Rückenwind für Wirecard

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Nach der Veröffentlichung des Abschlussberichts der Anwaltskanzlei machte die Wirecard-Aktie gestern einen Freudensprung. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Nachdem die Wirecard-Aktie seit Wochen Spielball von Spekulationen ist, gab es gestern endlich einmal wieder harte Fakten, die klar zugunsten von Wirecard ausfallen: Die Anwaltskanzlei hat endlich ihren lang erwarteten Abschlussbericht vorgelegt, der Wirecard entlastet. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von +25%.

Zur Erinnerung: Schwere Anschuldigungen der Financial Times

Die Vorwürfe gegenüber Wirecard von Seiten der Financial Times bzw. einer ihrer Autoren, der sich seit Jahren negativ zu Wirecard äußert, waren sehr umfangreich. Zur Erinnerung seien hier noch mal einige aufgeführt: Anfangs wurde behauptet, dass es bei Wirecard in Asien einen Fall von Geldwäsche gegeben haben soll und Wirecard bereits eine interne Ermittlung gegen den verantwortlichen Manager durchgeführt haben soll.

In weiteren Berichten wurden die Vorwürfe immer heftiger: Angeblich soll die Anwaltskanzlei bei ihren bisherigen Untersuchungen Hinweise auf „schwere Fälschungsdelikte und/oder gefälschte Konten“ gefunden haben. Außerdem wurde behauptet, dass zwei namentlich genannte Führungskräfte in Deutschland von der Praxis “zumindest etwas Kenntnis” hatten.

Abschlussbericht der Anwaltskanzlei entlastet Wirecard

Der Abschlussbericht der Anwaltskanzlei kann fast alle Vorwürfe (und vor allem alle schweren Vorwürfe) widerlegen. Es gab demnach weder Fälle von Geldwäsche noch Bilanzfälschung, noch sogenannte Karussellgeschäfte, noch Korruption. Und Anhaltspunkte für Straftaten in der deutschen Konzernzentrale liegen ebenfalls nicht vor.

Lediglich einige kleinere Unregelmäßigkeiten ohne betrügerische Absichten wurden zu Tage gebracht. Letztlich bleibt von den ursprünglichen Vorwürfen der Financial Times nur die interne Ermittlung von Wirecard übrig, die das Unternehmen längst eingeräumt hat und die inzwischen ohne belastendes Ergebnis eingestellt wurde.

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

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Wie reagiert die Financial Times?

Interessant wird es sein, wie die Financial Times in den nächsten Tagen auf den Bericht reagieren wird. Sicherlich wird es keine Entschuldigung bei Wirecard geben. Schon in der Vergangenheit hat die Zeitung ihren Autor munter gegen Wirecard schießen lassen, ungeachtet der fehlenden Belege für seine Vorwürfe.

Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass es weitere Attacken geben wird, indem beispielsweise die kleinen Unregelmäßigkeiten entsprechend aufgebauscht werden. Wirecard-Anleger müssen daher darauf hoffen, dass Wirecard die angekündigten juristischen Schritte gegen die Zeitung konsequent voran treibt und ein Gerichtsurteil dem Spuk endlich ein Ende macht.

Imageschaden für Wirecard bleibt

Auch wenn die Vorwürfe widerlegt wurden, rechne ich nicht damit, dass die Wirecard-Aktie jetzt schnell wieder auf ihre alten Höchststände klettert. Denn der Imageschaden für Wirecard bleibt und Anleger werden die Aktie in nächster Zeit weiterhin mit einem Risikoabschlag versehen – auch wenn dieser nun nicht mehr so hoch ausfallen dürfte wie vor dem Abschlussbericht.

Auf lange Sicht dürfte sich dieser Risikoabschlag jedoch nach und nach abbauen. Für mutige Langfristanleger ist die Aktie daher jetzt wieder einen näheren Blick wert, aber Sie sollten sich weiterhin auf hohe Kursschwankungen einstellen.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.