Münchener Rück: Rückversicherer mit Sand im Getriebe

Niedrige Zinsen belasten vor allem Versicherer. Selbst positive Meldungen treten dann in den Hintergrund. Eine Analyse von Munich Re. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Rückversicherer gelten als kapitalstarke Unternehmen, die hohe Dividenden versprechen. Auch Munich Re überzeugt mit einer guten Dividende. Die 1880 gegründete Munich Re (ehemals Münchener Rück) ist eine der weltweit führenden Rückversicherungs-Gesellschaften.

Sie versichert die Geschäfte von Erst-Versicherungen. Die Munich Re ist durch Beteiligungen an der ERGO-Versicherungsgruppe (Victoria, Hamburg Mannheimer und DKV) auch im Erst Versicherungsgeschäft tätig. Zudem verwaltet sie im Geschäftsfeld Asset-Management das Vermögen ihrer Kunden.

Rückstellungen konnten aufgelöst werden

Die Bruttoprämien stiegen im 2. Quartal aufgrund von Währungskurseinflüssen um 5,2% auf 12,47 Mrd €. Bei unveränderten Währungskursen wären die Beitragsvolumen um 4,7% rückläufig gewesen.

Zudem hat die Munich Re, um im harten Wettbewerb keine Risiken zu nicht angemessenen Preisen und Konditionen einzugehen, einen Teil der bestehenden Rückversicherungsverträge nicht erneuert. Das operative Ergebnis lag mit 1,82 Mrd € deutlich über dem des Vorjahresquartals.

Unterm Strich legte der Gewinn um 41% auf 1,08 Mrd € zu. Dabei wurden die Ergebnisse von einer unterdurchschnittlichen Belastung durch Großschäden und einem sehr guten Kapitalanlageergebnis unterstützt.

Der Anteil des Geschäftsfelds Rückversicherung am Ergebnis belief sich auf 842 Mio €. Das Ergebnis der Lebensrückversicherung blieb durch unterschiedliche Einmaleffekte unter den Erwartungen.

Hauptversammlung Münchener Rück: Der Kursanstieg wird kommenDie Hauptversammlung der Münchener Rück zeigt: Man rechnet mit besseren Nachrichten in drei bis sechs Monaten. Frühzeitig investieren. › mehr lesen

Demgegenüber lag der Schadenverlauf im US-amerikanischen Todesfallgeschäft wie auch im Invaliditätsgeschäft in Australien im Rahmen der Annahmen. Die Schaden- und Unfallrückversicherung erzielte einen Ergebnisbeitrag von 790 Mio €.

Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich deutlich von 101,4 auf 93,3%. Da die Schadenmeldungen früherer Jahre insgesamt spürbar unter dem erwarteten Niveau lagen, konnten Rückstellungen von 135 Mio € aufgelöst werden. Dies entspricht rund 3,1%-Punkten der Schaden-Kosten-Quote.

Wenig Argumente für Munich-Re-Aktie

Für 2015 strebt der Konzern einen Gewinn von mindestens 3 Mrd € an und würde damit das bisherige Ziel von 2,5 bis 3 Mrd € übertreffen. Wir erwarten eine durchschnittliche Kursentwicklung.

Positiv wiegen zwar die Währungseinflüsse und die deutlich bessere Schaden-Kosten-Quote, doch gibt es auch Schattenseiten: Das niedrige Zinsniveau belastet Munich Re merklich. Im derzeitigen Anlageumfeld wird es gerade für Versicherer, die auf den Kapitalerhalt achten und auch Kapital ausschütten müssen, immer schwerer, Vermögen zu verwalten und gewinnbringend anzulegen.

Für Aktionäre steht zwar die Dividendenrendite von 5% noch zusätzlich auf der Haben-Seite, doch erscheint die Aktie heute nicht so stark, als könnte sie stärker steigen als der Gesamtmarkt. In einem bereits breit gestreuten Dividenden-Depot mag es Argumente für Munich Re geben, viele Investoren werden die Aktie aber auch links liegen lassen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt