Rückschlag beim Corona-Impfstoff trübt Anlegerhoffnungen

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Lockerungen und ein Impfstoff gegen das Virus – das sind die Themen, die Börsianern Hoffnung geben. Doch die zaghafte Zuversicht zerrinnt. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Lockerungen der Corona-Beschränkungen und ein Impfstoff gegen das Virus – das sind die Themen, die Börsianern Hoffnung geben. Wegen der Lockerungen macht sich jetzt die deutsche Kanzlerin Sorgen. Das spricht für politische Gegenwehr auf dem Weg zur Normalisierung. Und die Unterlagen der WHO, die versehentlich bei der Financial Times gelandet sind, besagen, dass erste klinische Tests mit dem Antiviruspräparat des US-Herstellers Gilead Science fehlgeschlagen sind. Und so zerrinnt die zaghafte Zuversicht auf dem Parkett.

Kursrutsch in Fernost

Die Märkte in Asien gaben am Morgen ihre Gewinne vom Vortag wieder ab und fielen überwiegend ins Minus. Australien war der einzige Lichtblick. Dort legten Aktien zeitweise im Schnitt um 0,63% zu.

Japans Nikkei rutschte um 0,84% ab. Dabei erwägt die Bank of Japan, ihr Limit für den Kauf von Staatsanleihen aufzugeben, um unbegrenzt Liquidität in die Märkte spülen zu können. Derweil fiel KOSPI des Nachbarlandes Südkorea um 0,60%.

Der Hang-Seng-Index von Hongkong verlor 0,49%. Auf dem Festland in China ging der Shanghai Composite Index um 0,61% zurück, und auch der Shenzhen-Componente gab frühe Gewinne ab und verlor 0,28%.

US-Börsen zwischen Ölpreiserholung und Impfstoffenttäuschung

Schon gestern hatten zerschlagene Hoffnungen auf ein mögliches erstes Mittel gegen die gefährliche Lungenkrankheit Covid-19 den Anlegern an den US-Börsen die wieder erwachte Risikofreude verdorben.

Der Dow Jones Industrial gab seine Gewinne bis Handelsschluss nahezu vollständig ab. Es blieb dem US-Börsenbarometer letztlich nur ein Plus von 0,17 Prozent auf 23.515,26 Punkte. Im frühen Handel war es angesichts einer fortgesetzten Erholung der Ölpreise noch um 1,7 Prozent aufwärts gegangen. Am Ölmarkt pendelte der Preis für die wichtigste US-Marke WTI zuletzt wieder um 17 Dollar.

Der marktbreite S&P 500 drehte in die Verlustzone und ging mit minus 0,05 Prozent auf 2.797,80 Zähler fast unverändert aus dem Tag. Der Nasdaq 100 sank um 0,27 Prozent auf 8.641,50 Punkte.

FT-Bericht: Gilead-Präparat versagt bei ersten klinischen Tests

Einem Bericht der “Financial Times” zufolge hat der bisherige Hoffnungsträger im Kampf gegen das Corona-Virus – das Präparat Remdesivir des US-Biotechkonzerns Gilead Sciences – versagt. Bei der Behandlung von Patienten in China habe es keine spürbaren Verbesserungen bei der Gabe des Mittels gegeben. Das Unternehmen wie auch die Weltgesundheitsorganisation WHO versuchten die aufgeregten Gemüter zwar zu beruhigen, unter anderem mit dem Verweis auf die Unvollständigkeit der unabsichtlich an die Öffentlichkeit gelangten Studie. Der Aktienkurs des Biotech-Konzern geriet mit minus 4,3 Prozent dennoch unter Druck.

Auch die zwar nicht überraschenden, aber dennoch beunruhigenden sehr schwachen Wirtschaftsdaten rückten wieder in das Bewusstsein der Anleger. So hatten in der vergangenen Woche weitere 4,4 Millionen Menschen in den USA einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Am Häusermarkt war im März die Zahl der Neubauverkäufe so stark eingebrochen wie zuletzt 2013. Wie außerdem das Institut IHS Markit mitteilte, sackte im April inmitten der Viruskrise die Stimmung von US-Unternehmen auf ein Rekordtief.

