Rocket-Internet-Aktie: Mehr als 50% Verlust seit Börsengang

Fast auf den Tag genau vor 2 Jahren, im Oktober 2014, ging das Internet-Beteiligungs-Unternehmen Rocket Internet an die Börse.

Seit dem damals vielumjubelten Börsengang des Startup-Schmiede der Samwer-Brüder (bekannte Internet-Unternehmer) lief es jedoch alles andere als gut für die Rocket-Internet-Aktionäre.

Daher ist auch die Begeisterung vieler Investoren für Rocket Internet verflogen. Der Ausgabepreis der Rocket-Internet-Aktie lag bei 42,50 €. Heute notiert die Aktie mehr als 50% tiefer.

Ich möchte jetzt mit Ihnen einen Blick auf das Geschäftsmodell von Rocket Internet werfen und Ihnen erläutern, warum sich die Rocket-Internet-Aktie seit Monaten schlecht entwickelt.

Gründe für den Kursverfall

Das Geschäftsmodell von Rocket Internet besteht darin, junge Internet-Unternehmen zu etablieren. Zu den großen Beteiligungen gehören:

  • HelloFresh,
  • Foodpanda,
  • Jumia,
  • Home24
  • und Westwing.

Das Problem: Rocket Internet kam im 1. Halbjahr 2016 auf einen Verlust von 617 Mio. €. Hauptgrund dafür waren Abschreibungen auf den Online-Modehändler Global Fashion Group.

Doch auch andere Beteiligungen bescheren dem Unternehmen deutliche Verluste:

Der Online-Möbelhändler Home24 wurde bei einer neuen Finanzierungs-Runde mit 420 Mio. € bewertet. Zuvor hatte die Bewertung aber bereits bei 981 Mio. € gelegen.

Im Frühjahr war schon die Bewertung der Global Fashion Group, in der mehrere Rocket-Beteiligungen aus dem Bereich Mode-Handel zusammengefasst sind, von 2,8 Mrd. € im Vorjahr auf 1 Mrd. € in der neuen Finanzierungs-Runde gesunken.

Doch auch nach dem hohen Halbjahres-Verlust und den zuletzt negativen Nachrichten der Startup-Beteiligungs-Gesellschaft, bekräftigte Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer das Ziel, bis Ende kommenden Jahres 3 Beteiligungen operativ profitabel zu machen.

Bisher stecken jedoch die wichtigsten Beteiligungen von Rocket Internet allesamt selbst auf bereinigter operativer Basis tief in den roten Zahlen.

Laut Oliver Samwer seien hohe Investitionen und demzufolge auch hohe Verluste in den Anfangsjahren unvermeidbar, um im Online-Handel erfolgreich zu sein, da zunächst die nötige Größe erreicht werden müsse.

Ich bin grundsätzlich seiner Meinung, dass es ohne Saat schwierig wird mit der Ernte. Allerdings zeigte die Tendenz bei einigen Rocket-Beteiligungen zwischenzeitlich schon mehr nach oben als aktuell.

Daher haben viele Investoren das Vertrauen in die Internet-Startup-Schmiede verloren. Ein weiterer Kritikpunkt ist die hohe Fluktuation im Management von Rocket Internet.

Fazit: Weiterhin nur für Spekulanten interessant

Daher ist Rocket Internet aus meiner Sicht weiterhin nur für Spekulanten interessant, nicht aber für fundamental orientierte Investoren.

Denn wenn Sie Rocket-Internet-Aktien kaufen, spekulieren Sie darauf, dass es der Konzern schafft, einige seiner großen Beteiligungen in die Gewinnzone zu führen oder einige der Beteiligungen mit einem hohen Gewinn zu veräußern.

11. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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