Royal Dutch Shell: Spektakuläre Übernahme

Am deutschen Aktienmarkt gab es heute einen Rücksetzer. Der DAX sackte leicht auf 12.035 Punkte ab. Vor der Veröffentlichung der neuen Fed-Protokolle wollen die Anleger zunächst abwarten.

In den Protokollen könnte es Hinweise geben, wann die US-Notenbank mit der Zinserhöhung beginnt. In Europa sorgte dagegen eine Übernahme für große Schlagzeilen und starke Kursbewegungen.

Es ist die größte Übernahme der vergangenen Jahre in der Öl- und Gasindustrie: Der britisch-niederländische Öl- und Gaskonzern Royal Dutch Shell will den britischen Gasförderer BG Group übernehmen.

In der Branche hatte es zuletzt wegen des Ölpreisverfalls der vergangenen Monate bereits einige Spekulationen über größere Übernahmen gegeben. Erfahren Sie jetzt die Details zur bevorstehenden Übernahme in der Öl- und Gasbranche.

Royal Dutch Shell will 64 Mrd. Euro zahlen

47 Milliarden Pfund (rund 64 Mrd. Euro) in bar und in Aktien will Royal Dutch Shell für BG Group zahlen. Dies teilten beide Unternehmen am heutigen Mittwoch mit. Der Kaufpreis entspricht einem Aufschlag von rund 50% zum Schlusskurs der BG-Aktie vom Dienstag.

Die Aktie der BG Group wurde heute in Frankfurt zeitweise mit einem Aufschlag von rund 50 Prozent gehandelt. Shell-Aktien hingegen fielen zwischenzeitlich um mehr als 2%. Papiere von Konkurrenten wie BP allerdings stiegen kräftig.

Shell will sich künftig mehr auf die Stärken konzentrieren

„Wir gehen davon aus, dass das Geschäft Anfang 2016 perfekt gemacht werden kann“, sagte Andrew Gould, Chairman der BG Group mit Sitz im britischen Reading, westlich von London. Shell will sich gemeinsam mit dem Partner künftig vor allem auf die Stärken bei Tiefseebohrungen und beim Flüssiggas LNG konzentrieren.

„Wir werden das Unternehmen auf eine kleinere Zahl von Operationen, dafür aber größeren Ausmaßes fokussieren“, sagte der Shell-Vorstandsvorsitzende Ben van Beurden. Zwischen 2016 und 2018 will der Konzern Unternehmensteile im Wert von rund 30 Mrd. US-Dollar (27,5 Mrd Euro) verkaufen. Nach dem BG-Kauf wäre Shell unter den internationalen Ölfirmen der größte Hersteller von Flüssiggas.

BG-Aktionäre sollen pro Aktie 3,83 Pfund und rund 0,45 Shell-Aktien vom Typ B erhalten. Zugleich hat BG seinen Aktionären bereits empfohlen, das Angebot von Shell anzunehmen. BG hatte zuletzt einen Marktwert von 31 Mrd. Pfund, damit wäre die Übernahme auch branchenübergreifend eine der größten in diesem Jahr.

Für Shell wäre die BG-Übernahme der größte Zukauf seit der 41,7-Mrd.-Pfund schweren Fusion des niederländischen und des britischen Zweiges. Mit der Übernahme würden der größte und der drittgrößte Gasproduzent Großbritanniens zusammenwachsen. Nach den Worten des Shell-Chefs könnte der Deal Anfang 2016 abgeschlossen werden.

BG-Übernahme ist keine große Überraschung

Die Ankündigung einer großen Übernahme kommt nach Einschätzung vieler Marktbeobachter nicht überraschend. Durch den gesunkenen Ölpreis und dem damit verbundenen Kursrückgang der Aktien in der Branche haben sich zuletzt attraktive Kaufgelegenheiten ergeben. Zudem sei BG regelmäßig als Übernahmekandidat im Gespräch gewesen.

Die Übernahme von BG Group durch Shell Royal Dutch könnte der Startschuss für eine größere Konsolidierungswelle in der Öl- und Gasbranche sein.

8. April 2015

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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