Rockwell Automation-Übernahme durch Emerson geplatzt: Deal-Chance lebt weiter

Stift Kurse Geld – shutterstock_458336038 William Potter

Die Rockwell Automation-Übernahme durch Emerson ist geplatzt. Doch ein anderer Bieter könnte mit einem vergleichbaren Angebot bessere Karten haben. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Übernahme des US-amerikanischen Automatisierungsspezialisten Rockwell Automation durch den Branchen-Rivalen Emerson Electric ist geplatzt. Der Bieter teilte gestern Morgen mit, dass man das Übernahme-Angebot zurückgezogen habe.

Emerson sei enttäuscht, dass das Rockwell Automation-Management die 29 Mrd. Dollar schwere Übernahme-Offerte noch nicht einmal als Basis für Übernahme-Gespräche betrachte. „Statt einen konstruktiven Dialog zu führen, hat das Rockwell-Management diese einmalige Chance zur Schaffung eines Mehrwerts ohne Prüfung verstreichen lassen.“

Was passiert ist

Rückblick: Im August legte Emerson eine unaufgeforderte 25,7 Mrd. Dollar schwere Übernahme-Offerte auf den Tisch. Erwartungsgemäß wies Rockwell in wenigen Worten das Erstangebot jedoch zurück und bezeichnete den Vorschlag nicht einmal als verhandlungswürdig.

Emerson ließ nicht locker und stockte auf. Doch auch mit einer 27,6 Mrd. Dollar schweren Offerte aus Oktober und der finalen 29 Mrd. Dollar schweren November-Offerte biss Emerson beim Rockwell Automation-Management auf Granit.

Rockwell war der Ansicht, dass selbst dieses Angebot Rockwell nicht ausreichend hoch bewerte und der Emerson-Plan nicht im besten Interesse des Unternehmens sei.

Statt wichtiger Investitionen wolle der Käufer lediglich Kosten einsparen – ansonsten seien die in Aussicht gestellten Synergien nicht zu realisieren. Man verstehe, dass ein Deal vorteilhaft für Emerson erscheint – für Rockwell ist er es nicht.

Wie die Investoren reagieren

An der Börse sorgte das Übernahme-Aus für wenig Enttäuschung unter den Aktionären des Übernahme-Kandidaten. Zwar verliert die Aktie in einem sehr schwachen Marktumfeld heute fast 3% – gestern war die Erstreaktion jedoch positiv.

Dass der Deal nach 2 Angebotsaufstockungen nicht zustande kommt, scheint auch die Aktionäre des Bieters Emerson nicht weiter zu stören. Nach einem 3,7% Sprung gestern, kann die Aktie heute das Plus verteidigen. Investoren honorieren, dass man den Rockwell-Deal nicht um jeden Preis durchdrücken will.

Warum es doch noch eine Rockwell Automation-Übernahme geben könnte

Die Rockwell Automation-Aktie liegt heute noch immer knapp 20% über dem Kurs vor Aufkommen der Emerson-Pläne. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 ist das Papier auf dem ersten Blick wenig attraktiv.

Doch der für Rockwell relevante Markt ist riesig und wächst schnell. Das Unternehmen ist dort sehr gut positioniert und der einzige richtig große „reine“ Automationsspezialist. Daher wird auch spekuliert, dass vielleicht noch ein anderer Interessent sich bei Rockwell melden könnte.

Unter Umständen müsste der gar nicht viel mehr bieten als Emerson. Ein nicht unerheblicher Teil der Emerson-Offerte sah Aktien als Zahlungsmittel vor. Das soll Rockwell gestört haben, denn die Emerson-Aktie notiert heute dort, wo sie auch schon 2013 stand.

Ein Cash-Offerte in gleicher Höhe könnte anders beurteilt werden. Nicht selten steht kurz nach geplatzten Übernahme-Angeboten plötzlich doch ein Deal mit einem anderen Bieter. Rockwell Automation qualifiziert sich aus Sicht des Übernahme-Sensors dafür.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.