Roche-Aktie: Günstige Chance zum Einstieg?

Um das Börsen-Geschehen und den Kursverlauf mancher Wertpapiere nachvollziehen zu können, reicht es mitunter nicht aus, die fundamentalen Zahlen zu bewerten.

Die Börsen-Notierung muss nicht zwangsläufig eng verwoben sein mit der eigentlichen wirtschaftlichen Kraft eines Unternehmens.

Ein aktuelles Beispiel für ein solches Phänomen liefert Roche. Der Schweizer Pharma-Konzern ist gut aufgestellt:

Im 1. Halbjahr 2016 konnte der Gesamt-Umsatz um rund 5% gesteigert werden auf 25 Mrd. Schweizer Franken, der Gewinn lag mit 5,5 Mrd. bereits 3% höher als im Vergleichs-Zeitraum des Vorjahres.

Blockbuster in der Pipeline

Mit dem Medikament Ocrevus, das im Kampf gegen multiple Sklerose zum Einsatz kommen soll, hat Roche womöglich ein echtes Blockbuster-Mittel in der Pipeline.

Die Zulassung für den US-Markt steht kurz bevor und auch in der Europäischen Union laufen bereits die formalen Anträge.

Kommt das Mittel demnächst auf den Markt, könnte das pro Jahr gut 4 Mrd. US-Dollar zusätzlich in die Kassen der Schweizer spülen.

Trotzdem befindet sich der Aktienkurs des Unternehmens im Sinkflug: Seit Jahresbeginn hat der Genussschein, der auch an der Frankfurter Börse gehandelt wird, rund 15% an Wert verloren.

Kostete das Papier im vergangenen Winter noch fast 260 € oder 300 Franken, ist es inzwischen für unter 220 € oder rund 240 Franken zu haben.

Das liegt – wie oben beschrieben – mitnichten an der Unternehmens-Politik. Die fundamentalen Daten können sich nach wie vor gut sehen lassen.

Stattdessen haben börsentechnische Umstände zum jüngsten Kursverfall beigetragen.

Novartis will Roche-Anteile abstoßen

Der Konkurrent Novartis hält 1/3 der Anteile an Roche, will sich davon aber in Kürze trennen.

Damit kommt ein Aktienpaket im Wert von satten 13 Mrd. Franken auf den Tisch, die Suche nach neuen Großinvestoren läuft bereits auf Hochtouren.

Weil ein solch wesentlicher Wechsel in der Eigentümer-Struktur i. d. R. auch einen Kursverlust mit sich bringt, haben sich inzwischen auch viele institutionelle Anleger wie Hedgefonds entsprechend platziert:

Sie trennten sich von ihren Roche-Beständen, um sich demnächst dann wieder günstig eindecken zu können.

Diese Einstiegs-Chance können auch Anleger für sich nutzen, denn die Aussichten für Roche sind äußerst positiv.

Analysten prognostizieren einen deutlichen Kursanstieg und sprachen zuletzt fast einstimmig Kaufempfehlungen aus.

Die Kurs-Ziel-Spanne beginnt bei 275 Franken (Jefferies & Company), die meisten Experten halten einen Anstieg auf bis zu 300 Franken für realistisch.

Analysten sehen klares Kurs-Potenzial

Vereinzelt gehen die Prognosen jedoch auch darüber hinaus:

So sehen Analysten der Société Générale das Kursziel für Roche bei 320 Franken. Noch weiter gingen die Experten von Goldman Sachs, die kürzlich ein Kursziel von 355 Franken ausriefen.

Ein weiteres Bonbon für Anleger: Seit mehr als 10 Jahren wurde die Dividende regelmäßig erhöht – und nach der starken Bilanz des 1. Halbjahres dürfte das auch im kommenden Frühjahr wieder der Fall sein.

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21. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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