der strategischen Partnerschaft mit Comcast nicht mehr, dass Charter übernommen wird.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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