RWE: Innogy-Börsengang weniger lukrativ als gedacht

Es war auf den 1. Blick ein Traumstart, den die neue RWE-Tochter Innogy kürzlich zum Börsen-Debüt hingelegt hat:

Die Anteilsscheine gingen weg wie warme Semmeln, bereits kurz nach der Platzierung schoss der Kurs in die Höhe – so zumindest der 1. Eindruck.

Inzwischen ist klar: Der Energie-Riese aus Essen muss nachträglich doch finanzielle Abstriche verschmerzen.

Ganz so reibungslos und lukrativ wie erhofft war der Börsengang dann doch nicht:

Mit 2,6 Mrd. € nimmt RWE durch die Emission von Innogy-Aktien rund 358 Mio. € weniger ein als ursprünglich geplant.

Goldman Sachs als begleitende Bank musste einen guten Teil der Anteilsscheine zurückkaufen, um den Kurs zu stützen, damit dieser nicht unter den Ausgabepreis von 36 € zurückfiel.

Anstelle der geplanten 75% hält RWE noch 76,8% der Anteile an der Tochter.

Goldesel: Netzgebühren durch Endverbraucher

Dennoch war Innogy mit 4,6 Mrd. € der größte Börsengang Deutschlands seit dem Jahr 2000.

Das lag nicht zuletzt an den rosigen Aussichten, die man Investoren versprechen konnte:

Den Hauptteil des Geschäfts der neuen Tochtergesellschaft machen nämlich nicht die Erneuerbaren Energien aus, sondern der Netzbetrieb.

Stromnetz-Entgelte sind in Deutschland staatlich reguliert und werden auf die Endkunden abgewälzt.

Diese können nichts gegen die Abgabe tun, die etwa 1/4 der Gesamt-Stromrechnung eines Jahres ausmacht. Privat-Haushalte müssen dabei pro KWh deutlich tiefer in die Tasche greifen als Unternehmen.

Das System sorgt für eine garantierte Rendite, die in den vergangenen Jahren äußerst lukrativ ausfiel.

Sie dürfte zwar in den kommenden Jahren etwas geringer werden, doch unterm Strich winkt dennoch ein sattes Plus – von dem auch die Investoren kräftig profitieren sollen.

Denn Innogy verspricht eine Ausschüttung von 70 – 80% des bereinigten Gewinns an die Aktionäre.

Konzern-Spaltung als letzte Chance

Die Aufspaltung des Kerngeschäfts erwies sich für die Strom-Riesen RWE und Eon als letzter Rettungs-Anker.

Beide Konzerne waren in den vergangenen Jahren massiv unter Druck geraten, seit die Bundesregierung im Jahr 2011 nach der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima den Atom-Ausstieg beschlossen hatte.

Sie standen vor ähnlichen Problemen und kamen beide zu dem Schluss, Teile des Geschäfts auszulagern. Die Strategie war jedoch gegensätzlich:

Während RWE das Netzgeschäft, den Vertrieb sowie die Erneuerbaren Energien ausgelagert und das konventionelle Energie-Geschäft im Mutterkonzern behalten hat, fuhr man bei E.ON die entgegengesetzte Strategie:

Altlasten und Auslauf-Modelle wurden ausgelagert, das zukunftsträchtige Ökostrom-Geschäft verblieb bei der Mutter. Welcher Weg sich letztlich als der bessere erweisen wird, bleibt abzuwarten.

Eine kräftige Finanz-Spritze konnte unterdessen nur RWE einfahren. Der Börsengang der E.ON-Tochter Uniper war im Vergleich dazu eher ein Flop.

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28. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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