Rohöl steigt deutlich an! Wie weit geht die Erholung?

Erdöl schwarz – John Williams RUS – shutterstock_411484729

Momentan pendeln wir nach einen Gap nach oben im Bereich 23,50 US-Dollar. Dort gab es in der Vergangenheit schon öfter einen Kampf zwischen Bullen und Bären. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Während der DAX mit der 10.700 Punktemarke kämpft, ist Rohöl schon einen Schritt weiter. Wenn wir uns die lange Abwärtsbewegung im WTI anschauen, befinden wir uns aktuell an einem Widerstand. Hier kann es zu neuen Abverkäufen kommen.

WTI im Chartcheck

Hier sehen Sie den Tageschart von WTI nach DB Indikation. Momentan pendeln wir nach einen Gap nach oben im Bereich 23,50 US-Dollar. Dort gab es in der Vergangenheit schon öfter einen Kampf zwischen Bullen und Bären. Das zeigen die Kerzen aus März und April.

Es wäre also ungewöhnlich, wenn WTI hier sofort weiter nach oben rennt. Das sehen wir auch an der heutigen Tageskerze. Genau beim 38er Retracement haben sich die Kurse den Kopf angehauen und sind nach unten gezuckt. Eine ganz normale Reaktion.

Ölverbrauch fundamental

Die Lager müssen geräumt werden, Öl muss verbraucht werden. Das ist derzeit die Situation auf dem Weltmarkt, besonders in den USA. Deren Ölsorte ist WTI, insofern ist es hier kritisch, wann die Wirtschaft wieder aufsperrt. Wenn Millionen von US-Amerikanern wieder in die Arbeit fahren und Sprit verbrauchen. Klar, die 30 Millionen Arbeitslosen werden wohl erst einmal ihr Geld zusammenhalten.

Der Ölverbrauch bleibt auch deshalb auf dem Boden, weil es die meisten Flugzeuge ebenfalls tun. Die Fluggesellschaften müssen sich umstrukturieren. Da gilt es jetzt nicht, das Rad neu zu erfinden, aber die Anfrage an Flügen wird vermutlich niedrig bleiben.

Das glaubt übrigens auch Warren Buffett. Sein Unternehmen Berkshire Hathaway hat sich komplett aus der Flugindustrie zurückgezogen. Ein eindeutiges Zeichen. Dem werden auch viele Kleinanleger folgen. Wer jetzt noch Aktien von Fluggesellschaften hält, muss sich überlegen, wie lange er durchhalten will.

Es kann einige Jahre dauern, bis diese Unternehmen wieder denselben Wert haben, wie vor dem Corona-Crash. Insofern beißen jetzt Profis wie Warren Buffett lieber in den sauren Apfel und verkaufen mit Verlust. Dafür können sie ihr Kapital in Branchen stecken, die in der Zukunft eher profitabel arbeiten werden.

Bei den Kreuzfahrtgesellschaften ist das noch extremer. Norwegian Cruise Line wird hier regelmäßig als Ausnahme genannt. Die können offenbar noch länger überleben und hätten schließlich auch die Chance, kleine Konkurrenten zu schlucken. Natürlich brauchen Sie hier auch eine Menge Geduld.

Der Kurs von Norwegian Cruise Line war vor Corona bei knapp 60 US-Dollar. Heute stehen wir bei 11,60 und haben ein extrem hoch gehandeltes Volumen. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass wir bald einen Boden gefunden haben. Doch das alleine reicht nicht. Ein Zwischenhoch in der vergangenen Woche liegt bei 17,50 US-Dollar. Das ist sogar noch niedriger als die 20 US-Dollar, die der Kurs direkt nach dem Tiefpunkt der Corona-Krise erreicht hatte.

Bei 11,60 US-Dollar muss man deshalb noch nicht einsteigen. Sollten die Kurse über 20 klettern, ist das sicherlich ein starkes Zeichen. Das Corona-Tief liegt bei 7 US-Dollar. Die Aktien könnten auch noch einmal die 10 US-Dollar treffen, bevor sie sich langfristig stabilisieren. Die Situation ist in dieser Branche einfach sehr ungewiss. Es wird auf jeden Fall spannend zu sehen sein, wo die Aktie in einem Jahr steht.

Erdöl schwarz – John Williams RUS – shutterstock_411484729

Opec+ übt Balanceakt am ÖlmarktDen Preis stabilisieren, ohne die Konkurrenz zu sehr erstarken zu lassen – diesen Balanceakt versuchen die Opec+ Staaten zu meistern. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.