Rezessionsängste – Deutsche Wirtschaft bekommt immer mehr Gegenwind

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

Schlechter Ausblick fürs zweite Halbjahr – Während sich Großunternehmen bei Investitionen zurückhalten, bleibt der Mittelstand optimistisch. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Durch die zunehmenden Turbulenzen der Euro-Krise gerät nun auch die deutsche Wirtschaft stärker unter Druck.

Zwar lief es für Deutschland im zweiten Quartal noch recht gut, für das zweite Halbjahr 2012 aber rechnen viele Ökonomen mit teilweise herben Rückschlägen.

Spar-Diktate und eine drohende Rezession dämpfen den deutschen Export

Bereits vergangene Woche habe ich Sie davor gewarnt, dass Deutschlands Export kein dauerhafter Garant für Erfolg sein kann.

Zuletzt konnte die deutsche Wirtschaft die Schwäche der Krisenländer zwar noch einigermaßen wettmachen.

Durch die dort verhängten Spar-Diktate und die teilweise tiefe Rezession schrumpft die Nachfrage aus diesen Ländern aber rasch und trifft damit die exportabhängige Wirtschaft in Deutschland umso mehr.

Keine Lösung der Schuldenkrise – Zukunftsvertrauen deutscher Unternehmen schwindet

Wieder einmal bestätigt sich meine Kritik an der mangelnden Binnennachfrage in Deutschland.

Zwar haben die privaten Verbraucher trotz der Schuldenkrise ihre Ausgaben um rund 0,4 % gesteigert, trotzdem fällt dieser Wert meinen Augen zu gering aus, um von einer robusten Stütze für die Volkswirtschaft im zweiten Halbjahr zu sprechen.

Erschwerend hinzu kommt, dass sich Unternehmen aufgrund der anhaltenden Unsicherheit bei Investitionen merklich zurückhalten.

So investierten deutsche Firmen im zweiten Quartal 2012 gegenüber dem Vorquartal rund 2,3 % weniger in Maschinen und Anlagen. Dies ist der dritte Quartalsrückgang in Folge.

Damit zeigt sich, dass aufgrund der fehlenden Lösungsvorschläge zur Bekämpfung der Euro-Krise das Zukunftsvertrauen deutscher Unternehmen zunehmend sinkt.

Die Hoffnung ruht auf EZB und FED

Gründe hierfür sind jedoch nicht nur bei den Euro-Krisenstaaten zu suchen.

Steuererklärung Geldscheine – IhorL – shutterstock_500278282

Steuern in OECD Ländern auf neuem HöchststandIm OECD-Schnitt liegen die Steuern und Abgaben für die Bürger auf Rekordniveau. Deutschland belegt dabei den 12. von 35 Plätzen.  › mehr lesen

Neben einem Einbruch der Aufträge aus Spanien und Italien verdichten sich die Anzeichen für eine ebenfalls sinkende Nachfrage aus wichtigen Absatzmärkten wie China.

Auch über die Konjunktur in den USA dürften die kommenden Wochen Aufschluss geben, wobei dort derzeit der schwache Arbeitsmarkt und der rasante Wohlstandsverlust innerhalb der Bevölkerung Grund zur Sorge bereiten.

Die Hoffnung ruht damit einmal mehr auf EZB und FED.

Deutscher Mittelstand zeigt sich in 2012 bisher sehr robust

Zumindest der deutsche Mittelstand kann in diesen eher düsteren Zeiten mit erfreulichen Meldungen überzeugen.

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen techconsult fängt in seiner monatlichen Befragung die Lage und Erwartungen hinsichtlich Umsatz und IT-Investitionen deutscher Mittelständler ein.

Im gesamten Jahr 2012 zeichnete sich den Experten zufolge ein durchweg positives Bild im deutschen Mittelstand.

Rückgrat der deutschen Wirtschaft überzeugt auch an der Börse

Auch im Juli 2012 konnten die Unternehmen dem jährlichen Sommerloch zuletzt deutlich trotzen und zu großen Teilen ihre Umsätze weiterhin steigern.

Zudem sind die wirtschaftlichen Erwartungen für die kommenden drei Monate überwiegend positiv, was sich mit meinen Einschätzungen aus den Gesprächen mit diversen Unternehmen größtenteils deckt.

Die weiterhin gute Nachfrage nach Informations- und Kommunikationstechnologie signalisiert darüber hinaus die ungeachtet der Schuldenkrise positiven Investitionsabsichten des deutschen Mittelstands.

Damit zeigt sich in meinen Augen einmal mehr, dass Anleger auch in schwierigen Zeiten auf das Rückgrat der deutschen Wirtschaft setzen und bauen können.

Entsprechende Aktien-Empfehlungen von mir finden Sie wie gewohnt in den kommenden Tagen an dieser Stelle.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Felix Gode. Über den Autor

Felix Gode hegt eine langjährige Leidenschaft für die Börse. Er studierte Wirtschaftsrecht an der Hochschule Pforzheim und der California State University in Chico/USA.