Rezessionsgefahr: Deutschland im Corona-Schock

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Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Wirtschaft wird dramatisch sein. Doch bereits 2021 könnte eine Besserung eintreten. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Deutschland kennt nur noch ein Thema: die Corona- Krise. Und tatsächlich werden die Auswirkungen für die Wirtschaft in 2020 dramatisch sein. Die Angst vor einer Rezession ist groß. Von einer Rezession wird gesprochen, sobald in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen kein Wirtschaftswachstum erzielt werden kann. Für uns ist sicher, dass die Rezession unvermeidbar sein wird. Um abschätzen zu können, ob die großen Industrienationen im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen sich in einer Rezessionsphase befinden, braucht man sich nicht in abstrakten mathematischen Modellen verlieren, sondern muss nur aus dem Fenster schauen.

Es ist das eingetreten, was kaum vorstellbar war: Die Welt hat eine Pause eingelegt. Welche Folgen diese Zwangspause haben wird, lässt sich nur vermuten und unter verschiedenen Annahmen schätzen. Je nach Modellrechnung wird es Unternehmen stärker oder schwächer treffen, branchen- und nachfrageabhängig.

Die Wirtschaft taumelt, der Arbeitsmarkt kollabiert

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet mit einer schwerwiegenden Rezession in Deutschland. Die Wirtschaftsleistung werde in diesem Jahr um 4,2% schrumpfen. Bereits im 1. Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 1,9% geschrumpft sein. Im 2. Quartal bricht es dann als Folge des Shutdowns um 9,8% ein, so das Institut.

Dies sei der stärkste je seit Beginn der Vierteljahresrechnung im Jahr 1970 gemessene Rückgang in Deutschland und mehr als doppelt so groß wie jener während der Weltfinanzkrise im 1. Quartal 2009: „Die Rezession hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt und im Staatshaushalt“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „In der Spitze wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf 5,9% hochschnellen.“ Im Durchschnitt werden die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr um knapp eine Viertel Million auf 2,5 Mio. steigen.

Die Börsen im Wechselbad zwischen Angst und Hoffnung

Auch ohne die Corona-Pandemie hatten deutsche Industriewerte bereits in 2019 geschwächelt. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, aber auch die Angst vor den Auswirkungen des Brexits haben die Wirtschaft gelähmt. Die Corona-Krise hat diese Entwicklungen verstärkt. Auch an den Börsen hat das Corona-Virus für große Verunsicherung gesorgt.

Die bedeutendsten Indizes sind erheblich eingebrochen. Gleichzeitig erreichte die Volatilität erschreckende Höchstwerte, die zuletzt nur in der Finanzkrise 2008/2009 erreicht wurden. Der Angst-und-Gier-Index, der Sentimental-Daten der Börsenwelt auswertet, zeigte sogar noch eine größere Verunsicherung an. Doch die Krise könnte schneller vorbei sein als angenommen.

Bereits für 2021 wird eine Erholung und ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von 5,8% vorausgesagt: „Deutschland bringt gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte“, so das ifo-Institut.

Die günstige Finanzlage ermöglicht es dem Staat, weitgehende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen. Diese führen in diesem Jahr zu einem Rekorddefizit von 159 Mrd. €. Der Bruttoschuldenstand des Staates wird in diesem Jahr auf 70% in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt steigen.

Profiteure der Corona-Krise

Doch selbst während der Corona-Pandemie gibt es Unternehmen, die besonders stark profitieren. Interessant sind alle Unternehmen, die auf irgendeine Weise Abstand zwischen Personen schaffen. Das gilt branchenunabhängig. So fallen unsere beiden noch jungen Werte HelloFresh und Dermapharm sowie TeamViewer darunter.

Essen auf Rädern – neu gedacht

HelloFresh liefert Kochboxen per Post aus, die dann anhand einer Schritt-für-Schritt-Anleitung gekocht werden können. In den Boxen sind alle Lebensmittel enthalten – das Einkaufen wird ersetzt. Der Service kommt bei den Kunden vor allem in der Corona-Zeit sehr gut an, denn so kann der Einkauf im lokalen Supermarkt vermieden werden. Das dynamische Wachstum konnte nochmals gesteigert werden.

Der Umsatz stieg um 41,4% auf rund 1,8 Mrd. €. Die Anzahl der aktiven Abonnenten legte sogar um 45,3% auf fast 3 Mio. Nutzer zu. Unterm Strich konnte noch kein Gewinn erwirtschaftet werden, was auf die erheblichen Marketingaufwendungen zurückzuführen ist. HelloFresh möchte sich eine Monopolstellung erarbeiten. Die Gewinnschwelle könnte dank Corona aber bereits in diesem Jahr erreicht werden.

Kommunikation ohne Kontakt

Die Corona-Krise hat auch TeamViewer Rückenwind verliehen. Durch die verordneten Home-Office-Tätigkeiten sind digitale Lösungen gefragter denn je. Die Corona- Pandemie hat die Digitalisierung um Jahre vorangetrieben. TeamViewer hat seinen Umsatz bereits in 2019 um 51,1% auf 390,2 Mio. € gesteigert. Unterm Strich wurde die Gewinnschwelle mit großen Schritten überwunden. Es konnte ein Gewinn von rund 104 Mio. € ausgewiesen werden. Für 2020 erwarte ich neue Rekordmarken, die durch Corona noch höher notieren werden als prognostiziert.

Deutschland kommt schnell wieder auf die Beine

Ganz generell lässt sich festhalten: Durch Corona ist der Markt preiswerter geworden. Aktien werden mit Preisabschlägen im mittleren zweistelligen Prozentbereich gehandelt. Selbst wenn es krisenbedingt zu starken Auftrags-, Umsatz- und Gewinneinbrüchen kommen sollte, hat sich der Wert dieser Unternehmen für langfristige Investoren nicht im gleichen Ausmaß verringert. Hierbei sind deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich besser aufgestellt als andere Unternehmen, da durch die umfangreichen sozialen und politischen Sicherungsmaßnahmen in Deutschland ein schnelleres Anlaufen der Binnenwirtschaft nach der Krise wahrscheinlicher ist.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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