RIB Software: Kooperation mit Microsoft katapultiert Aktie nach oben

RIB-Software: Microsoft-Kooperation lässt Aktienkurs explodieren. Nach Kursrally ambitionierte Bewertung. Anleger blenden Risiken zunehmend aus (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Einem Senkrechtstarter gleicht die Aktie des deutschen Technologieunternehmens RIB Software. Waren die Papiere in 2013 noch für unter 4 Euro zu haben, mussten Sie gestern für einen Anteilsschein bereits über 27 Euro auf den Tisch legen. Alleine am gestrigen Tag betrug das Kursplus über 12% Eine Kooperation mit Microsoft hat der Aktie zusätzlichen Rückenwind verliehen.

Was sind die Gründe für die fulminante Kursentwicklung? Ist das hohe Kursniveau gerechtfertigt? Wie steht es um die langfristigen Perspektiven des Unternehmens?

RIB Software im Porträt

Auch wenn Ihnen der Firmenname vielleicht nichts sagt, eine kleine Nummer ist der Stuttgarter Konzern beileibe nicht mehr. Zumindest wenn es um den Börsenwert geht. Nach der beeindruckenden Kursentwicklung bringt es die Softwareschmiede immerhin auf einen Marktwert von annähernd 1,3 Milliarden Euro.

Dabei bietet die Firma Softwarelösungen für das Bauwesen an. Der Fokus liegt auf 5D-Bauplanung und Bauausführung. Die Gesellschaft konzentriert sich auf Softwarelösungen, die die gesamte Wertschöpfungskette bei Bau- und Infrastrukturprojekten abdecken – inklusive Projekt-Konzeption, Planung, Budgetierung und Ausschreibung, Schätzungen, Beschaffung, Koordination, Kontrolle und Wartung.

Zusätzlich bietet RIB ihren Kunden Service- und Beratungsleistungen und entwickelt bei Bedarf kundenspezifische Anwendungen. Zu den Kunden gehören Bauunternehmen, Bauträger, Eigentümer, Investoren und Regierungen. Sie nutzen die Lösungen von RIB unter anderem für die Erstellung von Preisdatenbanken, zur Tragwerksplanung, zum Büro- und Projektmanagement und zur Mengenermittlung.

Wachstum von geringer Basis aus

In den letzten Jahren zeigten die Stuttgarter kontinuierliches Wachstum. Seit 2009 kletterten die Umsätze von 30,1 auf 108,3 Millionen Euro. Im vergangenen Geschäftsjahr erhöhten sich die Umsätze um 10,6%. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen lag mit 40,2 Millionen Euro 22,9% über dem Vorjahresniveau. Genaue Zahlen zum Nettoergebnis für 2017 gibt es noch nicht, da die endgültigen Zahlen erst am 29. März veröffentlicht werden. Die Analysten rechnen für das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Ergebnis je Aktie von 0,40 Euro.

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Microsoft-Kooperation weckt Phantasie der Anleger

Für den jüngsten Kursschub war die Meldung über eine Kooperation mit den Softwareriesen Microsoft verantwortlich. Die Unternehmen wollen beim Aufbau der Cloud-Plattform für das Bauwesen MTWO kooperieren. Das Geschäftsmodell soll darin bestehen, Gebühren für das Abonnement der durch Microsoft und RIB in der Cloud bereitgestellten Software- und Daten-Services zu erheben. Von der Allianz verspricht sich RIB bereits in den ersten zwei Jahren hundert Kunden.

Alleine die Meldung über die neue Plattform katapultierte den Marktwert der Firma um rund 145 Millionen Euro nach oben. Dabei scheinen die Anleger offenbar zu vergessen, dass der Aufbau des Geschäftsmodells erst einmal ordentlich ins Geld geht. In den kommenden beiden Geschäftsjahren wird das operative Ergebnis mit jeweils 3 Millionen Euro im Jahr belastet werden.

Zusammenarbeit mit Flex läuft an

Im Moment bestimmen positive Einzelmeldungen den Kurs. Schon zu Beginn des Jahres sorgte der erste Auftrag aus dem Joint Venture YTWO mit Flex (ehemals Flextronic) in den USA für positive Stimmung. YTWO bietet Immobilienfirmen RIB-Software zur Kostenkalkulation und -prognose in Kombination mit der Lieferkettensoftware von Flex als Cloud-basiertes Programm an.

In dem Geschäftsmodell der Gemeinschaftsfirma überlassen die Schwaben den Nutzern der Plattform für ihre Zulieferer kostenlos Lizenzen für die Kostenkalkulationssoftware. Im Gegenzug muss der Kunde das Lieferkettenmanagement von Flex nutzen. Sollte YTWO in der globalen Bauindustrie den mittelfristig avisierten Marktanteil von fünf Prozent erreichen, rechnet RIB mit jährlichen Einnahmen von 800 Millionen Euro.

Das Spiel mit der großen Zahl – Anleger sollten vorsichtig sein

Keine Frage, die jüngsten Meldungen waren positiv und die von dem Unternehmen in den Raum gestellten Langfristprognosen sind durchaus beeindruckend. Das trifft aber auch auf die Bewertung der Firma zu. Immerhin wird RIB-Software nach der Kursrallye mit mehr als dem 10-Fachen der 2018er Umsätze und mehr als dem 60 Fachen der zukünftigen Gewinne bewertet. Da wird die Luft langsam dünn. Fehlschläge darf sich der Anlegerliebling auf dieser Basis keine erlauben. Sonst droht nach dem raketenhaften Aufstieg eine schmerzhafte Landung.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.