RIB Software: Wenn sich Leerverkäufer die Hände reiben

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Trotz Umsatzwachstums erneut ein massiver Ergebniseinbruch: RIB Software kommt einfach nicht zurück in die Spur (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Gestern hat der Bausoftwarehersteller RIB Software seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2018 veröffentlicht. In einem Wort: Sie fielen enttäuschend aus. Die im TecDAX notierte Aktie brach daraufhin um mehr als 10 % ein und setzte den Trend der vergangenen Monate fort: Gegenüber dem Allzeithoch von 35,26 Euro hat sich der Aktienkurs inzwischen auf 19,00 Euro fast halbiert. Nicht weniger als 775 Mio. Euro an Börsenwert wurden in den vergangenen vier Monaten vernichtet.

Betriebsergebnis bricht ein

Und das zu Recht. Zwar konnte der Konzernumsatz des TecDAX-Wertes im ersten Halbjahr um 17,1% auf 62,4 Mio. Euro gesteigert werden, beim betrieblichen Ergebnis kam es indessen zu einem massiven Rückgang: EBITDA und EBIT brachen im Halbjahresvergleich um 24,5 % bzw. 39,1 % ein.

Ursächlich für diesen Ergebnisrückgang waren Einmaleffekte aus einer größeren Softwarelieferung an das Joint Venture YTWO, von denen das Halbjahresergebnis des Vorjahres noch profitiert hatte. Bereinigt um diese Einmalerträge in Höhe von 7,6 Mio. Euro konnte das EBITDA zum Halbjahr immerhin um 10,5 % gesteigert werden.

Unbefriedigender Margentrend

Doch selbst die bereinigten Finanzzahlen waren alles andere als berauschend. Für Verunsicherung sorgte allenthalben die Entwicklung der Profitabilitätskennzahlen: So verringerte sich die um Einmaleffekte bereinigte EBITDA-Marge im zweiten Quartal auf 26,2 % von 34,3 % im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Das Unternehmen, das sich selbst als weltweit führender Anbieter der iTWO 5D BIM Big Data Technologie für die Bauindustrie ansieht, steht offenbar vor einem Ertragsproblem. Wie das Unternehmen im Halbjahresbericht mittelte, haben höhere Ausgaben etwa für die Entwicklung von Software und das Marketing das Ergebnis belastet. Dass Entwicklungsaufwendungen die Ertragslage belasten, dürfte nicht nur für ein Softwareunternehmen wenig verwunderlich sein. Weitere Erklärungen blieb das Unternehmen schuldig.

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Verbesserungsfähige Kommunikation

Nicht das erste Mal übrigens. Bereits zuvor hat sich das Krisenmanagement des Unternehmens als wenig souverän gezeigt. Einmal waren es umstrittene Geschäfte mit dem eigenen Joint Venture, die von der WirtschaftsWoche aufgedeckt wurden, ein andermal wurde trotz erklecklicher Barreserven von knapp 150 Mio. Euro eine für Außenstehende völlig unnötige Kapitalerhöhung angekündigt.

So gesellt sich zum Ertragsproblem ein Kommunikationsproblem, zumal im Vorjahr die nun bereinigungsfähigen Einmaleffekte als solche gar nicht ausgewiesen wurden. Stattdessen sah man sich mit der Entwicklung „auf einem sehr guten Weg“ – was durchaus als Indiz zu werten ist, dass es mit der Profitabilität so weitergeht.

Da hilft es wenig, dass das Unternehmen seine Guidance für das laufende Jahr bestätigt hat. Demnach soll der Umsatz auf 117 bis 127 Mio. Euro steigen – also etwa 17 % mehr als im Vorjahr –, beim operativen Ergebnis wird ein Wert zwischen 33 und 43 Mio. Euro angepeilt, schlimmstenfalls also mehr als 17 % weniger als im Vorjahr.

Am meisten gefreut haben dürfte sich über die die Quartalsmeldung George Soros, dessen Gesellschaft SFM UK Management die Aktien des Bausoftware-Unternehmens schon vor Monaten massiv leerverkauft hat. Solange sich keine Ertragswende einstellt, sollten Sie sich daher am legendären US-Investor orientieren: Und die Aktie meiden.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.