Riskante Bankrott-Wetten: Air-Berlin-Aktie fällt um weitere 30%

Air Berlin ist pleite. Übernahme-Wetten führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Totalverlust. Wir erklären Ihnen dies hier genauer: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Vor 2 Wochen musste Deutschlands zweitgrößte Luftfahrt-Gesellschaft Air Berlin Gläubiger-Schutz beantragen.

Nachdem Großaktionär Etihad die Hoffnung auf eine nachhaltige Wende aufgegeben hatte und keine weiteren Kredite bereitstellen wollte, kam es zum Insolvenzfall.

Seitdem werden verschiedene Optionen geprüft, wie es mit der Airline weitergehen kann.

Als größter Gewinner der Pleite gilt bereits jetzt der Branchen-Primus Lufthansa, der je nach Gerücht bei einer Zerschlagung wohl den Löwenanteil bekommen wird.

Billigflug-Rivale Ryanair dagegen will von dem Fall nichts wissen; das „abgekartete Spiel“ sei nichts für die Iren.

Bei einem transparenten Verfahren hätte man sich ein Angebot vorstellen können, so jedoch nicht.

Germania geht wegen Bundes-Bürgschaft vor Gericht

Neben Ryanair hat auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl kein Interesse mehr an einer Air Berlin-Übernahme.

Sein Plan, Air Berlins Flugzeuge samt Besatzung, Versicherung und Wartung zu üblichen Charter-Preisen zu übernehmen, ließ sich jedoch aufgrund von Formalitäten nicht umsetzen.

Mit Germania ist ein 3. denkbarer Käufer aus dem Rennen.

Germania hat nicht nur kein Interesse an Air Berlin, der Konkurrent wehrt sich gegen die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs auf Kosten der Steuerzahler beim Landgericht Berlin.

Gemeint ist damit der 150 Mio. € große Überbrückungs-Kredit der Bundesregierung, mit dem gewährleistet werden soll, dass die Urlauber nicht im Urlaubsort festsitzen.

Am 15. September fällt dazu eine Entscheidung.

Condor könnte Air Berlin komplett übernehmen – Doch das bedeutet nicht unbedingt, dass die Aktionäre davon profitieren

Auf der anderen Seite steht für Teile von Air Berlin neben der Lufthansa noch der Billig-Flieger Easyjet bereit; der Konkurrent hat es auf verschiedene Start- und Landerechte abgesehen.

Im Rennen soll auch noch die Thomas-Cook-Tochter Condor sein; diese prüfe sogar eine Komplett-Übernahme.

Wer daraus aber eine große Gewinnchance für die Air-Berlin-Aktie ableitet, der irrt sich wahrscheinlich…

Zur Erinnerung:

Nach mehreren Verlust-Jahren ist Air Berlin insolvent. Es geht nicht um die Firmen-Übernahme einer angeschlagenen Airline, die man einmal eben wieder flott bekommt!

Wenig Hoffnung auf Zahlung an Air-Berlin-Aktionäre

Nach Einschätzung des Übernahme-Gewinners werden die Air-Berlin-Aktionäre leer ausgehen.

Bei 1,5 Mrd. € Schulden ist nicht einmal gewährleistet, ob der Bund sein Versprechen einlösen kann und die 150 Mio. € aus der Bürgschaft zurückbekommt.

Etihad wird Air Berlin über so viele Jahre hinweg nicht ohne Sicherheiten über Wasser gehalten haben.

Wenn die Sicherheiten abgezogen werden und dann die noch lange Schlange der Schuldner bedient wurde, dürfte nicht mehr viel Geld für Aktionäre übrig bleiben.

Wer die Aktie nicht verkauft, geht wahrscheinlich leer aus

Optisch günstige Aktien ziehen einige Privat-Anleger magisch an. Der Gedanke, dass es nicht mehr viel tiefer gehen kann, ist aber falsch.

Ob beispielsweise eine Lindt-Aktie von 4.800 auf 3.360 € fällt, oder die Air Berlin-Aktie von 0,45 € (vor 2 Wochen) auf (aktuell) 0,315 €; in beiden Fällen sind 30% weg.

Es gibt einen Grund, warum die Air-Berlin-Aktie so tief gefallen ist…

Und auch, wenn es „nur“ 13,5 Cent sind, welche die Aktie verloren hat: Es ist aus meiner Sicht unwahrscheinlich, dass die Aktie noch einmal auf das Kurs-Niveau zurückfindet.

Nach den vielen Warnungen, dass es sehr riskant ist, mit Pleite-Kandidaten zu zocken, möchten wir auch jetzt noch einmal warnen:

Die Kursrichtung ist vermutlich vorprogrammiert und geht weiter Richtung 0!

Wer bei Einstellung des Handels noch Air-Berlin-Aktien besitzt, wird die Investition mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett abschreiben müssen…

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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