RWE wandelt endlich die Vorzüge in Stämme um

RWE

Nach jahrelanger Diskussion geht RWE nun auf seine Kritiker zu und wandelt die Vorzüge in die Stämme um. (Foto: Gina Sanders/AdobeStock)

Mit einer faustdicken Überraschung hat in der vergangenen Woche der Energieversorger RWE seine Aktionäre überrascht. Nach jahrelanger Kritik will der Essener Energiekonzern im kommenden Jahr seine Vorzugsaktien, die gut 6,3 % aller ausstehenden Aktien ausmachen, in Stammaktien tauschen.

HV-Mehrheiten reine Formsache

Zu diesem Zweck haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, die vorhandenen 39 Mio. stimmrechtslosen Vorzugsaktien im Verhältnis 1:1 und ohne Zuzahlung in stimmberechtigte Stammaktien umzuwandeln, die schon lange die klare Mehrheit der insgesamt 575 Millionen Stück Aktien ausmachen.

Zwar ist für diese Umwandlung die Einberufung einer Hauptversammlung erforderlich, auf der die Stamm- und der Vorzugsaktionäre einer Satzungsänderung mit einfacher bzw. mit Dreiviertelmehrheit stattgeben müssen. Diese einzuholen dürfte allerdings nur eine Formsache sein.

Nicht nur in Deutschland bekanntes Phänomen

Während in den USA Vorzugsaktien meist die Rangstellung der Aktionäre im Insolvenzfall definieren, genießen Vorzugsaktien hierzulande ausschließlich einen „Vorzug“ in Bezug auf die Dividendenhöhe. Diese lag bei RWE bei mindestens 0,13 Euro, unabhängig von der Höhe der Ausschüttung der Stammaktien. Im Gegenzug müssen Inhaber der Vorzüge auf der Hauptversammlung auf ihr Stimmrecht verzichten. Gerade für angelsächsische Investoren und auch für kritische inländische Anleger ist der Verzicht auf die Mitsprache- und Kontrollrechte: Ein Unding.

Eine Aktie – eine Stimme

Trotz der Kritik haben die Vorzugsaktien bei RWE vergleichsweise lange überdauert. Eingeführt wurden die Vorzugsaktien bei mehreren Kapitalerhöhungen nämlich schon in den 1950er-Jahren. Und vermutlich hätte sich daran auch nichts geändert, wenn nicht immer häufiger die Abschaffung der Vorzugsaktien gefordert worden wäre. Zuletzt auf der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2017, und zwar von den beiden Heidelberger Aktionären Delphi Unternehmensberatung und Deutsche Balaton.

Auch hier mit Verweis auf die Gepflogenheiten ausländischer Anleger, aber auch mit dem Hinweis, dass sich die Marktkapitalisierung von RWE so stark verringert hat, dass der Abstieg aus dem DAX droht. Damals – also vor gerade einmal sechs Monaten – hatten Vorstand und Aufsichtsrat noch eine Umwandlung abgelehnt. Man stehe dem Schritt zwar „grundsätzlich positiv“ gegenüber – allerdings nicht zum jetzigen Zeitpunkt.

Nur wenige Monate Zeit später scheint dieser gekommen zu sein. Und die Vorzugsaktien haben schlagartig des Abschlag zu den Stämmen aufgeholt. Nach der Kursrally der letzten Monate dürfte der Verbleib im DAX fürs erste sicher gestellt sein.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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