Russische Ölaktien: Die erstaunlich guten Neuigkeiten

Das Barrel Rohöl der weltweit wichtigsten Sorte Brent ist derzeit für rund 60 Dollar zu haben. Damit hat sich der Wert des „schwarzen Goldes“ binnen Jahresfrist um fast 45 Prozent reduziert.

Anfang 2015 war der Preis sogar kurzzeitig unter die 50-Dollar-Marke gefallen. Der Crash belastete die Ölkonzerne, wobei vor allem kleinere und mittlere Förderfirmen betroffen waren. Die großen Ölmultis verzeichneten zwar teils empfindliche Gewinneinbußen, konnten sich aber insgesamt doch solide behaupten. Ein Investment in die Branche gilt momentan dennoch als gewagt.

Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man den Blick nicht auf westliche, sondern auf russische Ölkonzerne lenkt. Sie hatten in den vergangenen Monaten nicht nur mit dem Preisverfall zu kämpfen, sondern sehen sich zusätzlich wirtschaftlichen Sanktionen ausgesetzt.

Der Konflikt westlicher Mächte mit Moskau um die Abspaltung ostukrainischer Gebiete hatte sich 2014 dramatisch zugespitzt und gipfelte bislang in eben jenen Sanktionen, die nicht nur den russischen Aktienmarkt einbrechen ließen, sondern die dortige Konjunktur insgesamt empfindlich belasten.

Lichtblicke für russische Ölkonzerne

Kein Wunder also, dass die meisten Anleger einen großen Bogen um russische Ölaktien machen. Doch es gibt durchaus auch Lichtblicke. So trifft der Preisverfall des Rohöls die russischen Unternehmen weniger hart als häufig angenommen: Der Effekt wird durch den parallelen Währungsverfall des russischen Rubels gedämpft.

Rohöl wird in Dollar abgerechnet, doch in Rubel hat sich der Preis kaum verändert. Zugleich entsteht durch Währungseffekte ein Wettbewerbsvorteil für russische Unternehmen auf dem internationalen Markt.

Außerdem verlockend: Russische Ölaktien sind derzeit billig zu haben und werfen eine hohe Dividendenrendite ab. Im Vergleich zu westlichen Branchenwerten sind sie darüber hinaus auch noch sehr günstig bewertet, gemessen etwa an den jeweiligen Ölvorkommen.

Exxon investiert in Russlandgeschäft

Ein weiteres Indiz dafür, dass – zumindest langfristig – positive Entwicklungen zu erwarten sind, zeigt sich im Investitionsverhalten westlicher Großinvestoren. So hat etwa der weltgrößte Ölkonzern Exxon Mobil sein Russlandgeschäft in den vergangenen Monaten nicht etwa reduziert, sondern ganz im Gegenteil kräftig ausgebaut.

Abschreibungen, die hierfür bereits fällig wurden, kann man sich bei Exxon offenbar leisten – beziehungsweise man hält die Prognosen für so gut, dass es das eben wert ist.

Als Privatanleger ist so etwas natürlich weniger leicht wegzustecken. Insofern bleibt ein Investment in russische Ölaktien zum jetzigen Zeitpunkt ein eher riskantes und spekulatives Geschäft, das nicht auf kurzfristige Gewinne angelegt ist, sondern auf langfristige Perspektiven setzt.

Dabei spielen im Einzelfall die Kennzahlen der verschiedenen Unternehmen eine entscheidende Rolle für die Bewertung der Erfolgsaussichten. Dabei sollte neben der Verschuldung in Fremdwährungen auch beachtet werden, wie groß Anteil und Einfluss des russischen Staats am jeweiligen Konzern sind.

10. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt