Rockwell Automation: 3. Ablehnung dürfte Übernahme-Aus bedeuten

In jüngster Zeit häufen sich unaufgeforderte Übernahme-Angebote.

Bei unaufgeforderten Übernahme-Angeboten tritt der Bieter an den Übernahme-Kandidaten ohne vorherige Verhandlungen heran und unterbreitet ein Angebot.

In den meisten Fällen führt dies zu einer Angebot-Zurückweisung – nicht selten kommt es dann später aber doch noch zu Verhandlungen und zu einem Übernahme-Abschluss.

Häufig will der Bieter mit einer unaufgeforderten Offerte vorfühlen, wie übernahmewillig das Ziel-Unternehmen und dessen Aktionäre sind.

Die aktuell wohl größte unaufgeforderte Offerte ist das 103 Mrd. Dollar schwere Broadcom-Angebot für Qualcomm.

Doch auch etliche andere Milliarden-Deals die aktuell noch in der Schwebe sind, starteten, ohne dass der Übernahme-Kandidat auf Käufersuche war.

Weder Erst-Offerte noch Angebots-Aufstockung ausreichend für Übernahme-Verhandlungen

Der US-amerikanische Automations-Spezialist Rockwell Automation (nicht zu verwechseln mit dem Schwester-Unternehmen Rockwell Collins!) wird aktuell vom Branchen-Rivalen Emerson Electric umworben.

Im August legte Emerson eine unaufgeforderte 25,7 Mrd. Dollar schwere Übernahme-Offerte auf den Tisch.

Erwartungsgemäß wies Rockwell in wenigen Worten das Angebot jedoch zurück und bezeichnete den Vorschlag nicht einmal als verhandlungswürdig.

Emerson ließ nicht locker und stockte auf. Doch auch mit der 27,6 Mrd. Dollar schweren Offerte aus Oktober biss Emerson beim Rockwell Automation-Management auf Granit.

Auch bei 36% Übernahme-Prämie sagt Rockwell: „No!“

Vor wenigen Tagen stockte Emerson dann ein weiteres Mal auf.

Und nach der 3. Offerte in Höhe von 29 Mrd. Dollar standen die Chancen gut, dass Rockwell sich zumindest offener bzgl. eines Deals präsentieren würde.

Immerhin lag der zuletzt gebotene Preis 36% über dem Rockwell-Börsenwert vor Abgabe des 1. Angebots. Doch der Übernahme-Kandidaten gab dem Bieter ein 3. Mal einen Korb.

Das Angebot bewerte Rockwell nicht ausreichend und der Emerson-Plan sei nicht im besten Interesse des Unternehmens.

Statt wichtiger Investitionen wolle der Käufer Kosten einsparen, ansonsten seien die in Aussicht gestellten Synergien nicht zu realisieren.

Man verstehe, dass ein Deal vorteilhaft für Emerson erscheint – für Rockwell ist er es indes nicht.

Emerson wird Rockwell-Jagd vermutlich abblasen, doch andere Jäger könnten jetzt bereitstehen

Nach der Zurückweisung der 3. Offerte dürfte ein Deal in weite Ferne gerückt sein.

Emerson hält sich zwar noch bedeckt, doch ein Management-Umsturz oder eine feindliche Übernahme wird der Konzern gemäß früherer Aussagen nicht anstreben.

Und eine weitere Angebots-Aufstockung dürfte den eigenen Aktionären wiederum nur schwer zu erklären sein.

Rockwell Automation ist jetzt jedoch erst einmal im Spiel und wird sicher auch noch einmal von anderen Interessenten unter die Lupe genommen.

Es ist gut vorstellbar, dass ein Deal mit Emerson zwar nicht zustande, aber ein anderer potenzieller Bieter zum Zug kommt.

Der Zukunfts-Bereich Automation ist aktuell sehr begehrt. Dementsprechend gelassen reagierten auch die Rockwell Automation-Aktionäre nach der Angebots-Zurückweisung:

Das Papier verliert in einem unveränderten Markt gerade einmal 1%. Mit 190 Dollar notiert die Aktie etwa 18% unter dem Angebots-Preis.

Emerson-Investoren weinen der entgangenen Deal-Chance allerdings auch nicht hinterher:

Die Aktie verteuert sich um 2,6% – ein Zeichen dafür, dass nicht jeder Investor das Risiko einer Rockwell-Übernahme tragen wollte.

23. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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