Rocket Internet sagt Servus

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Nach sechs Jahren will sich die Internet-Startup-Schmiede Rocket Internet von der Börse zurückziehen. Eine Bilanz. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Die Internet-Startup-Schmiede Rocket Internet hat gestern überraschend angekündigt, sich nach sechs Jahren von der Börse zurückziehen zu wollen. Ich möchte für Sie Bilanz ziehen.

Rocket Internet will sich von der Börse zurückziehen

Falls Sie Rocket Internet nicht kennen, möchte ich Ihnen die Firma zunächst vorstellen. Rocket hält Beteiligungen an unterschiedlichen Internet-Firmen. Bereits in der Gründungsphase beteiligt sich das Berliner Unternehmen an aussichtsreichen Startups, hilft bei der Finanzierung und stellt für sie verschiedene Infrastrukturdienstleistungen bereit. Mit dem Ziel, die Beteiligungen irgendwann gewinnbringend zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

Rocket selbst will jetzt den umgekehrten Weg gehen und sich von der Börse zurückziehen. Die Begründung: Der Kapitalmarkt habe als Finanzierungsmöglichkeit für das Unternehmen an Bedeutung verloren. Die Abwesenheit vom Aktienmarkt mit seinen Berichtspflichten soll dem Unternehmen einen langfristigeren Kurs ermöglichen.

Rocket bietet seinen Aktionären einen Preis von 18,57 Euro je Aktie. Das entspricht dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate, liegt aber unter dem Schlusskurs vom Montag (18,95 Euro).

Die Rocket-Aktie war eine Enttäuschung

Der aktuelle Kurs und der Angebotspreis liegen weit unter der Notierung, mit der die Rocket-Aktie seinerzeit gestartet war. Beim Börsengang Anfang Oktober 2014 hatte der Ausgabepreis bei 42,50 Euro gelegen. Wenige Wochen nach dem IPO kletterte die Notierung bis auf ein Hoch bei gut 60 Euro. Dieses Niveau wurde jedoch nie wieder erreicht.

Aktuell liegt der Aktienkurs 56% unter dem Emissionspreis. Von seinem zwischenzeitlichen Rekordhoch ist der MDAX-Titel sogar 69% entfernt. Die Kursentwicklung der Rocket-Aktie ist zweifellos eine herbe Enttäuschung. Der DAX hat im gleichen Zeitraum um fast 40% zugelegt, der MDAX sogar um rund 75%.

Erfolgreiche Börsengänge

Diese extrem schwache Performance erstaunt doch ein wenig. Denn die Unternehmen, die Rocket in den vergangenen Jahren an die Börse brachte, haben sich zum Teil bärenstark entwickelt. Der erste große, erfolgreiche Börsengang war der von Zalando im Jahr 2014. Die Aktie des Online-Modehändlers hat sich seitdem um über 260% verbessert. Oder denken Sie an den Essenslieferanten Delivery Hero, über den ich Ihnen gestern erst berichtet habe. Die Aktie hat seit dem Börsengang Mitte 2017 um rund 275% zugelegt und in der vergangenen Woche sogar den Sprung in den DAX geschafft.

Sogar noch etwas besser entwickelt hat sich HelloFresh. Die Aktie des Kochboxen-Anbieters notiert aktuell rund 330% höher als zum Zeitpunkt des Börsengangs im November 2017. In der Spitze belief sich der Kursgewinn sogar auf bis zu 420%. Als Rohrkrepierer erwies sich dagegen Home24: Die Aktie des Online-Möbelhändlers hat sich seit dem IPO im Juni 2018 mehr als halbiert.

Zalando, Delivery Hero und HelloFresh bleiben aussichtsreich

Wer Rocket Internet seit 2014 als Aktionär die Treue gehalten hat, sitzt heute auf einem beträchtlichen Verlust. Daran wird sich nichts mehr ändern, selbst wenn das Unternehmen auf das erste Angebot vielleicht noch etwas draufpacken sollte.

Aber auch wenn sich die Rocket-Aktie enttäuschend entwickelt hat, kann das Unternehmen doch einige beachtliche Erfolge vorweisen. Die Aktien von Zalando, Delivery Hero und HelloFresh haben sich seit dem Börsengang sehr erfreulich entwickelt. Diese Papiere sind für Trendfolger auch weiterhin aussichtsreich.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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