RIB-Software-Aktie: Der Ausverkauf geht in die nächste Runde

RIB Software-Aktie: Kapitalerhöhung und undurchsichtige Strategie lassen Aktie weiter in den Keller rauschen. Prognose reißt Anleger nicht vom Hocker. Skepsis der Investoren nimmt zu (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Wie gewonnen so zerronnen. Alleine in den vergangenen 10 Tagen hat sich die Aktie des Softwarespezialisten RIB Software mehr als halbiert. Wenn Sie meinen Newsletter kontinuierlich lesen, waren Sie vorgewarnt. Denn ich habe bereits Ende Februar von einem Investment abgeraten. Die Bewertung war der Geschäftsentwicklung meilenweit vorausgeeilt. Der raketenhafte Kursanstieg der Aktie wurde nach den Zahlen und einer durchgeführten Kapitalerhöhung mit einer unklaren Strategie nun kräftig ausgebremst.

RIB Software im Porträt

RIB Software bietet Software für die Planung, Kostenkalkulation und das Management von Bauprojekten an. Zuletzt sorgte eine Kooperation mit Microsoft für Rückenwind. Dabei soll die Bausoftware auf einer Cloud-Plattform zur Miete über das Internet den Kunden angeboten werden.

Zugleich hatte die Zusammenarbeit mit dem Auftragsfertiger Flex für Phantasie gesorgt.  In einem gegründeten Joint Venture (YTWO) bieten die beiden Immobilienfirmen die RIB Software-Produkte in Kombination mit der Lieferkettensoftware von Flex an. In dem Geschäftsmodell der Gemeinschaftsfirma überlassen die Schwaben den Nutzern der Plattform für ihre Zulieferer kostenlos Lizenzen für die Kostenkalkulationssoftware.

Umsatzplus von 10,6% in 2017

Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte der Softwarekonzern seinen Umsatz auf 108,3 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 10,6% entspricht. Unterdessen verbesserte sich das Nettoergebnis um mehr als ein Viertel auf 18,4 Millionen Euro.

Die Prognose für 2018 bestätigte das Management. Der Umsatz soll auf 117 bis 127 Millionen Euro steigen, das operative Ergebnis zwischen 33 und 43 Millionen liegen. Für Sie zum Vergleich: In 2017 lag das operative Ergebnis bei 40,3 Millionen Euro. Dass die Prognose die Anleger nicht vom Hocker gerissen hat, leuchtet ein. Denn die angepeilten Wachstumsraten bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Kapitalerhöhung heizt Skepsis der Investoren an

Neben der schwachen Prognose hat die gerade durchgeführte Kapitalerhöhung für Unmut bei den Investoren gesorgt. Ausgegeben wurden 4,68 Millionen Aktien zu je 28,00 Euro. Damit fließen 131 Millionen Euro in den Konzern. Das frische Geld aus der Kapitalerhöhung will RIB nicht nur in Zukäufe investieren. Das Geld soll vor allem in den Ausbau des Geschäfts rund um die Cloud gesteckt werden.

Zudem will das Unternehmen beständig rund 100 Millionen Euro in bar halten, um sein Image für große Unternehmenskunden und strategische Partner zu stärken. Für die Experten ist die Strategie von RIB Software jedoch unklar. Einige der Analysten denken, dass die Konsensschätzungen deutlich zu hoch sein könnten.

Nach dem kräftigen Abverkauf hat sich die Bewertung der Aktie zwar relativiert – aber richtig günstig sind die Papiere immer noch nicht. Vor dem Hintergrund der strategischen Fragezeichen und der überschaubaren Zuwachsraten dürfte die hohe Schwankungsbreite der Aktie weiter anhalten.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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