Relative Stärke: Das sind zurzeit die attraktivsten Märkte

Relative Stärke ist eine feine Analyse-Methode, weil sie meist länger anhält. Experte Andreas Sommer zeigt Ihnen die aktuell besten Märkte. (Foto: nito / shutterstock.com)

Erinnern Sie sich noch? Am 20. Oktober 2016 schrieb ich Ihnen: „Gute Nachrichten für Sie: Fondsmanager haben Angst!“

Worum ging es damals? Bei einer turnusmäßigen Umfrage der Bank of America im September unter 213 Investmentfonds-Managern kam heraus:

Die Herrschaften hatten große Angst vor einem Zusammenbruch der Aktienmärkte wegen des BrExits, der Blase am Anleihemarkt und für den Fall einer Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten.

Inzwischen wissen Sie ja, was daraus geworden ist… Mir geht es indes um einen anderen Punkt:

Angst ist eher selten, normal ist Rotation

Die durchschnittlichen Cash-Reserven der Fonds lagen seinerzeit bei 5,8% der verwalteten Vermögen.

Das war der niedrigste Wert seit den Terror-Anschlägen vom September 2001 sowie nach dem BrExit-Votum Ende Juni 2016!

Sie sehen: Dass Fondsmanager die ihnen anvertrauten Gelder NICHT im normalen Umfang in Aktien investieren, ist eine sehr selten anzutreffende Situation.

Tatsächlich umschiffen die Großinvestoren bedrohlich erscheinende Marktphasen durch Sektor-Rotation:

Statt die Bar-Reserven zu erhöhen, wenn mal eine Branche in die Gefahrenzone gerät, schichten die Fondsmanager schlichtweg in einen Bereich um, der Anzeichen für eine Trendwende nach oben signalisiert.

Mit Relativer Stärke die besten Märkte finden

Dabei richten sich die Großinvestoren v. a. nach einem Konzept: Dem der Relativen Stärke. Worum geht es dabei?

Das Konzept der Relativen Stärke ist ebenso einfach wie wirkungsvoll:

Dazu wird untersucht, wie sich ein Sektor, ein Index oder auch eine Aktie im Vergleich zu den „Kollegen“ entwickelt hat. Nun haben Sie 2 Möglichkeiten:

  1. Beim direkten Vergleich werden die Kurse einer Aktie (Index, Sektors) durch die des Vergleichswertes dividiert. Der Vergleichswert hat demnach eine Relative Stärke von 1,0.

Liegt die ermittelte Relative Stärke der betrachteten Aktie (Index, Sektor) über 1, weist diese eine höhere Relative Stärke auf und umgekehrt.

Am häufigsten werden beim direkten Vergleich Einzelaktien mit dem Index verglichen, dem sie zugeordnet sind.

  1. Wenn Sie mehrere Titel miteinander vergleichen wollen, ermitteln Sie die Performance dieser Werte heute mit der Entwicklung in der Vergangenheit. Diese Methodik wird zu Ehren ihres Entwicklers auch als „Relative Stärke nach Levy“ bezeichnet.

Aus der Berechnung ergibt sich dann eine Rangfolge, nach der Sie die Liste der betrachteten Titel sortieren können.

37 aus 183

In meiner Datenbank ermittle ich die Relative Stärke von insgesamt 183 Indizes, Rohstoffen und einigen wichtigen Währungs-Paaren.

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Allerdings nicht strikt nach Levy, sondern in einer von mir verfeinerten Variante.

Hier die aktuellen Rang-Einordnungen:

relative stärke-monitor_21-06-2017

Deutsche und US-Aktien sind seit Monaten die beste Wahl.

farblegende zum rs-monitor_21-06-2017

Farblegende zur Relative Stärke-Tabelle

In diesem Relative Stärke-Monitor finden Sie eine Zusammenstellung der meiner Ansicht nach wichtigsten 37 Indizes, Rohstoffe und Währungs-Paare.

Die Übersicht bietet Ihnen jedoch nicht nur die aktuelle Rang-Einordnung, sondern auch eine bis zu 4 Monaten zurückreichende Entwicklung:

So lassen sich sehr schön allmähliche Veränderungen der Relativen Stärke beobachten.

Die Farblegende ermöglicht Ihnen darüber hinaus eine schnelle Übersicht:

Grün und gelb markierte Märkte weisen eine Relative Stärke größer 1,0 auf, sind also sozusagen besser als der Durchschnitt.

Dabei sind die grün unterlegten Märkte die stärksten und decken die Ränge 1 – 46 ab.

Fazit

Sie können nun ganz einfach erkennen, dass die deutschen und US-amerikanischen Aktien-Indizes – mit einer kurzzeitigen Pause im März – schon recht lange in der „Top-Liga spielen“!

Einzige Ausnahme ist der Nasdaq 100, der vor 2 Wochen durch den scharfen Rücksetzer vorübergehend unter 1,0 gerutscht ist.

Die aktuelle Relative Stärke von 0,9976 liegt indes nur hauchdünn darunter und wird sich, wie hier zuletzt von mir beschrieben, gewiss schon bald wieder weiter oben platzieren.

Auffällig ist noch: Rohstoffe sind derzeit „mega-out“ – hier finden Sie ausschließlich braune, orangefarbene und rote Farbtöne vor.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und gute Erkenntnisse beim intensiven Studium meiner Relative Stärke-Übersicht!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.