Rocket-Internet-Aktie: Es bleibt turbulent

Es scheint nicht so richtig rund zu laufen für die Global Fashion Group. Das Start-up vereint gleich 5 regional agierende Firmen aus dem Bereich des Online-Modeversandhandels unter einem Dach:

Dafiti aus Südamerika, Namshi aus dem Nahen Osten, The Iconic aus Australien und Neuseeland, Zalora aus Südostasien sowie Lamoda aus Russland.

All diese Marken lassen sich im Grunde als Zalando-Kopierer bezeichnen, sie alle funktionieren nach demselben Prinzip, allerdings mit regional höchst unterschiedlichen Erfolgsquoten.

So ist die Konsumkraft im Nahen Osten etwa deutlich höher als im konjunkturell schon seit längerem schwächelnden südamerikanischen Raum.

Investoren? Fehlanzeige

Potenzielle Investoren für die Global Fashion Group scheinen jedenfalls nicht gerade Schlange zu stehen.

So lässt sich zumindest die Finanzspritze interpretieren, die vor allem die beiden Hauptaktionäre Rocket Internet sowie die schwedische Firma Kinnevik gerade in das Unternehmen gepumpt haben.

Frisches Geld in Höhe von 300 Mio. € war bereits im Frühjahr angekündigt worden, nun wurde der Betrag um 30 Mio. € aufgestockt auf 330 Mio.

Neue Investoren scheint es hingegen nicht zu geben. Medienberichten zufolge sollen zwar zahlreiche Gespräche geführt worden sein, um weitere Geldgeber zu gewinnen, allerdings waren diese offenbar nicht von Erfolg gekrönt.

Kein Wunder: Immerhin war erst vor wenigen Monaten bekannt geworden, dass die Global Fashion Group bis dato anscheinend überbewertet war.

Bereits investierte Kapital-Anleger hatten Abschreibungen vornehmen müssen, die Bewertung der Firma wurde von vormals 3 Mrd. US-Dollar zurechtgestutzt auf nur noch 1 Mrd. Dollar.

Jabong verkauft – zum Spottpreis

Nichtsdestotrotz: Die Firma will wachsen. Logistik und Marketing sollen vorangetrieben werden, unterm Strich muss effizienter gewirtschaftet werden. Trotz schnell steigender Umsätze schreibt die Gruppe immer noch Verluste.

Vor wenigen Tagen zog man die Reißleine und trennte sich von der indischen Modefirma Jabong, die bis dahin ebenfalls zum GFG-Universum gehört hatte.

Jabong hatte trotz eines Jahresumsatzes von 126 Mio. € in den 12 Monaten bis Ende März einen bereinigten operativen Verlust von satten 56 Mio. € eingefahren und damit etwa 20% des GFG-Verlusts im gleichen Zeitraum verursacht. Zugleich hatte Jabong aber gerade einmal 13% zum Gesamt-Umsatz der Gruppe beigetragen.

Stärker als die anderen GFG-Firmen hatte Jabong mit regionaler Konkurrenz zu kämpfen:

Verkauft wurde nun letztlich an den lokalen Amazon-Konkurrenten Flipkart – für gerade einmal 70 Mio. US-Dollar. Investiert wurden in das Start-up mehr als 47 Mio. US-Dollar Risikokapital.

Rocket-Internet-Aktie unter Druck

Mit der nun erzielten Rendite dürfte Rocket Internet kaum zufrieden sein: Bereits im vergangenen Herbst wurde über einen Jabong-Verkauf verhandelt, damals sollen Ablösesummen zwischen 500 und 800 Mio. US-Dollar im Gespräch gewesen sein.

Dabei könnte man positive Nachrichten gerade gut gebrauchen: Die Rocket-Internet-Aktie hat in den vergangenen 12 Monaten einen von hoher Volatilität geprägten Zickzackkurs gefahren und dabei auf Jahressicht rund die Hälfte an Wert verloren.

29. Juli 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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