Rite-Aid-Übernahme gescheitert: 2,80 Dollar statt 9 Dollar

Wenn Deals wackeln, sollten Investoren sehr vorsichtig sein. Bei operativ angeschlagenen Übernahme-Kandidaten muss sofort verkauft werden. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Die Übernahme der US-amerikanischen Drogeriekette Rite Aid durch den größeren Rivalen Walgreens ist gescheitert.

Bieter und Übernahme-Kandidat teilten Ende vergangener Woche mit, dass man von dem Übernahme-Plan Abstand genommen hat.

Als Grund für das Deal-Aus wird der andauernde Widerstand der Wettbewerbs-Behörden genannt.

Diese hatten Bedenken, dass die Konzentration in der Branche nach der Übernahme zu groß ist.

Den Aufbau eines Konkurrenten durch den Verkauf von Unternehmens-Teilen sahen sie als nicht ausreichend an.

Walgreens und Rite Aid setzten auf die Online-Pharmakette Fred’s, die aus Sicht der Behörden allerdings nicht in der Lage ist einen so großen stationären Handel nachhaltig zu betreiben.

Auch größere Zugeständnisse überzeugen Behörden nicht

Das Übernahme-Aus ist für die beiden Parteien bitter; schließlich wurde fast 2 Jahre lang versucht, den Deal in trockene Tücher zu bringen.

Zwischendurch sah es aus Sicht des Aktienmarktes auch nach einem erfolgreichen Deal-Abschluss aus, doch die Investoren täuschten sich.

Als dann klar wurde, dass die Übernahme nicht wie ursprünglich gedacht über die Bühne gehen kann, wurde versucht den Deal durch Nachverhandlungen zu retten.

Der neue Plan schien zunächst deutlich höhere Chancen auf eine Zustimmung der Wettbewerbs-Behörden zu haben, doch wurde erneut abgelehnt.

Aktie verliert über 60% und steht heute weiter unter Druck

Für die Walgreens-Aktionäre ist das Übernahme-Aus zu verschmerzen. Gegenüber dem Aktienkurs vor Ankündigung der Transaktion notiert das Papier 2-stellig im Gewinn.

Kurz nach Bekanntwerden des Übernahme-Aus legte die Aktie zu – ein Zeichen dafür, dass ohnehin nicht alle Investoren vom Vorteil der Transaktion überzeugt waren.

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Für die Rite Aid-Aktionäre ist das Übernahme-Aus dagegen eine Katastrophe.

Noch zu Beginn des Jahres notierte die Aktie nur wenige Prozentpunkte unter dem Angebotspreis von 9 Dollar. Wer nicht ausstieg, als der Deal anfingen zu wackeln, hat viel Lehrgeld gezahlt.

Als der Deal nachverhandelt wurde und Investoren im Falle eines Deals immerhin noch die Chance auf bis zu 7 Dollar je Aktie hatten, stand das Papier lange Zeit wenigstens noch über 5 Dollar.

Heute, also nach Wegfall der Chance auf den Alternativ-Deal, kostet die Aktie jedoch nur noch 2,80 Dollar. Vom Hochpunkt ist die Aktie etwa 70% entfernt.

„Rest-Rite Aid“ ist attraktiver Übernahme-Kandidat, wenn der Druck raus ist

Es ist gut möglich, dass das jetzige Kursniveau eine Übertreibung anzeigt. Rite Aid und Walgreens trennen sich nicht ganz ohne Deal.

Die Hälfte der Geschäftsstellen wird von Walgreens (rein rechnerisch) zu einem leicht höheren Durchschnitts-Preis erworben als im Übernahme-Vertrag vereinbart wurde.

Rite Aid sitzt auf einem sehr großen Schuldenberg und die durch den Verkauf ermöglichte Schuldenreduzierung hat einen sehr positiven Effekt auf das Finanz-Ergebnis.

Hinzu kommt, dass der wichtige, profitabel arbeitende Unternehmensbereich PBM die operativen Kennziffern verbessern wird.

Auch Übernahme-Jäger kommen auf ihre Kosten. Die Rest-Rite Aid könnte in das Visier von Finanz-Investoren kommen, die jetzt ihre Chance sehen zum günstigen Preis zuzugreifen.

Spekuliert wird auch, ob nicht Amazon nach dem Kauf von Whole Foods Markets bei Rite Aid weitermachen könnte.

Es könnte sich für Sie lohnen die Aktie im Auge zu behalten und zuzugreifen wenn der Abwärtsdruck raus ist.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.