Relative Stärke einmal anders betrachtet

Ein Vergleich zeigt: Relative Stärke und Relative Schwäche tendieren zur Kontinuität. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Gestern erhielt ich eine Frage gestellt, über die ich doch schmunzeln musste.

Einem Herrn, der zurzeit den Momentum-Trader für 30 Tage kostenlos testet, waren die Zuwächse der im Depot meines Börsendienstes gehaltenen Wachstumsaktien wohl offensichtlich noch nicht hoch genug. Seine Frage:

„Sehr geehrter Herr Sommer, erhalte Ihre Empfehlungen z.Zt. im Testmodus. Weshalb sind z.B. Tesla, HP, Yingli nicht dabei? Das waren weit bessere Chancen…?“

Warum ich schmunzeln musste, fragen Sie sich? Nun, weil ich seit Jahresbeginn mit meiner Strategie „Gewinne mit Wachstumsaktien“ für meine Leser einen durchaus respektablen Kapitalzuwachs von +27,4% (Stand: 05.07.13) erzielen konnte.

Die 7 derzeit im Momentum-Trader-Depot enthaltenen Aktien wiesen dabei Gewinne von +6,7% / +15,9% / +19,8% / +38,2% / +42,6% / +52,9% und +62,5% auf. Nun verstehen Sie sicher mein Schmunzeln: Ich empfinde das als „Meckern auf hohem Niveau“.

Die Performance wäre sogar noch besser ausgefallen, wenn im Verlauf des ersten Halbjahres nicht 3 Positionen mit Einbußen von -17,3% / -10,5% und -3,8% ausgestoppt worden wären. Nun ja: Keine Strategie ist unfehlbar.

Die Chancen auf Ihre Seite bringen

Meine Antwort an den Test-Leser lautete:

„Die Antwort ist einfach: Weil alle drei genannten Unternehmen keine Gewinne, sondern Verluste machen. Ich suche indes nach Aktien mit außergewöhnlicher Wachstumsdynamik bei Gewinn und Umsatz.

Auf solche Verlustbringer zu setzen, ist nach meiner nunmehr 33 Jahre umfassenden Börsenerfahrung vor allem Spekulation. Und genau das vermeide ich für meine Leser.

Bei meiner Strategie geht es darum, Aktien auszuwählen, die eine möglichst hohe Wahrscheinlichkeit für Kursgewinne mit sich bringen. Die ist bei Wachstumsaktien schlicht und ergreifend höher.

Dafür verzichte ich gerne auf spekulative Investments, auch wenn mir dadurch mal noch größere Gewinnchancen durch die Lappen gehen. Und der Erfolg meiner Strategie in den vergangenen 9 Jahren gibt mir Recht.“

Wachstumsaktien stehen für langfristigen Erfolg

Falls es Sie interessiert: Die Performance des Momentum-Trader wird regelmäßig von der unabhängigen Vermögenscontrollling-Gesellschaft WSH ermittelt.

Gestern ging ich mit dem Momentum-Trader in das zehnte Jahr: Eine solch lange Zeitspanne erlaubt eine realistische Erfolgsmessung.

Seit dem Start am 7. Juli 2004 bis zum 31.03.2013 (die Daten per 30.06.13 liegen mir noch nicht vor, sind aber auf jeden Fall noch besser) erzielte mein Börsendienst mit der Wachstumsaktien-Strategie einen Zuwachs von +252,6%. Das entspricht einer Performance von jährlich +15,5%.

Dazu der Hinweis: Alle Zahlen beinhalten keine Transaktionsgebühren oder Steuern.

Das wäre angesichts der Vielfalt an Brokern und Banken mit ihren teils extremen Kostenunterschieden sowie der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung (die meisten meiner Leser kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz) auch ein unmögliches Unterfangen.

Der Momentum-Trader misst sich übrigens mit einem Vergleichsindex. Dieser, in der Fachsprache auch Benchmark genannt, wird zu je 50% aus dem SDAX und dem S&P 500 ermittelt.

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Diese Benchmark erzielte in dem angesprochenen Zeitraum eine Performance von +85,7%. Dem DAX gelang im selben Zeitraum ein Plus von +98,3%, dem Euro STOXX 50 eines von +22,9% und dem Nasdaq Composite eines von +79,8%.

Relative Stärke und Relative Schwäche

Die Leserfrage brachte mich indes auf eine Idee für meinen heutigen Beitrag.

Als regelmäßiger Leser von Chartanalyse-Trends kennen Sie meine Investment-Maxime: Setzen Sie auf Gewinneraktien, anstatt auf Verliereraktien! Das Geheimnis dahinter ist die Relative Stärke.

Damit ist gemeint, dass Aktien, die sich stärker entwickeln als der Index, in dem sie enthalten sind, dazu tendieren, diese Relative Stärke auch noch einige Zeit lang beizubehalten. Wohlgemerkt: Ich spreche hier von Tendenz, nicht von Garantie.

Umgekehrt gilt dies in aller Regel noch mehr: Aktien, die sich schwächer entwickeln als der Index, in dem sie enthalten sind, tendieren dazu, diese Relative Schwäche noch einige Zeit lang beizubehalten.

Nun zu meiner Idee: Ich habe einmal untersucht, wie sich die DAX-Aktien, die im ersten Halbjahr 2013 die Tops & Flops bildeten, eigentlich in den sechs Monaten davor, also vom 29. Juni 2012 bis zum 28. Dezember 2012 entwickelt haben.

Die Ergebnisse bestätigen tendenziell meine Maxime, wie Sie gleich sehen werden.

Zum Verständnis: Ich habe die jeweiligen 5 Top-Aktien beider Zeiträume  mit einem kräftigen Grün unterlegt, die jeweiligen 5 Flops mit einem kräftigen Rot.

DAX-Werte, die sich in etwa so wie der Index im entsprechenden Halbjahr entwickelt haben, habe ich blau markiert: Hier kann man kaum von Über- oder Unter-Performance sprechen.

Die DAX-Titel, die besser als der Index, aber keine Top-5 oder Grauzonen-Werte waren lagen, habe ich in etwas zarterem Grün unterlegt. Die Gegenstücke dazu in zartem Rot.

Vergleich: DAX-Aktien in den letzten beiden Halbjahren

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Vergleich: DAX-Aktien in den letzten beiden Halbjahren

Durch die farbliche Markierung können Sie jetzt schnell die Veränderungen des zweiten Halbjahres 2012 der Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf zuordnen.

Sie sehen: Zwei der Top-5-Titel aus 2012, Continental und Lufthansa, legten auch 2013 überdurchschnittlich zu. Echte Enttäuschungen waren hingegen Volkswagen, Lanxess und ThyssenKrupp. Wie gesagt: Tendenz, nicht Garantie!

Deutlicher fällt das Ergebnis bei den Verlierern aus: Alle 5 Flops aus 2012 entwickelten sich auch in 2013 unterdurchschnittlich. K+S und RWE waren erneut unter den Flops 2013.

Von den 6 DAX-Werten mit gemäßigt unterdurchschnittlicher Performance in 2012 (zart-rot), schafften 3 (Dt. Börse, Fresenius, Linde) eine gemäßigt bessere Entwicklung als der DAX, 1 (Infineon) eine Entwicklung wie der DAX.

Die verbleibenden 2 Werte Deutsche Bank und Commerzbank, erzeilten ein Minus. Die Commerzbank war gar mit Abstand der größte Verlierer im 1. Halbjahr.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.