Russland-Aktien noch immer kein Schnäppchen

Kurz vor Weihnachten erhielt ich eine Leser-eMail. Darin wurde auf die starken Kursverluste im russischen Rubel und in russischen Aktien verwiesen.

Die daraus resultierende Frage lautete, ob ich den Zeitpunkt für einen Einstieg in diesen „gebeutelten“ Märkten für gekommen hielte. Aus rechtlichen Gründen darf ich derart individuelle Fragen nicht persönlich beantworten.

Die Charttechnik des russischen Aktienmarktes darf ich indes in Chartanalyse-Trends sehr wohl beurteilen. Ganz so, wie ich es zuletzt im März dieses Jahres getan hatte.

Wir erinnern uns: Die Androhung westlicher Sanktionen gegen Russland aufgrund der „Vorgänge in der Ukraine und auf der Krim“ (um es möglichst neutral zu umschreiben) setzten die russischen Aktienkurse in jenem Monat unter Druck.

Was fällt, muss auch wieder steigen! Muss es?

Den Privatanlegern kann man die Lust auf „spekulative Investments“ nicht einmal verübeln. Sie werden dazu in den Börsenmedien ja geradezu aufgestachelt.

Auch damals tauchten umgehend Stimmen auf, die Russland-Aktien als „günstiges Investment“ anpriesen. Ich hingegen warnte seinerzeit vor dem Schnäppchenkauf.

Erste Warnung bereits im März

Nachfolgend einige Kernsätze meiner Analyse hier in Chartanalyse-Trends vom 10. März:

„man sagt: ‚Geschichte wiederholt sich nicht.‘ Wohl aber die Lust der Privatanleger, Risiken einzugehen, wo man besser die Finger davon ließe.

Kaum geht irgendwo in der Welt ein Aktienmarkt in die Knie, erscheinen umgehend Analysten und Investoren, die hier spekulative Chancen sehen.

So ist der russische Aktienindex RTS seit Beginn der Krim-Krise kräftig abgerutscht. In der vergangenen Woche verlor die Börse in Moskau in der Spitze -14,2%. Also Schnäppchenzeit, oder?

Ich wäre da etwas vorsichtiger. … Russland ist ein stark vom Verkauf von Rohstoffen – vor allem Öl und Gas – abhängiges Land. Wenn die Rohstoffpreise steigen, dann ist das gut für russische Aktien. Wenn nicht, dann nicht.“

Achterbahnmarkt russische Aktien

Nun. Meine Warnung kam um etwa 5 Monate zu früh. Tatsächlich gewann der russische Leitindex RTS bis Juli (in 3 Monaten!) fast +40%.

Das klingt nach sehr viel. Allerdings ist der russische Aktienmarkt ausgesprochen volatil und solche Kursschwankungen halbwegs an der Tagesordnung. Ein Beispiel gefällig?

Von Mai 2010 bis April 2011 legte der RTS +73% zu. In den darauffolgenden 6 Monaten gab er den gesamten Kursanstieg wieder her.

Ab September dieses Jahres gab es dann jedoch auch für russische Aktien kein Halten mehr: Bis zu dem im Dezember erreichten Tief verlor der RTS sage und schreibe -55%!

Neben den Auswirkungen der westlichen Sanktionen war dafür vor allem der seit dem Sommer nahezu halbierte Ölpreis verantwortlich. Schauen wir uns das einmal in dem nachfolgenden Chart an – den Zeitpunkt meiner März-Analyse habe ich durch den vertikalen grünen Balken kenntlich gemacht:

rts index russland-brent oil index-monatschart-29-12-2014

RTS Index (Russland) und Brent Oil Index-Monatschart: Absturz mit Ansage

Sie sehen: Beide Indizes verlaufen ausgesprochen synchron. Nur diesmal reagierten russische Aktien mit einer zeitlichen Verzögerung von 2 Monaten: Der Ölpreis war schon seit Juli dieses Jahres auf dem Weg nach unten.

Charttechnik gab massive Verkaufssignale

Als aufmerksamem Charttechniker haben Sie aber sicherlich auch gesehen:

Der RTS hat die im März nur „verletzte“, charttechnisch wichtige Unterstützung im September endgültig unterkreuzt (pinkfarbene Linie). Diese Unterstützung besaß immerhin 5 Jahre Gültigkeit.

Der Relative Stärke Index (RSI) durchbrach zeitgleich eine ebenfalls markante Unterstützung (rote Linie, blauer Kreis) nach unten.

Fazit

Der präsentierte Chart ist ein Monatschart: 1 Balken zeigt die Kursentwicklung 1 Monats. Daher ist diese Analyse auch eine langfristige Betrachtung.

Der gelbe Kreis macht deutlich, welche Entwicklung in den kommenden Monaten bestenfalls zu erwarten ist: Sollte sich der Ölpreis wieder fangen, dann dürfte sich das bei den russischen Aktien in einer Konsolidierung niederschlagen.

Allerdings ist diesmal, wie eingangs schon angemerkt, der Ölpreis nur eine Variable für die künftige Entwicklung des RTS Index.

29. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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