RWE und E.ON: Status Quo vor dem Megadeal

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Der Milliardendeal zwischen E.ON und RWE wird die Branche neu ordnen. Doch werfen wir zuvor ein Blick auf das Jahresergebnis 2017. (Foto: Tobias Steinert / shutterstock.com)

E.ON ist 2017 in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Die Ergebnisse lagen am oberen Ende der Prognose. Das bereinigte operative Ergebnis erreichte mit 3 Mrd. € annähernd das Vorjahresniveau. Der Überschuss betrug 3,9 Mrd. €, dabei profitierte E.ON aber von der Rückzahlung der Atomsteuer. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss lag mit 1,4 Mrd. € um 58% über dem Vorjahreswert. Das Dividendenversprechen wird gehalten; es soll eine Dividende von 0,30 € je Aktie ausgeschüttet werden. 2018 soll sie auf 0,43 € angehoben werden.

Für 2018 erwartet CEO Teyssen eine Stabilisierung der Ertragskraft

Basierend auf der Wachstumsstrategie sollen das Betriebsergebnis bis 2020 jährlich um 3 bis 4% und der Gewinn je Aktie um 5 bis 10% steigen. Dafür werden die Investitionen allerdings auch um bis zu 20% auf 9,5 Mrd. € angehoben, sodass es fraglich ist, ob E.ON einen nachhaltigen Aktionärswert schaffen kann. Die Strategie sieht vor, die Hälfte in die Verteilernetze und jeweils ein Viertel in die Bereiche erneuerbare Energien und Kundenlösungen zu investieren.

Konkret: Neben Netzerweiterungen wird die Modernisierung der Netze (Digitalisierung) vorangetrieben, um dem wachsenden Anteil der erneuerbaren Energien und dezentralen Stromerzeugung bewältigen zu können. Der defizitäre Bereich Kundenlösungen soll durch ein Effizienzprogramm, eine Verkaufsoffensive und einem höheren Innovationsgrad auf profitables Wachstum getrimmt werden. Bei den erneuerbaren Energien soll die Kapazität durch Investitionen in On- und Offshore-Windparks um 35% erhöht werden.

Unternehmensporträt

E.ON SE ist einer der größten Energieversorger der Welt. 2016 hat sich der Konzern aufgespalten. Das Kerngeschäft der konventionellen Energieerzeugung wird seitdem vom abgespaltenen Unternehmen Uniper durchgeführt. E.ON konzentriert sich auf die Bereiche Energienetze, erneuerbare Energien und Kundenlösungen. Nach dem Atomausstieg hat der Konzern mit einer erodierenden Ertragskraft zu kämpfen.

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RWE blickt auf ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr zurück

Nach dem aufgrund außerplanmäßiger Abschreibungen defizitären Vorjahr erzielte der Versorger einen Gewinn von 1,9 Mrd. €. Vor Sonderfaktoren errechnet sich ein Gewinn von 1,2 Mrd. €, verglichen mit 0,8 Mrd. € in der Vorjahresperiode. Maßgeblich für die Ergebnisverbesserung waren ein besser als erwartetes Geschäft in der europäischen Stromerzeugung, ein guter Ergebnisbeitrag aus dem Energiehandel sowie Effizienzsteigerungen.

Erfreulich war insbesondere auch der deutliche Anstieg der Eigenkapitalquote von 10 auf 17%. Der Gewinnausblick auf 2018 stellt sich allerdings verhalten dar. RWE prognostiziert einen Nettogewinn von 0,7 bis 1,0 Mrd. €, da jetzt erwartungsgemäß der Tiefpunkt der Strompreisentwicklung der vergangenen Jahre durchschlägt.

RWE: Kostensenkungsprogramm läuft

RWE sieht sich gut darauf vorbereitet und betont, dass von dem laufenden Kostensenkungsprogramm erst die Hälfte erreicht worden ist. Demnach werden bis 2019 weitere Einsparungen von jährlich 150 Mio. € erwartet. Überdies zeigt sich eine Entspannung bei den Großhandelspreisen für Strom.

Mit dem geplanten Verkauf von innogy an E.ON im Tausch gegen das Geschäft mit erneuerbaren Energien will sich RWE künftig neu aufstellen (siehe Value-Telegramm von gestern). Die Aktie erscheint derzeit vor allem als Dividendenpapier interessant. Das Management kündigte eine Anhebung der regulären Dividende auf 0,70 € pro Aktie im nächsten Jahr an. Dieses Jahr werden pro Aktie 0,50 € regulär sowie 1,00 € als Sonderdividende ausgeschüttet.

Unternehmensporträt

RWE zählt zu den fünf führenden Strom- und Gasversorgern in Europa. Im Herbst 2016 hat sich der Konzern als Konsequenz aus dem Atomausstieg aufgespalten und die Tochter innogy an die Börse gebracht. Die Aktivitäten umfassen seitdem die konventionelle Energieerzeugung und den Energiehandel.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.