Retten Sie Ihr Geld – bevor es zur Bankenrettung verwendet wird

Mario Draghi will die deutschen Sparer in die Haftung nehmen. Die Einlagensicherung soll soweit erweitert werden, dass auch Sparkassen und Privatbanken haften müssen. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Jetzt wird es ernst. Europäische Banken sollen sicherer werden. Also zumindest auf dem Papier über die Einlagensicherung. Wer Geld auf dem Konto bei einer maroden Bank hat, soll ich demnach in Zukunft weniger Sorgen machen müssen. Das ist praktisch, wenn Sie in Griechenland, Portugal oder Italien wohnen. Wenn Sie in Deutschland leben und sogar, wenn Sie das Geld bei einer Privatbank liegen haben, möchte Mario Draghi in Zukunft gerne darauf zugreifen können.

EDIS kommt und die Privatbanken und Sparkassen laufen Sturm

EDIS steht für European Deposit Insurance System. Ein Variante der Einlagensicherung also. Soweit so gut. Allerdings betrifft die europaweiten Einlagensicherung diesmal auch Volksbanken und Sparkassen. Diese haben bisher sauber gearbeitet und stehen gleichzeitig nicht in Haftung gegenüber irgendwelchen Banken in Südeuropa. Doch die schöne autarke Zeit könnte schon bald vorbei sein.

Geht eine Bank insolvent, sind die Einlagen der Kunden bis 100.000 Euro gesichert. Dieses Prinzip kennen Sie bereits. Jedoch hält sich eigentlich keine Bank daran. Dazu müsste sie sämtliche Spareinlagen ihrer Kunden bis zu dem Betrag von 0,8 Prozent durch eigene Mittel absichern. Nicht einmal die Sparkassen und Privatbanken in Deutschland haben das geschafft. Hier ist die Quote nur 0,4 Prozent. Deutschland liegt damit auf Platz 11 von 19 Eurostaaten.

Target2 Schiefstand fast 1 Billion Euro

Insgesamt hat die Bundesbank bereits über 900 Milliarden Euro über Target2 finanziert. Südeuropa gleicht hierüber die Leistungsbilanzdefizite aus und Deutschland ist dagegen machtlos. Dass die 900 Milliarden Euro irgendwann einmal zurückgezahlt werden, ist so unwahrscheinlich, wie ein WM-Sieg Panamas. Somit können wir aus den 2 Billionen Euro Staatsschulden bald eher offiziell 3 Billionen machen.

Doch das reicht Mario Draghi noch nicht. Jetzt will er die Volks- und Raiffeisenbanken auch noch anzapfen. Das ist verständlich. Schließlich haben wir in Europa fast 1 Billionen Euro an faulen Krediten und irgendwer muss diesen Schiefstand auffangen.

Das ist ein „systematischer Griff in unsere Kassen“, sagt Helmut Schleweis vom Sparkassenverband DSGV. Der deutsche Sparer wird hier ins Visier genommen.

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Banken in Südeuropa weiterhin extrem wackelig

Es wäre ja alles nur halb so wild, wenn die Banken auf einem guten Weg wären. Doch das ist nicht der Fall. Kennen Sie die Bezeichnung „non-performing loans“? Das sind Kredite, die seit 90 Tagen nicht mehr bezahlt wurden. In Griechenland ist das fast jeder zweite Kredit! In Zypern noch 40 Prozent und in Italien 14,5 Prozent. Dagegen gibt es in Deutschland davon gerade einmal 2,5 Prozent.

Besser wird es kaum werden. Denn der Trend geht weiterhin bergab. Die Krisenstaaten im Süden Europas bekommen den Fuß nicht auf den Boden und somit wackeln immer mehr Kredite. Seit 2012 haften alle Europäer für die Notenbankpolitik. Die EZB ist von jeglicher Schuld befreit.

Deshalb kann die EZB offenbar auch seelenruhig weiterhin Anleihen kaufen. Davon hat sie bereits 360 Milliarden Euro. Wir erinnern uns: Das eigene Stammkapital der EZB liegt bei 8 Milliarden Euro. Da hört jegliche Relation auf. Aber das nur am Rande.

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft hält ebenfalls wenig von der neuen Einlagensicherung. Diese könne die faulen Bankkredite nur schwer auffangen. Zusätzlich dazu sind die Bilanzen sogenannter „systemrelevanten“ Bank alleine schon Grund zur Sorge.

Sofern diese neue Einlagensicherung tatsächlich umgesetzt wird – wovon auszugehen ist – brauchen wir nur noch warten, wann die erste südeuropäische Bank kippt. Sie sollten sich also auf jeden Fall Gedanken machen, wie viel Geld Sie noch auf Ihren Konten liegen lassen. Denn dann ist nicht einmal mehr das Konto bei der Sparkasse oder einer Privatbank sicher.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.