Rohöl-Preise explodieren: +150 %

Rohöl zündet die Rakete Richtung 70 US-Dollar. Der Trend startete im Sommer 2017 und hat jetzt noch einmal deutlich mehr Fahrt aufgenommen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der DAX und die US-Indizes lassen es heute einmal gemütlich angehen. Es ist Feiertag in den USA – Martin Luther King Day – da hält sich der DAX dann auch zurück. Wenig Bewegung also allerseits. Zeit für einen Blick auf das Rohöl, das marschiert unaufhaltsam Richtung 70 US-Dollar.

Brent Crude kurz vor Überhitzung

Rohöl steigt wieder. Diese Nachricht kennen Sie seit 2016. Damals markiere Brent das Tief bei etwa 27 US-Dollar. Dann ging es ein halbes Jahr steil nach oben. Gefolgt von einer langen Seitwärtsphase, die sich allerdings ganz nebenbei Stück für Stück weiter nach oben kämpfen konnte.

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Erst im Sommer 2017 wurde eine neue Rakete gestartet und seitdem ziehen die Preise unaufhörlich nach oben. Aktuell sind wir bei der Marke von 70 US-Dollar. Diese haben wir heute sogar intraday kurzzeitig überschritten. Die Kurse stiegen also von 27 auf 70 US-Dollar innerhalb von 2 Jahren. Das sind über 150 Prozent Gewinn!

Eingezeichnet im Chart sehen Sie zwei Durchschnittslinien. Die blaue 50-Tagelinie und die grüne 200-Tagelinie. Machen Sie sich kurz selbst ein Bild davon, was Sie aus diesem Verlauf lernen können und lesen Sie erst dann weiter.

Denn nur, wenn Sie selbst in der Lage sind, Chart richtig zu deuten, können Sie Ihr Trading verbessern oder auch Fehler bei Chart von Analysten aufdecken. Für uns ist jetzt einmal von Bedeutung, was wir aus den beiden Durchschnittslinien und aus deren Verlauf in der Vergangenheit lernen können.

Fangen wir mit der SMA-50 an, also der 50-Tagelinie. Die Kurse verlaufen über die letzten zwei Jahre gesehen relativ nah an der Linie. Der Abstand zwischen Kurse und SMA-50 steigt teilweise kurz auf rund fünf US-Dollar, doch dann kommen die Kurse wieder zurück an die Linie. Trendwenden im Chart erfolgen in der Regel, wenn die SMA-50 abflacht und sobald die Kurse diese Linie berühren. Das ist natürlich nicht immer so, manchmal prallen sie auch wieder von ihr ab.

Die 200-Tagelinie hat hier definitiv mehr Bedeutung. Die Kurse durchbrechen sie nicht einfach. Meist gibt es an ihr ein paar Tage einen Kampf zwischen Bullen und Bären. Wird die SMA-200 auf Tagesschlusskurs durchbrochen, ist das noch kein Garant für eine Verstärkung des jeweiligen Trends. Das sehen Sie im Sommer und Herbst 2016. Die Kurse schließen unter der Linie, nur um ein paar Tage später wieder zu steigen und eine Rallye zu starten.

Was lernen wir daraus für den aktuellen Kurs? Nun, die blaue Linie ist über der grünen. Das bedeutet auf jeden Fall schon einmal eins: Bullenmarkt. Außerdem krümmt sich die grüne Linie gerade nach oben. Ein weiteres Zeichen für steigende Kurse. Der Abstand zwischen Blau und Grün ist allerdings extrem groß. Noch nicht so gigantisch, wie beim großen Trendwechsel Anfang 2016, aber auf jeden Fall steigt so die Chance, dass die Kurse bald wieder einen Dämpfer bekommen könnten.

Doch noch ist das nicht der Fall. Dennoch ist Rohöl deutlich überkauft. Dafür brauchen wir keinen Indikator. Eine solche Steigung, wie in den letzten Tagen und Wochen ist eindeutig. Die Frage ist, wann der Rücklauf kommt und lohnt es sich jetzt noch auf den Zug aufzuspringen? Was ist, wenn Öl weiter bis 100 US-Dollar steigt?

Ehrlich gesagt, kann das passieren, aber in den meisten Fällen, gibt es ab dem heutigen Punkt erst einmal eine Pause oder mindestens einen kleineren Rücksetzer. Wir befinden uns nämlich beim Jahreshoch von 2015. Und es wäre einfach sehr seltsam, wenn Brent dies nicht respektieren würde. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten und wir durchbrechen die 70 US-Dollar kinderleicht, müsste es danach tatsächlich rasant weiter noch oben gehen. Vorausgesetzt – ja, ein Aber gibt es noch – es war kein Fehlausbruch und eine Bullenfalle.

Zusammengefasst: Wenn Sie bisher die Rohöl-Party mitgemacht haben, achten Sie jetzt auf einen geschickten Ausstieg oder ziehen Sie Ihre Stops auf jeden Fall nach. Der schnelle Anstieg könnte vorbei sein und es bieten sich dann in den nächsten Wochen bessere Kurse für einen neuen Einsteig, sofern die Kurse jetzt nachgeben.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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