Risiken und Nebenwirkungen

Novartis hat Anleger nur kurzzeitig entzückt. Risiken bleiben. (Foto: Denis Linine / Shutterstock.com)

Die Pharma-Branche ist für Anleger häufig ein solides Pflaster. Doch auch auf vermeintlich ruhigem Terrain kann es hin und wieder hoch hergehen. Genau so zeigt es sich derzeit beim Schweizer Pharma-Riesen Novartis. Patente laufen aus und reißen Lücken in den Umsatz des weltweit aktiven Konzerns. Gleichzeitig kündigt das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm an und lässt durchblicken, dass auch die Dividende langfristig steigen könnte.

Ist also alles in Butter bei Novartis? Schauen wir uns das Unternehmen genauer an: Novartis entstand 1996 aus der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz und ist heute ein weltweit führender Pharmakonzern. Novartis ist in 5 Sparten tätig: Pharmaceutika (patentgeschützte Arzneimittel), Alcon (Augenheilkunde), Sandoz (Generika), Consumer Health (Produkte für die Selbstmedikation und Tiermedizin) sowie Impfstoffe und Diagnostika.

Risiken trotz Rückkaufprogramm

Novartis sagt selbst, dass man wohl keine Aktien kaufen würde, wenn man nicht an den Erfolg einer solchen Transaktion glaube. Einige Anleger ließen sich bereits überzeugen und kauften unmittelbar nach Bekanntgabe des Rückkaufprogramms ebenfalls Novartis-Aktien. Ganz so einfach ist es aber nicht. Neben dem Rückkaufprogramm gibt es auch Pläne, auf Unternehmensseite zuzukaufen.

Damit dürfte auch der Wunsch verknüpft sein, neue Umsatzbringer in den Konzern zu holen. Hier liegen aus unserer Sicht gleich 2 Risiken: Einerseits befindet sich Novartis angesichts auslaufender Patente unter Zugzwang. Andererseits sind Zukäufe immer auch mit Risiken verbunden. Die Planungssicherheit, die Novartis mit einem in die Zukunft gerichtete Aktienrückkaufprogramm vermitteln will, gibt es nicht.

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Unterm Strich bleibt Unsicherheit

Doch gibt es auch positive Nachrichten: In diesem Jahr gelang es Novartis, Umsatzeinbußen durch ausgelaufene Medikamente mittels anderer Produkte wieder wett zu machen. Auch in den anderen Sparten konnte Novartis zulegen. Operative Margenverbesserungen gab es zudem bei Alcon und bei Impfstoffen/Diagnostika. Impfstoffe profitierten von der schweren Grippewelle in den USA. Schwächere Margen meldeten die Sparten Generika und Konsumprodukte.

Im Gesamtjahr werden sich die Einbußen durch Generika-Konkurrenz auf 3,5 Mrd $ summieren. Dennoch strebt der Konzern einen Umsatz auf Vorjahresniveau an, zumal sich das Wachstum bei Alcon im 2. Halbjahr dank neuer Produkte beschleunigen sollte. Die Restrukturierung eines US-Werks sowie hohe Investitionen in die Markteinführung neuer Medikamente werden jedoch das operative Ergebnis belasten. Andererseits rechnet Novartis mit Einsparungen durch die laufenden Maßnahmen zur Produktivitätsverbesserung.

Insgesamt stehen wir Novartis verhalten gegenüber. Das Rückkaufprogramm und auch die Dividendenphantasie dürften den Kurs durchaus stützen, doch bleiben operative Unsicherheiten zurück. Diesen sollten sich Anleger bewusst sein.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.