Riskante Bankrott-Wetten: Air-Berlin-Aktie nur noch 15 Cent wert

Die Air-Berlin-Aktie nähert sich in großen Schritten der 0. Wer auf unsere Warnung hörte, dem ist ein hoher Verlust erspart geblieben. (Foto: Markus Mainka / shutterstock.com)

Mitte August dieses Jahres wurde endgültig, was nicht wenige Branchen-Kenner befürchteten:

Deutschlands zweitgrößte Luftfahrt-Gesellschaft Air Berlin musste Insolvenz anmelden.

Zu groß wurde der Schuldenberg und zu klein waren dem arabischen Großaktionär Etihad die operativen Fortschritte.

Die Hoffnung von Aktionären und Spekulanten, dass die Lufthansa den Rivalen übernimmt, zerschlug sich. Damit fiel auch die kurz zuvor gestiegene Air-Berlin-Aktie wieder zurück.

Und obwohl sich zu dem Zeitpunkt schon abzeichnete, welche Richtung der Aktienkurs nach der Hiobsbotschaft nehmen würde, ging der rege Handel mit dem Papier weiter.

Langfrist-Investoren hatten nur kurze Euphorie-Phase

Die Kurs-Entwicklung von Air Berlin ist für die Investoren ein Desaster:

Wer beim Börsengang vor 11 Jahren mit von der Partie war und die Aktie bis heute hielt, der hat sein Geld so gut wie vollständig verloren.

Dabei sah es zunächst gut aus: Nach dem Börsengang zu 12 € stieg die Aktie Richtung 20 €.

Doch genau so schnell wie es nach oben ging, ging es auch wieder bergab:

Nur 1,5 Jahre später kostete die Aktie nur noch 3 €, 30 Monate nach dem Börsen-Debut waren 75% des Einsatzes futsch.

Aktueller Restwert: 15 Cent je Aktie

Heute Nachmittag kostet die Air-Berlin-Aktie noch ganze 0,15 € – 25% weniger als gestern. Das Handels-Volumen lag über die Börsenplätze verteilt bei über 8 Mio. Stück.

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Offenbar wollten sich einige Anleger noch schnell den Rest-Erlös sichern – und/oder aus steuerlichen Gründen einen sauberen Verkauf.

Während ein Verkauf auch in der Nähe des Allzeit-Tiefs sehr verständlich ist, sind die Gründe der Käufer oft unklar.

Zocker lauern auf unerfahrene Anleger

Mehrfach haben wir vor einer riskanten Pleitewette mit Air-Berlin-Aktien gewarnt.

Die Hoffnung, dass ein Käufer das Unternehmen incl. Schulden übernimmt und den Aktionären ein Übernahme-Angebot unterbreitet, entbehrt jeder Grundlage.

Es gibt auch keine Hoffnung, dass nach der Abarbeitung der langen Schuldner-Liste noch Geld für die Aktionäre bleibt.

Wer jetzt noch kauft, der begibt sich in das Becken von Zockern – und unter denen sind einige clevere Haie, die auf ahnungslose Fische lauern.

3 Cent Kursveränderung bedeuten 20% Preis-Unterschied

Die Air-Berlin-Aktie wird auf kurz oder lang auf 0 fallen. Vorher wird es noch das übliche „Kammerflimmern“ geben.

Irgendwo in dubiosen Foren dürfte das Papier bereits in den vergangenen Wochen künstlich gepusht worden  sein.

Anders ist auch ein zwischenzeitlicher 100%-Anstieg von 0,25 auf 0,50 € nicht zu erklären.

Fehlinformationen und unerklärliche Kurssprünge sind die Regel, kurz bevor die Aktie eines Pleite-Kandidaten umsatzloses Zombie-Niveau erreicht.

Auch wenn die Aktie nur 15 Cent kostet: Es geht noch tiefer! Und 3 Cent weniger bedeutet 20% Verlust. Daher sollten Sie nach wie vor die Finger von dem Pleitekandidaten lassen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.