Unternehmen verkünden zunehmend trübe Aussichten

Mit Spannung erwartet wurde zudem der nach Börsenschluss bekannt gegebene Quartalsbericht des Chipherstellers Intel , dessen Aktien im Dow 1,8 Prozent verloren. Intel enttäuschte letztlich mit seinen Gewinnausblick für das zweite Quartal, woraufhin die Papiere nachbörslich noch etwas stärker nachgaben.

Um 5,6 Prozent ging es für die Anteilscheine von Snap abwärts. Die Macher der Foto-App Snapchat wollen sich angesichts der Corona-Krise über in Aktien wandelbare Anleihen 750 Millionen Dollar (695 Mio Euro) frisches Geld am Markt besorgen.

Die Ölwerte ExxonMobil und Chevron zählten angesichts der Ölpreiserholung zu den Favoriten im Dow und legten um jeweils etwa 3 Prozent zu. Zu den Spitzenwerten gehörte außerdem das Papier des Gesundheitsversicherers UnitedHealth mit plus 3,0 Prozent.

Deutsche Anleger hoffen auf weitere Lockerungen

Trotz schwacher Konjunkturdaten hatten Anleger in Deutschland gestern wieder etwas mehr Zutrauen gefasst. Der Dax stieg um 0,95 Prozent auf 10.513,79 Punkte und rückte vorübergehend auf den höchsten Stand seit Wochenbeginn vor. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel legte um 1,04 Prozent auf 22.506,81 Zähler zu. Händler verwiesen zur Begründung auf sich häufende Signale, dass die zahlreichen Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus allmählich gelockert werden.

An der Index-Spitze zogen Aktien von Wirecard mit einem Plus von mehr als elf Prozent davon. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG haben bei dem Zahlungsdienstleister in einer Sonderprüfung der Bilanz bislang nichts Auffälliges gefunden. Allerdings verschob das Unternehmen die Veröffentlichung des Prüfberichts bereits zum zweiten Mal.

Daimler und Lufthansa als Krisenverlierer im Blick

Unter den Favoriten im Dax fanden sich auch die Anteilscheine von Daimler , die 3,2 Prozent gewannen. Die Corona-Krise hatte zwar mit geschlossenen Autohäusern und Stillstand in den Werken deutliche Spuren in der Bilanz hinterlassen. Mit einer Halbierung des Aktienkurses im Corona-Crash im Februar und März hatten sich die Anleger jedoch bereits entsprechend positioniert.

Lufthansa fielen im späten Handel, nachdem die angeschlagene Airline für das erste Quartal einen operativen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro bekannt gegeben hatte. Die Kranichlinie werde sich nicht aus eigener Kraft retten können, so die Einschätzung des Konzerns. Der verhandelt jetzt mit den Regierungen der Airline-Heimatländer Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien. Es geht um verschiedene Finanzierungsinstrumente, um kurzfristig die Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Neben Bürgschaften, Krediten und stillen Beteiligungen wird auch über direkte Staatsbeteiligungen diskutiert. Der Kursverlust hielt sich mit 0,6 Prozent jedoch in Grenzen.

Warten auf ifo-Geschäftsklimaindex

Ob das so bleibt, wird ein Tag zeigen, der im Zeichen neuer Ernüchterung steht. Vor dem Wochenende steht der Ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, auf der Agenda. Erwartet wird ein Rückgang von 86,1 auf 77,2 Punkte. In den USA werden die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter veröffentlicht. Geschäftszahlen melden Dermapharm, BB Biotech, Sanofi, Eni, American Airlines, American Express, Royal Caribbean und Verizon.

Der Deutsche Aktienindex wird jedenfalls tief im Minus erwartet. Zur Handelseröffnung rechnen die Banken mit einem Verlust von über 300 Punkten auf 10.279 Zähler.

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Gilead: Bringt ein Corona-Mittel den Durchbruch für die Aktie?Die Gilead Aktie ist in 2020 stark gestiegen. Ursächlich sind Hoffnungen auf einen Erfolg gegen das Coronavirus. › mehr lesen


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Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

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