Roche: Sparks-Deal zieht sich ungeplant in die Länge

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Roche und Spark Therapeutics: Der Milliardendeal geht in die Verlängerung. Der Baseler Pharmakonzern will sich im Zukunftsmarkt mit Gentherapien verstärken. (Foto: Jonathan Weiss / Shutterstock.com)

Manchmal dauert es länger als geplant. So auch bei der Übernahme von Spark Therapeutics durch den Schweizer Pharmariesen Roche. Eigentlich sollte der Deal schon längst in trockenen Tüchern sein. Immerhin wurde die Offerte bereits im Februar angekündigt. Ursprünglich sollte die Transaktion bereits Ende April über die Bühne gehen. Doch mittlerweile wurde die Annahmefrist für das Angebot bereits dreimal verlängert. Jetzt können Anleger noch ihre Spark-Papiere bis zum 14. Juni andienen.

Dass sich Übernahmeprozesse gerne auch mal in die Länge ziehen, ist vollkommen normal. Aber eine dritte Verlängerung der Annahmefrist ist doch eher ungewöhnlich. Das scheinen sich auch die Aktionäre zu denken. Der offerierte Übernahmepreis liegt bei 114,50 Dollar je Aktie. Auf Grund der Unsicherheit haben sich die Papiere zuletzt leicht abwärts bewegt und liegen mit knapp 109 Dollar mittlerweile gut 5% unter dem Angebotspreis.

US-Behörde benötigt mehr Zeit

Der Grund für die abermalige Verschiebung liegt laut Roche im Prüfungsprozess durch die US-Behörden, der mehr Zeit in Anspruch nimmt als ursprünglich erwartet worden war. Dabei liegt die Verzögerung auch an den beiden beteiligten Firmen selbst. Es gab nämlich nach dem Angebot kräftigen Gegenwind von einigen Spark-Aktionären. Sie warfen dem Management vor, nicht genug beziehungsweise irreführende Informationen im Rahmen der Offerte an die Anleger geliefert zu haben.

Sie müssen wissen: Nach Erhalt einer Übernahme ist die Konzernführung verpflichtet, seinen Aktionären in einem Empfehlungsschreiben zu erläutern, warum das Angebot die eigene Firma adäquat und fair bewertet. Nach den Querelen wollte Roche erneut sogenannte „Premerger“-Unterlagen liefern – ursprünglich bis zum 09. Mai. Jetzt sollen diese Informationen erst bis zum 23. Mai eingereicht werden.

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Roche noch weit von der Mehrheit entfernt

Bislang ist der Baseler Pharmakonzern auch noch weit von der Mehrheit bei Sparks entfernt. Aktuell hat Roche gut 8,1 Millionen Aktien angedient bekommen. Das entspricht etwa 21% der gesamten Spark-Stimmrechte.

Alle Angebotsbedingungen bleiben gleich

An den Bedingungen der Übernahme ändert sich übrigens nichts. Roche legt 4,3 Milliarden Dollar beziehungsweise 114,50 Dollar je Aktie Spark auf den Tisch. Spark Therapeutics erwirtschaftete im vergangenen Jahr knapp 65 Millionen Dollar Umsatz und einen noch höheren Verlust (78,8 Millionen Dollar). Der Kaufpreis ist in etwa 67 Mal so hoch ist wie der Umsatz. Das ist ein stolzer Preis und eine Wette auf den Markt mit Gentherapien.

Spark – der Spezialist für Gentherapien

Das Forschungsgebiet, auf dem Spark unterwegs ist, gilt zwar als aussichtsreich, ist aber noch relativ jung. Spark wurde 2013 aus der Gentherapie-Forschung am Kinderkrankenhaus von Philadelphia ausgegründet und gilt als Pionier in der Gentherapie für genetisch bedingte Erkrankungen. Im Rahmen der Anwendung sollen kranke gegen gesunde Gene ausgetauscht werden.

Das Unternehmen arbeitet nicht nur an neuen Medikamenten gegen Hämophilie (Bluterkrankheit), sondern auch an Therapien für eine genetische Erkrankung des Gehirns (Huntington) und für eine schwere Erkrankung des Nervensystems (“Batten”-Krankheit). Sollte sich Spark mit seinen Forschungen durchsetzen, könnten Roche milliardenschwere Erlöse winken.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.