Rendite für 1 Jahr in nicht einmal 1 Tag erzielt

Am 19. Dezember 2009 erschienen im Handelsblatt folgende Schlagzeile und Begleittext:

„Dax-Chefs warnen vor neuer Blase

Ist nach der Krise vor der Krise? Die Vorstände zweier Dax-Unternehmen warnen einmütig vor neuen Turbulenzen an den Finanzmärkten. Allianz-Chef Michael Diekmann übt Kritik an den Banken, Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz hat Sorge, dass der Immobilien- eine Rohstoffblase folgt.“

Zu jenem Zeitpunkt notierte der DAX bei 5.800, nachdem er seit März 2009 (also in nur 9 Monaten) von 3.588 aus um +61,6% gestiegen war. Nach der Warnung des Allianz-Chefs gab er bis zum Februar 2010 auf 5.433 nach (-6,3%) und stieg bis zum Mai 2011 auf 7.600 Punkte an (-31,0%).

Der Index für Rohstoffe, der CRB Futures-Index, war damals von 200 Punkten im Februar 2009 auf 276 geklettert, also um +38,0%. Nach der Warnung des ThyssenKrupp-Chefs fiel er bis Mai 2010 auf 247 zurück (-10,5%) und startete dann bis April 2011 durch auf 371 Zähler (+34,4%).

Blasen dauern oft länger, als wir uns ausmalen können

Warum ich erzähle ich Ihnen diese historische Begebenheit?

Nun, weil sie zeigt, dass sich auch vermeintliche Experten ziemlich irren können. Sie hatten zwar Recht, was die Blasenbildung anging, jedoch kam ihre Warnung reichlich früh. Und weil sie demonstriert, dass Blasen sich noch deutlich stärker aufblähen können, als wir alle uns dies auszumalen vermögen.

Deutscher Anleihemarkt: seit 2009 in „Blasenbildung“

Eine solche Blase bildet sich seit März 2009 im Anleihemarkt aus.

Wenn die Nachfrage nach Anleihen steigt, dann steigen deren Kurse. Da die Anleihen mit festen Zinssätzen für die Laufzeit ausgestattet sind, fallen deshalb ihre Renditen. Sinkende Renditen sind also ein Zeichen starker Nachfrage nach Anleihen.

Und nun schauen Sie bitte auf den nachfolgenden Chart. Er zeigt die Entwicklung der Rendite für 10-jährige Bundesanleihen auf Monatsbasis, um einen möglichst langen Zeitraum abbilden zu können. Ein Balken spiegelt mithin die Rendite-Entwicklung eines Monats wider.

Rendite 10-jährige Bundesanleihen: seit 2009 in „Blasenbildung“

Der pinkfarbene Pfeil links weist auf ein (man ist schon geneigt zu sagen: wieder einmal) historisches Ereignis hin. Gestern wurde nämlich mit 1,64% ein neues Allzeittief markiert.

Das bedeutet: Wenn Sie aktuell eine Bundesanleihe kaufen und Frau Merkel Ihr Geld für die nächsten 10 Jahre anvertrauen, dann werden Sie dafür von ihr mit einer jährlichen Rendite von 1,64% „belohnt“.

Ist doch toll, oder? Ich hoffe, Sie haben meinen Sarkasmus bemerkt.

Wie irrational können Anleger sein? Mehr als Sie glauben!

Angesichts einer Inflationsrate (in Deutschland) von 2,3% für 2011 und einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,2% im bisherigen Jahresverlauf heißt das: Sie verdienen mit hoher Wahrscheinlichkeit NICHTS auf Sicht der kommenden 10 Jahre.

Im Gegenteil: Sie verlieren durch die Geldentwertung derzeit schon mehr als einen halben Prozentpunkt.

Ich überlasse es Ihrer Fantasie, sich angesichts der Überschwemmung mit Liquidität durch die Notenbanken auszumalen, welchen Verlauf die Inflationsrate in Deutschland in den nächsten 10 Jahren noch nehmen wird.

Mein Tipp: Unter 1,64% wird sie wohl kaum mehr absinken (Achtung: Hier war wieder Sarkasmus im Spiel.).

Rendite für 1 Jahr in weniger als einem Tag erzielt!

Halten wir also fest: Wer heute noch sein Geld auf diese Weise investiert, kann zumindest die jährliche Rendite von 1,64% auch gleich verschenken.

Ein Rechenbeispiel: Wenn Sie heute 100.000 Euro in eine solche Bundesanleihe investieren, dann erhalten Sie bis 2022 pro Jahr 1.640 Euro, also insgesamt 16.400 Euro Rendite auf Ihr eingesetztes Kapital.

Den gleichen Effekt erzielen Sie, wenn Sie einmal pro Jahr kurzzeitig 100.000 Euro in eine x-beliebige DAX-Aktie investieren. Beispielsweise in die Aktien der oben genannten DAX-Chefs. (Was keine Empfehlung darstellen soll!)

Hätten Sie nämlich gestern Abend kurz vor Börsenschluss zum Kurs von 17,40 Euro noch ThyssenKrupp-Aktien gekauft, dann hätten Sie beim aktuellen Kurs von 17,89 Euro bereits 2.816 Euro verdient.

Und hätten Sie stattdessen Allianz-Aktien kurz vor Börsenschluss zu 83,65 Euro gekauft, dann hätten Sie beim aktuellen Kurs von 84,60 Euro immerhin schon 1.136 Euro Plus gemacht.

Selbst bei einer „Risikostreuung“, also der Investition von je 50.000 Euro in beide Aktien, hätten Sie mit aktuell 1.948 Euro (jeweils dem halben Profit, also 1.416 + 568) schon mehr als die Jahresrendite einer 10-jährigen Bundesanleihe verdient. In weniger als 24 Stunden!

Auch ich weiß nicht, wann diese Blase am Anleihemarkt platzen wird. Klar ist indes: Es ist definitiv eine Blase. Und sie wird irgendwann platzen.

Spätestens dann, wenn die Investoren in diese Anleihen endlich zu begreifen beginnen, dass ein solches Investment auf diesem Niveau so ziemlich die unrentabelste Geldanlage ist, die derzeit möglich ist.

11. April 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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