Rückblick und Ausblick: Das Währungspaar Euro/US-Dollar

In der kleinen Schlussgong-Serie „Jahresrückblick 2014, Jahresausblick 2015“ nehme ich für Sie die einzelnen Anlageklassen unter die Lupe. Nach dem Rohstoffmarkt (Öl) und dem deutschen Immobilienmarkt folgt heute ein Blick auf den Devisenmarkt.

„Es ist unsere Währung, aber euer Problem.“ Dieser Ausspruch stammt aus dem Jahr 1971 und wurde von John Connally, dem damaligen US-Finanzminister, getätigt.

Warum die US-Amerikaner bis heute so denken und was dahinter steckt, erfahren Sie gleich. Daneben werde ich das Währungspaar Euro/US-Dollar für Sie unter die Lupe nehmen.

Euro auf Viereinhalb-Jahrestief

Der Euro fiel heute in der Spitze auf 1,2033 Dollar zurück und markierte damit den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. Auslöser der aktuellen Euro-Schwäche (Dollar-Stärke) ist die unterschiedliche Vorgehensweise der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed.

Während die Fed angesichts einer in den USA anziehenden Konjunktur laut über moderate Zinserhöhungen nachdenkt und die Geldspritzen, die in der Spitze bei 85 Mrd. US-Dollar pro Monat lagen, bereits 2014 beendet hat, legt die Europäische Zentralbank (EZB) erst jetzt richtig los und schwächt damit ganz gezielt die europäische Währung.

Die EZB hat erst im vergangenen Jahr den Leitzins Richtung 0% gedrückt und will ab 2015 zusätzlich Geld in den Markt pumpen.

Hierzu sagte EZB-Chef Mario Draghi jüngst in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass der Kauf von Staatsanleihen eines der Werkzeuge sei, das die EZB zur Erfüllung ihres Mandats nutzen könne. Es dürfe allerdings nicht zur Staatsfinanzierung kommen.

Warum die USA ein starker Dollar nicht stört

Jetzt zu der Erklärung, warum die USA ein starker Dollar (noch) nicht stört: Dass für die USA der Wert ihrer Währung nicht so entscheidend ist wie für die Europäer in der Euro-Zone, liegt vor allem daran, dass die US-Wirtschaft nicht so abhängig vom Export ist wie die Euro-Zone.

Der Export-Anteil der US-Wirtschaft liegt bei gerade einmal 14%. Zum Vergleich: Der Exportanteil der Wirtschaft in der Euro-Zone liegt bei 45%!

In diesem Zusammenhang rechnen Experten der Fondsgesellschaft Standard Life Investments (SLI) vor, dass eine Aufwertung des US-Dollar um 19% das Wirtschaftswachstum in den USA um gerade einmal 0,2% hemmt.

Warum der Dollar-Kurs weiter steigen wird

Da der Dollar-Kurs nur einen geringen Einfluss auf das Wachstum und die Inflation in den USA hat, rechne ich mit einer moderaten Anhebung des Leitzinses in den USA im Jahr 2015. Und diese Zinserhöhung dürfte dazu führen, dass der US-Dollar im Verhältnis zum Euro noch etwas stärker werden wird.

Weiterhin wird der Dollar-Kurs von den Kapitalströmen begünstigt. Soll heißen: Der Dollar-Kurs wird weiter steigen, weil er zuletzt schon für Währungsgewinne sorgte und die Aussicht auf weitere Aufwertungsgewinne weitere Investorengelder anziehen wird.

Denn: Anleger konnten 2014 mit US-Aktien gleich doppelt gewinnen. Erstens entwickelte sich der US-Aktienmarkt deutlich besser als der europäische Aktienmarkt und zweitens sorgten Währungsgewinne (durch die Aufwertung des US-Dollar) dafür, dass das Ergebnis unterm Strich um weitere 9% besser ausfiel.

Wie schon angedeutet, rechne ich damit, dass sich diese Tendenz am Devisenmarkt auch im Jahr 2015 fortsetzen wird. Die Gründe dafür habe ich Ihnen gerade genannt.

2. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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