RIB Software: Nach Kursabsturz immer noch zu teuer

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Wie aus dem Nichts kamen die Aktien von RIB Software unter die Räder. Aber wie ist die fundamentale Bewertung der? (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Vor vier Wochen hat der Stuttgarter IT-Dienstleister RIB Software die Anleger mit einer überraschenden Kapitalerhöhung auf dem falschen Fuß erwischt. Die angebotenen knapp 4,7 Millionen Stück neuer Aktien konnten zwar unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre bei institutionellen Investoren platziert werden, doch zwei Aspekte der Kapitalerhöhung bereiteten den Investoren massive Kopfschmerzen.

Eine völlig verpatzte Kapitalerhöhung

Zum einen der ungewöhnlich hohe Abschlag von fast 10 % zum damaligen Aktienkurs, wo doch das Gesetz vorschreibt, dass der Emissionspreis den aktuellen Börsenkurs nicht wesentlich unterschreiten dürfte. Als „wesentlich“ gilt eine Grenze von etwa 5 % zum letzten Aktienkurs.

Zum anderen fragten sich viele Anleger, warum einer der größten Softwareanbieter im Bereich der Enterprise-Resource-Planning-Lösungen für das Bauwesen überhaupt eine Kapitalerhöhung im Umfang von 130 Mio. Euro durchführen muss. Verfügte das Unternehmen zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres immerhin über eine frei verfügbare Liquidität von mehr als 135 Mio. Euro – und so groß ist der Investitionsbedarf zum Aufbau des neuen Cloudgeschäfts nun auch wieder nicht.

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Zwischen Euphorie und Enttäuschung

Die einzige Antwort, die RIB Software auf die Kritikpunkte parat hatte, war, dass man gerne 100 Millionen Euro in der Kasse behalten wolle, um sein „Image als zuverlässiger und langfristiger Anbieter unterstreichen“ zu können. Dies kam nun wiederum gar nicht gut an, weshalb sich viele Anleger umgehend von dem Titel wieder trennten. Jetzt ist die Aktie noch viel billiger zu haben, denn der Kurs der Aktie stürzte im Zuge der großen Enttäuschung völlig ab: Notierte das Wertpapier im März noch bei über 35 Euro, sind die Aktien heute schon für knapp 21 Euro zu haben.

Nach wie vor deutlich überbewertet

Mittlerweile konnte sich die Stimmung zwar wieder etwas aufhellen, was auch den Kurs wieder etwas stabilisierte. Schon mehren sich die Stimmen, die meinen, man müssen jetzt zugreifen. Meiner Meinung nach ist dies voreilig: Mit einer Marktkapitalisierung von stolzen 1,1 Milliarden Euro bei Umsätzen von gerade einmal 108 Millionen Euro (2017) ist die Aktie des TecDAX-Unternehmens auch auf dem aktuell gedrückten Niveau völlig überteuert.

Doch nicht nur der innere Wert der Aktie liegt deutlich unter dem aktuellen Aktienkurs, auch ein Peergroup-Vergleich mit dem Marktführer, der Münchener Nemetschek SE, offenbart die Überbewertung von RIB Software. Nein, selbst nach dem massiven Kursrutsch ist RIB Software kein Schnäppchen. Zuschlagen sollten Anleger erst nach einem weiteren Schwächeanfall bei unter 10 Euro je Aktie.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.