Rohstoffpreise: Historische Abwärtsbewegung bereits beendet?

In den Börsenmedien werden „Kraftausdrücke“ wie „Crash“, „Kursexplosion“ oder „historisch“ extrem häufig verwendet, um im knallharten Wettbewerb um den Leser irgendwie die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Wenn jedoch schon Kursrückgänge von -1% oder -2% als „Horror-Absturz“ bezeichnet werden, dann hat dies entweder eine Abstumpfung beim Leser zur Folge oder das verwendende Medium wird nicht mehr ernst genommen.

Historischer Abwärtstrend der Rohstoffpreise schon beendet?

In meiner heutigen Analyse empfinde ich den Einsatz des Wortes „historisch“ jedoch als gerechtfertigt: Immerhin gibt es Kurshalbierungen innerhalb von 19 Monaten einer kompletten Anlagekategorie wie den Rohstoffpreisen in der Geschichte nicht allzu häufig.

Zuletzt sahen wir so etwas in den Jahren 2008 und 2009. Eine Trend-Wende wäre daher schon etwas ganz Besonderes.

Und tatsächlich halte ich es aus Sicht der Charttechnik für sehr wahrscheinlich, dass wir das Tief des seit dem Sommer 2014 anhaltenden Abwärtstrends bei den Rohstoffpreisen bereits gesehen haben. Dann wäre die Basis für die Trend-Wende – von den meisten Marktteilnehmern unbemerkt – bereits gelegt.

CRB Index erreichte Kreuz-Unterstützung

Schauen Sie dazu einmal mit mir auf die vorbereitete Grafik. Der CRB Index zeichnet die Entwicklung von 19 verschiedenen Rohstoff-Futures nach und gibt so einen prima Überblick über die Rohstoffpreise.

rohstoffpreise crb-index-15-02-2016

CRB Index: Rohstoffpreise vor der Wende nach oben?

Ich habe ganz bewusst einen sehr langen Darstellungs-Zeitraum von 11 Jahren gewählt, damit Sie die „historischen“ Ausmaße des Verlaufs im Rohstoffpreis-Index ermessen können.

Ausgehend von Allzeithoch im Jahr 2008 ergibt die Verbindung mit dem Top im Jahr 2014 den langfristigen Abwärtstrend. Die von mir eingezeichnete Parallele findet ihre Relevanz aufgrund von 4 Auflagepunkten in der Zeit von 2005 bis 2007.

Wie Sie rechts im Chart sehen, setzten die Rohstoffpreise Mitte Januar 2016 exakt auf der unteren Begrenzung des so entstandenen Trend-Kanals (grüne Linien) auf. Der Aufenthalt außerhalb des Trend-Kanals in den Jahren 2008 / 2009 (blauer Kreis) ließe sich dann als Übertreibung interpretieren.

Wie Sie weiterhin erkennen, liegt das Januar-Tief dieses Jahres zugleich auf der Unterseite des Abwärtstrend-Kanals seit 2014 (orangefarbene Linien). Somit liegt hier eine Kreuz-Unterstützung vor.

Relative Stärke Index bekräftigt Einschätzung

Aus dieser Betrachtung ergibt sich, dass wir das Ende der Abwärtsbewegung seit dem Sommer 2014 bei den Rohstoffpreisen also bereits gesehen hätten. Und diese Analyse wird auch durch den Relative Stärke Index (Wilder) gestützt.

Dieser Indikator zeichnet die Intensität eines Trends oder auch seine innere Stärke nach. Ein weiterer großer Vorteil des Relative Stärke Index (RSI):

Der Indikatorverlauf lässt sich durch das Einzeichnen von Trend-Linien sowie Widerständen und Unterstützungen untersuchen. Dabei zeichnet sich der RSI häufig durch sehr frühzeitige Signale aus.

Eine weniger bekannte Anwendungs-Alternative ist die Suche nach Divergenzen (Abweichungen). Während der CRB Index das Tief aus dem Vorjahr im Januar noch einmal massiv unterboten hat (blaue Pfeile), zeigte der RSI eine andere Reaktion:

Beim Januar-Tief der Rohstoffpreise schlug der RSI nur noch müde nach unten aus (schwarze Pfeile). Somit liegt eine klassische Divergenz vor.

Fazit

Eine Divergenz bedeutet: Ein Wechsel des bislang gültigen Trends steht bevor. Sie sagt indes nichts darüber aus, WANN der Trend-Wechsel erfolgt.

Zur Beantwortung dieser Frage schauen wir noch einmal auf CRB Index-Chart.

Im orangefarbenen Trend-Kanal sehen Sie, dass die Rohstoffpreise zunächst noch kräftig klettern müssen, bevor der Abwärtstrend überhaupt gebrochen werden kann. Der RSI könnte uns jedoch wieder einmal sehr früh einen Hinweis geben:

Der Indikator steht nämlich schon jetzt unmittelbar vor dem Bruch des seit 2014 bestehenden, historischen Abwärtstrends (gelber Kreis)!

15. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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