RWE will Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln

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Der Unterschied zwischen Stamm- und Vorzugsaktien und wie und warum der Energieversorger RWE beide Aktiengattungen zusammenlegen will. (Foto: Gina Sanders/AdobeStock)

Der im DAX notierte deutsche Energieversorger RWE hat angekündigt, die Vorzugsaktien des Unternehmens in Stammaktien umwandeln zu wollen. Damit setzt RWE also auf das Prinzip eine Aktie, eine Stimme.

Konkret: Vorstand und Aufsichtsrat von RWE haben beschlossen, die vorhandenen 39 Mio. Vorzugsaktien (machen 6,3% der RWE-Anteile aus) im Verhältnis von 1:1 und ohne Zuzahlung in stimmberechtigte Stammaktien umzuwandeln. Der Umtausch soll im laufenden Jahr über die Bühne gehen.

Der erforderlichen Satzungsänderung müssen die jeweiligen Aktionärsversammlungen der Stammaktionäre (mit einfacher Mehrheit) und der Vorzugsaktionäre (mit Dreiviertelmehrheit) am 3. Mai dieses Jahres zustimmen.

Weitere Details zu den Plänen von RWE

RWE-Finanzvorstand Markus Krebber kommentiert die Umwandlungspläne von RWE wie folgt: An den internationalen Finanzmärkten ist es üblich, dass jede Aktie auch ein Stimmrecht hat.

Zum Hintergrund: Vorzugsaktien haben auf der Hauptversammlung kein Stimmrecht, dafür erhalten Vorzugsaktionäre in der Regel eine höhere Dividende als Stammaktionäre. Die Vorzugsaktien hatte RWE in den 1950er Jahren bei Kapitalerhöhungen ausgegeben und will sie nun also wieder loswerden.

Durch die Umwandlung bleibt der Anteil am RWE-Grundkapital von 1,57 Mrd. Euro, den eine Aktie repräsentiert, unverändert.

Kursunterschiede bieten Gewinnchancen

Wenn die Kursunterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien ungewöhnlich hoch sind, deutet dies darauf hin, dass eine Aktiengattung gerade besonders begehrt ist (zum Beispiel aufgrund einer geplanten Übernahme), oder eine Aktiengattung von den Anlegern kurzzeitig vernachlässigt wurde.

Beide Erklärungen sprechen dafür, dass die günstigere Gattung eine Aufholjagd starten wird und das häufig relativ unabhängig vom Gesamtmarkt. Ein gewisser Abschlag bei den Vorzugsaktien ist normal, da die Vorzugsaktien, wie Sie gerade schon erfahren haben, nicht stimmberechtigt sind.

Ist der Unterschied aber sehr groß (wie aktuell beispielsweise zwischen den Vorzügen und den Stämmen des Autovermieters Sixt), bieten sich regelmäßig Chancen (wie bei Wella vor einigen Jahren zu beobachten war).

Über 30% Nachschlag für Vorzugsaktionäre von Wella

Im Jahr 2003 hat der Konsumgüterriese Procter&Gamble ein Übernahmeangebot für den deutschen Kosmetikhersteller Wella vorgelegt. Die Besitzer der Stammaktien sollten 92,25 Euro je Aktie erhalten, die Besitzer der Vorzugsaktien nur 61,50 Euro.

Einige Vorzugsaktionäre schalteten ihre Anwälte ein. Genauere Details sind nicht durchgedrungen, aber Gutachter und Richter sollen sich sehr eindeutig geäußert haben. Im Jahr 2005 präsentierte Procter&Gamble plötzlich ein neues Angebot. Den Wella-Aktionären wurden 80,37 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie geboten. Die Vorzugsaktionäre, die auf Zeit gespielt hatten, kassierten einen Aufschlag von über 30%.

Fazit: Es lohnt sich für Sie, die Kursunterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien regelmäßig zu beobachten und zuzuschlagen, wenn eine Gattung plötzlich deutlich schwächer läuft als die andere.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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