Rite Aid-Übernahme durch Walgreens: Das sieht nicht gut aus

„Walgreens Boots Alliance übernimmt Rite Aid für 9,41 Mrd. Dollar!“ – Dies war die Schlagzeile in gleich mehreren Wirtschafts-Publikationen im Oktober 2015.

Richtiger gewesen wäre allerdings die Überschrift, dass Walgreens 9,41 Mrd. Dollar für Rite Aid bietet. Denn der ursprüngliche Deal ist inzwischen vom Tisch.

Nachdem die US-Wettbewerbs-Behörden die Übernahme in der von Walgreens und Rite Aid vorgeschlagenen Version untersagten, musste neu verhandelt werden.

Die beiden Parteien einigten sich daraufhin auf geänderte Deal-Bedingungen, da der Zukauf ansonsten für Walgreens nicht mehr attraktiv gewesen wäre.

Statt 9,4 Mrd. Dollar wurde in Abhängigkeit der Auflagen ein Preis zwischen 6,8 und 7,4 Mrd. ausgehandelt.

Der Deal schien unter den geänderten Bedingungen und der Bereitschaft beider Seiten den Wettbewerbs-Behörden entgegenzukommen wieder in der Spur.

Jetzt zeigt sich aber, dass auch die neue Version wahrscheinlich nicht zum Deal-Abschluss führt.

Wettbewerbs-Behörde untersagte bereits ursprünglichen Übernahme-Plan

Dass der Genehmigungs-Prozess in der Drogerie-Branche kein Spaziergang wird, war Bieter und Übernahme-Kandidat von Anfang an klar.

Wenn der Branchen-Zweite trotz hoher Konzentration die Nr. 3 aus der Branchen-Spitze schlucken will, dann schauen sich die Wettbewerbs-Behörden den Deal immer ganz genau an.

Walgreens und Rite Aid kamen nach eingehender Analyse zu dem Ergebnis, dass mit Verkauf und Schließung von 865 Filialen die Wettbewerbs-Behörden beruhigt werden würden.

Geplant war, dass man die Geschäftsstellen an den Konkurrenten Fred´s verkauft, der dann zum nennenswerten Kontrahenten aufgestiegen wäre.

Doch den Wettbewerbs-Behörden ging das nicht weit genug; sie forderten mehr Verkäufe, ansonsten würde der Deal untersagt.

Wettbewerbs-Behörden: Fred´s Kapazitäten zu klein für landesweites Filialnetz

Walgreens und Rite Aid stimmten daraufhin dem Verkauf von 1.000 – 1.200 Geschäftsstellen zu. Wieder sollte Fred´s den Großteil der Stellen bekommen.

Das Problem: Offenbar bezweifelt die Wettbewerbs-Behörde, dass Fred´s in der Lage ist die neu hinzugewonnen Geschäftsstellen erfolgreich zu managen.

Denn durch den Kauf würde Fred´s Filialnetz auf einen Schlag mehr als doppelt so groß.

Wenn dies wirklich die Hauptargumentation der Wettbewerbs-Behörde ist, dann wird es sehr schwierig die Übernahme genehmigt zu bekommen.

Zwar könnte über Schließungen noch etwas erreicht werden, doch das geht dann zu Lasten der Übernahme-Kalkulation.

Würden Teile der zum Verkauf stehenden Stellen an Finanz-Investoren gehen, könnte die hohe Wettbewerbs-Konzentration wieder ein Problem werden.

Fraglich ist auch, ob der Verkauf an Finanz-Investoren überhaupt möglich ist.

Früheren Gerüchten zufolge soll das Interesse an den angebotenen Filialen äußerst überschaubar gewesen sein.

Denn verständlicherweise bietet Walgreens nicht die Premium-Filialen zum Verkauf an, sondern die wenig profitablen Stellen.

Platzt der Deal, könnte Rite Aid zeitnah erneut Übernahme-Ziel sein

Mit schwindender Zuversicht, dass die Übernahme noch über die Bühne geht, ging die Aktie in dieser Woche auf Tauchstation:

Notierte sie im Januar nur knapp unter dem Übernahme-Preis aus der 1. Angebotsrunde, liegt sie jetzt über 40% unter dem neuen Mindestpreis von 6,50 Dollar je Aktie.

Wer jetzt auf einen erfolgreichen Deal-Abschluss setzt, hat also ein Gewinn-Potenzial von über 70%.

Das ist verlockend – doch Vorsicht: Wenn der Deal wie vom Markt erwartet nicht klappt, dann kann es auch schnell noch deutlich tiefer gehen!

Analysten der Deutschen Bank halten einen Kursverfall auf 2,25 Dollar für möglich (aktueller Kurs: 3,85 Dollar).

Anleger sollten unbedingt auf die Geschäftszahlen am 25. April achten:

Wenn sich Rite Aid im 1. Quartal profitabler zeigt als angenommen, lohnt es sich sehr das Unternehmen ganz oben auf der Beobachtungsliste zu haben.

Wenn nämlich der Deal etwas später platzen sollte und die Aktie abtaucht, kann ein Einstieg äußerst attraktiv sein.

Wir wären wenig überrascht, wenn dann später im Jahr, oder im Frühjahr 2018, Rite Aid einen anderen Käufer finden würde (Finanz-Investoren).

21. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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