Russland: Sanktionen zeigen immer mehr Wirkung

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Die westlichen Sanktionen gegen Russland sorgen für immer mehr Probleme in dem Land. Die ohnehin schwache Konjunktur wird weiter geschwächt. (Foto: g0d4ather / shutterstock.com)

In Russland wird die Lage immer ernster: Das Land leidet stark unter den Sanktionen der USA und der EU.

So können die Staatskonzerne wie Gazprom oder Rosneft nur noch kurzfristig im Ausland Geld leihen.

Das belastet die Ertragskraft schon jetzt. Die russischen Währungsreserven schmelzen stark zusammen.

Seit Jahren leidet die Wirtschaft des großen Landes unter der Abhängigkeit von Rohstoffen – vor allem seitdem die Rohstoffpreise auf dem Rückzug sind.

Das zahlt sich nun negativ aus. Die Frage ist nun: Kann sich Russland mit den starken Sanktionen der EU und der USA wirtschaftlich überhaupt behaupten?

Derzeit sieht es nicht so aus. Die russische Wirtschaft wird in diesem Jahr maximal um 0,5% wachsen haben die Experten der Weltbank errechnet. Im kommenden Jahr droht eine Rezession.

Dabei ist die russische Wirtschaft deutlich abhängiger vom Westen als es auf den ersten Blick scheint.

Stellen Sie sich vor: Russlands Importquote bei Mobiltelefonen liegt bei 100 %. Auch rund 90 % der Computer oder 70 % der Arzneimittel muss das Land von Vladimir Putin einführen.

Damit leidet das Land extrem stark unter den Sanktionen der EU und der USA. Zusätzlich werden noch große Kapitalströme aus dem Land abgezogen.

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Bis Ende des Jahres, so schätzen Experten von Blackstone, werden bis zu 150 Milliarden Dollar das Land verlassen. Russlands Wirtschaft blutet langsam aus, könnte man etwas pathetisch formulieren.

Russland ist auf Einnahmen aus dem Gasgeschäft angewiesen – das macht einen Boykott unwahrscheinlich

Auf der anderen Seite hat das Land die Möglichkeit, dem Westen in Gashahn zuzudrehen. Doch aufgrund der starken Rohstoffabhängigkeit halten es immer mehr Experten für unwahrscheinlich, dass Russland diese Waffe auch einsetzen wird.

Vielmehr ist es so, dass die russische Wirtschaft und der russische Präsident Wladimir Putin sich immer stärker in die Sackgasse manövriert haben.

Die möglichen Allianzen mit China, um dort neue Absatzmärkte zu entwickeln, werden noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Daher steht der russischen Wirtschaft eine schwere Zeit bevor.

Die schwierige Perspektive lässt sich auch am schwachen russischen Rubel ablesen. Erst gestern sackte die russische Währung im Verhältnis zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr ab.

Seit Anfang 2014 hat der Rubel schon mehr als 12 % an Wert verloren.

Die importierten Waren und Dienstleistungen werden teurer, die eigenen Produkte erzielen im Ausland geringere Erlöse. Hinzu kommen die Lieferprobleme für einige Industriesektoren, die nun auf Grund der Sanktionen nicht mehr beliefert werden.

Klar ist: Je länger die Maßnahmen gelten, desto größer wird die Wirkung in Russland. Bislang zahlt es sich eben aus, dass der Westen nicht auf eine offene Konfrontation aus ist. Man kann nur hoffen, dass es auch so bleibt.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.