Rodungsstopp in Grünheide – Gefahr für Wirtschaftsstandort Deutschland?

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Mit der Tesla-Fabrik kann der Standort Deutschland zeigen, was er kann – oder eben nicht kann. Die Signalwirkung ist weitreichend. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Hat der Standort Deutschland ein Bürokratieproblem? Ja, konstatieren derzeit zahlreiche Wirtschaftsvertreter mit Blick auf den vorläufigen Rodungsstopp in Grünheide.

Dort soll eine neue Tesla-Fabrik entstehen, und geht es nach den Vorstellungen von Firmengründer Elon Musk, soll die Produktion am ersten europäischen Standort bereits im Sommer des kommenden Jahres anlaufen.

Wirtschaftsverbände warnen vor Verzögerungen

Nun aber hat ein Gericht die bereits laufenden Rodungsarbeiten vorerst gestoppt – bis zu einer Entscheidung über eine Beschwerde von Umweltvereinen. Nun sind Verzögerungen im Zeitplan keine Seltenheit, sowohl was Bauvorhaben in Deutschland betrifft als auch im Hinblick auf zeitliche Zielkorridore, die Elon Musk sich so vorstellt.

Dennoch reagierten mehrere Wirtschaftsverbände alarmiert auf den Gerichtsbeschluss. Sie warnten vor Überregulierung und bürokratischen Hürden, die den Standort Deutschland insgesamt für ausländische Investoren unattraktiv erscheinen lassen könnten. In ähnlicher Weise äußerte sich auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der in einer zügigen Realisierung des Tesla-Vorhabens auch eine Chance für Deutschland sieht, sich als Investitions- und Innovationsstandort zu profilieren.

Politischer Wille zum Erfolg erkennbar

Auf der anderen Seite wurde mehrfach darauf verwiesen, dass man in Brandenburg sehr wohl darauf bedacht ist, Tesla die Steine möglichst aus dem statt in den Weg zu räumen. Tatsächlich ging es für deutsche Verhältnisse ziemlich schnell von der Ankündigung der Fabrik bis zum Beginn der Rodungsarbeiten – die Tesla übrigens auf eigenes Risiko vorzeitig in Auftrag gegeben hat, noch bevor eine Baugenehmigung vorliegt.

Doch der politische Wille, das Projekt zum Erfolg zu führen, ist über Parteigrenzen hinweg klar zu erkennen. Kaum vorstellbar, dass ein so gigantisches Projekt an einer verweigerten Baugenehmigung einer Provinzbehörde scheitert. Ebenso hat auch die Beschwerde der Umweltverbände nur geringe Erfolgsaussichten, immerhin ist das betroffene Areal bereits seit längerem als Industriefläche definiert und die großen Umweltschutzverbände haben – wohl nicht zuletzt deswegen – auf Klagen verzichtet.

Prestigeprojekt mit Signalwirkung

An einem vorläufigen Rodungsstopp oder der ausstehenden Baugenehmigung wird die Tesla-Fabrik also wohl eher nicht scheitern. Die Frage ist allerdings, wie umfassend die dadurch verursachten Verzögerungen ausfallen, die wiederum die Kosten in die Höhe treiben. Geduld ist nicht gerade als eine Stärke des Elon Musk bekannt und der hochverschuldete Hersteller kann es sich kaum leisten, den kreditfinanzierten Neubau allzu lang hinauszuzögern.

Mit einem zügigen Verfahren kann Deutschland mit diesem Projekt beweisen, was es kann. Gelingt die zeitnahe Errichtung und Inbetriebnahme des Werks in Grünheide, könnte dies in der Folge weitere Investoren anlocken – gerade im Osten des Landes ruhen bekanntlich etliche, bislang ungenutzte Industrieflächen, die ein enormes Potenzial auch für einen wirtschaftlichen Aufschwung Ostdeutschlands bieten.

Sollte Deutschland das Tesla-Projekt gegen die Wand fahren, wäre das Signal verheerend – und mindestens ebenso weitreichend. Internationale Investoren dürften dann einen noch größeren Bogen als bisher machen um Deutschland und seine Waldgebiete.

Tesla Model X RED – shutterstock_759593449 Hadrian

Nur die Schwergewichte ziehen den Markt nach oben! Die Masse der Aktien fälltKlar, fundamental sieht das alles anders aus. Aber das dürfen Sie nicht mehr einbeziehen in Ihre Rechnung. Zumindest nicht aktuell. Der Hype ist ein Hype ist ein Hype. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz