Reliance Industries will Teile der indischen Future Group schlucken

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In Indien brodelt die Gerüchteküche über einen möglichen Megadeal: Reliance Industries verhandelt mit der Future Group über den Kauf mehrerer Einzelhandelsketten. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Nachdem ich Ihnen gestern über einen Megadeal aus China berichten konnte, habe ich heute wieder ein gigantisches Übernahmegeschäft aus Asien für Sie parat: Laut Insidergerüchten bahnt sich in Indien eine Transaktion an, die mit 3,2 – 3,6 Mrd. US-Dollar (USD) taxiert wird.

Der Multi-Channel-Konzern Reliance Industries Limited (kurz: RIL) aus Mumbai (früher: Bombay) soll kurz vor der Übernahme mehrerer Einzelhandelsketten der Future Group plc stehen. Laut Informationen aus gut informierten Kreisen hat RIL noch bis zum 31. Juli Zeit, um eine verbindliche Übernahmevereinbarung zu unterzeichnen.

Die beteiligten Unternehmen im Überblick

Da indische Konzerne in Deutschland nur selten in den Medien präsent sind, möchte ich Ihnen die an dem möglichen Megadeal beteiligten Unternehmen kurz vorstellen.

Bei RIL handelt es sich um das größte private Unternehmen Indiens. RIL wurde 1966 gegründet und ist mit seinen diversen Tochterunternehmen in vielen Geschäftsbereichen tätig. Dazu zählen z. B. Erdölgewinnung, Petrochemie, Textilindustrie, Einzelhandel und Telekommunikation.

Geleitet wird das Unternehmen vom ältesten Sohn des Gründers, Mukesh Ambani, der als reichster Mann Asiens gilt. Im vergangenen Jahr wurde das Vermögen Ambanis laut Forbes-Liste auf 55 Mrd. USD geschätzt.

RIL betreibt in seiner Einzelhandelssparte (Retail) über 12.000 Einzelhandelsgeschäfte und Cash- and Carry-Märkte. Mit seinen Läden ist RIL in mehr als 6.700 indischen Städten und Gemeinden präsent. In 2019/20 erzielte das Firmenimperium mit seinen fast 200.000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 84,16 Mrd. USD und einen Nettogewinn von 5,55 Mrd. USD.

Schuldenberg belastet Future Group

Die ebenfalls in Mumbai ansässige Future Group betreibt diverse Einzelhandelsketten wie z. B. die Supermarktkette Big Bazaar, die gehobenen Lebensmittelgeschäfte FoodHall und die Schnäppchen-Bekleidungskette Brand Factory. Darüber hinaus ist Future Group auch in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Medien und Logistik tätig.

Gegründet wurde das Unternehmen von Kishore Biyani in 2013. Biyani ist CEO der Future Group und besaß in 2019 laut Forbes Magazin ein Nettovermögen von 1,78 Mrd. USD. Die Einzelhandelssparte (Retail) seines Unternehmens betreibt mehr als 2.000 Geschäfte an über 400 verschiedenen Standorten in Indien.

Laut der indischen Rating-Agentur ICRA kämpft die Future Group mit einem Schuldenproblem. Allein die Gesamtverschuldung der börsennotierten Unternehmen der Future Group belief sich im September 2019 auf 1,41 Mrd. USD und dürfte sich aufgrund der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown der Geschäfte seitdem noch weiter erhöht haben.

Details zum Übernahmedeal

Die hohe Schuldenlast dürfte wohl ein Hauptgrund dafür sein, dass die Future Group einen Großteil ihrer Einzelhandelsketten an RIL abgeben wird. Denn laut Insiderinformationen beinhaltet der Verkaufspreis auch die Verbindlichkeiten der jeweiligen Ketten.

Fünf börsennotierte Unternehmen der Future Group sollen vor dem Verkauf an RIL zur neuen Future Enterprises Ltd (FEL) fusioniert werden. Die neu geformte FEL mit ihren geschätzten 1.700 Geschäften soll dann für gut 3 Mrd. USD von der Reliance Gruppe übernommen werden.

Noch ist die Transaktion nicht in trockenen Tüchern. Laut Presseberichten hat RIL noch bis Ende dieser Woche Zeit, eine Übernahmevereinbarung zu unterzeichnen. Auf Anfragen der indischen MINT-Zeitung reagierte die Future Group nicht. Ein Sprecher von Reliance Industries sagte lediglich, das Unternehmen evaluiere laufend verschiedene Übernahmemöglichkeiten.

Als am gestrigen Montag bekannt wurde, dass die Verhandlungsparteien sich einer Einigung nähern würden, machte der Kurs der börsennotierten Einzelhandelssparte Future Retail Ltd einen Freudensprung und stieg um stolze +5% an. Spekulanten haben sich in freudiger Erwartung über das Zustandekommen eines Deals mit Aktien eingedeckt, um mögliche Gewinne mitzunehmen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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