Ryanair-Aktie: Billigflieger im Sinkflug

Wenn Sie an Billigflieger denken, kommt Ihnen bestimmt sofort die irische Fluggesellschaft Ryanair in den Sinn – und das nicht ohne Grund:

Bereits im Jahr 1985 nahm das Unternehmen mit der ersten Flugroute zwischen Irland und Großbritannien seinen Betrieb auf. Seither ging es steil bergauf.

Mit dem Geschäftsmodell Flüge zu niedrigen Preisen ohne Firlefanz anzubieten hat Ryanair die Flugreise-Branche revolutioniert und Europa für die Massen erschwinglich gemacht.

Seit 1997 sind die Papiere des Konzerns an der Börse notiert – für Anleger der 1. Stunde ein glänzendes Geschäft; immerhin hat der Aktienkurs seither gut 2.500% zulegen können.

Doch mit den gerade veröffentlichten Geschäftszahlen kamen die Papiere ins Trudeln und mussten einen spürbaren Dämpfer hinnehmen.

Sinkende Ticket-Preise machen Ryanair zu schaffen

Dabei sah zumindest das Passagier-Wachstum auf den 1. Blick gar nicht einmal schlecht aus. Die Zahl der Passagiere stieg nämlich um 16% auf 28,8 Mio. im 3. Quartal.

Der Umsatz legte hingegen nur leicht auf 1,35 Mrd. € zu. Beim Nettogewinn musste Ryanair sogar einen Einbruch von 8% auf 95 Mio. € verkraften.

Ryanair verwies in diesem Zusammenhang auf deutlich gesunkene Flugpreise.

Hier verzeichneten die Iren einen Rückgang um 17% auf 33 € pro Ticket. Zugleich nahm Firmenchef Michael O’Leary den Optimisten den Wind aus den Segeln.

Denn Aussicht auf Besserung lieferte er keine. Vielmehr rechnet O’Leary auf Grund des Überangebots bei Kurz- und Mittelstrecken in Europa mit einem weiteren Rückgang von 15% im laufenden Quartal.

BrExit zeigt seine Wirkung

Zugleich zeigten der mögliche Austritt Großbritanniens und das bröckelnde Britische Pfund seine Wirkung.

Großbritannien ist ein wichtiger Markt für Ryanair. Die Fluglinie erziele dort in diesem Jahr voraussichtlich 26% ihrer Umsätze.

Flugtickets verlieren an Bedeutung

Dabei müssen Sie wissen:

Der Preis für die Flugtickets ist nur eine Seite der Medaille. Denn einen bedeutenden Teil der Erlöse erzielen die Airlines mittlerweile mit anderen kostenpflichtigen Dienstleistungen.

Ob separates Gepäck, ein Sitzplatz neben ihren Liebsten oder Essen an Bord – das sind nur einige der klassischen Einnahmequellen.

Der andere Teil stammt von vermittelten Hotelzimmern, Mietwagen-Verträgen und ähnlichen Reise-Dienstleistungen.

Im vergangenen Jahr erzielten die Iren damit immerhin 24% der Gesamtumsätze und belegt damit einen Spitzenplatz.

Für Sie zum Vergleich: Die Lufthansa-Gruppe kam gerade einmal auf einen Erlös von 13,87 Dollar bzw. 5,5% Umsatz-Anteil.

Die Zahlen machen deutlich, dass die Einnahmen essentiell für den Billigflieger sind. Nur so kann Ryanair Tickets zu Kampfpreisen anbieten.

Langfristig beeindruckende Entwicklung

Auf lange Sicht haben die Iren eine beeindruckende Wachstums-Geschichte hingelegt:

So kletterten die Erlöse von gerade einmal 547 Mio. Dollar im Jahr 2002 auf 7,27 Mrd. Dollar im vergangenen Geschäftsjahr.

Im Gegenzug verbesserte sich der Nettogewinn von 132 Mio. auf 1,73 Mrd. Dollar. Das entspricht einer beeindruckenden Gewinnmarge von 23,85%.

Bei der Jahres-Planung rudert Firmenchef O’Leary zurück

Für das laufende Geschäftsjahr spürt Ryanair allerdings deutlichen Gegenwind und kappte seine Prognose bereits im Oktober:

Für das Geschäftsjahr bis Ende März soll der Gewinn nun zwischen 1,3 – 1,35 Mrd. € liegen – und damit deutlich unter dem aus dem Vorjahr.

Aber Ryanair wäre nicht einer der aggressivsten Billigflieger, wenn der Konzern nicht mit ambitionierten Wachstums-Plänen gegensteuern würde:

Einer der nächsten Expansions-Schritte ist die Stationierung von neuen Flugzeugen am Lufthansa-Heimatflughafen Frankfurt.

Ob das hilft, die Umsatz-Einbrüche auf Grund der anhaltenden Terror-Angst zu kompensieren, wird sich erst noch zeigen müssen…

8. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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