SAF-Holland vor erneutem Kursanstieg

Mit einer Performance von +73,5% hat der französisch-amerikanische Konzern die Leer-Verkäufer auf den Plan gerufen. Wie geht es mit der Aktie weiter? (Foto: SAF-Holland)

Was hoch steigt, kann auch wieder tief fallen, so dachten sich seit August die Hedgefonds, die die Aktien der SAF Holland am Markt verkauften, ohne sie selbst zu besitzen.

Diese sogenannten Leerverkaufs-Geschäfte (Short-Selling), nein, nennen wir sie ruhig Leer-Verkaufs-Spekulationen, haben nur ein Ziel: Den Aktienkurs des jeweiligen Unternehmens deutlich nach unten zu drücken, um es den Spekulanten dann auf dem gefallenen Kursniveau zu ermöglichen, sich billig mit den Stücken einzudecken.

Die Differenz zwischen dem Leerverkaufspreis und dem Eindeckungspreis ist dann der Gewinn, den sie einfahren. Und da Stückzahlen leer verkauft werden die durchaus im sechs- bis siebenstelligen Bereich liegen, summieren sich schon Centbeträge auf stattliche Summen.

Auch bei SAF Holland wurden in den Vormonaten größere Leerverkaufsorder beobachtet, doch die Bemühungen der Short-Seller waren nur kurz von Erfolg gekrönt.

Gute Geschäftszahlen versalzen den Short-Sellern die Suppe

Der Grund ist so einfach wie einleuchtend, die Unternehmensgeschichte des Herstellers von Bauteilen und Systemen für Anhänger- und Sattelzugmaschinen, Busse und Wohnmobile ist einfach zu stark. Zu gut erscheinen den wahren Anlegern unter den Aktionären die Umsatz- und Ertragsperspektiven in den kommenden Jahren.

Und deshalb nutzten sie jede durch die Leerverkäufer herbeigeführte Kursschwäche, um sich weiter mit Aktien der SAF Holland SA (WKN A0MU70, Ticker SFQ) einzudecken.

Und wenn Short-Seller eines nicht leiden könne, dann, wenn es ihnen nicht gelingt eine Art Panik in einer Aktie herbeizuführen, die die Mitaktionäre dazu veranlasst sich um jeden Preis von ihren Beständen zu trennen. Ein perfides „Spiel“ das dort betrieben wird, aber meist aufgeht. Nur halt bei SAF Holland nicht.

Der Aufbau des Drucks durch die Leerverkäufer und die jeweiligen Gegenreaktionen des Marktes zeigt sich sehr schön im Point&Figure-Chartbild des laufenden Jahres.

SAF Holland-Chart 14-10-2013

(anklicken zum Vergrößern)

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Die ersten Versuche starteten die Hedgefonds nach der Ausbildung eines Jahreshochs bei 9,40 € Anfang August diesen Jahres. Der Point&Figure-Chart zeigt, nach der Ausbildung der X.-Säule mit der Ziffer „8“ (steht für den Monat August) erfolgte zunächst ein starker Rückgang, der in zwei Etappen den Kurs in Richtung 7,80 € drückte.

Hier wähnten sich die Short-Seller dann auf der sicheren Seite, denn mit Unterschreiten eines Dreifach-Bodens (erste rote waagerechte Linie) wurde ein starkes Verkaufssignal ausgebildet, welches sogar in der Point&Figure-Darstellung sichtbar ist (erster roter Kreis).

Die Bekanntgabe einer 80%igen Beteiligung von SAF Holland am chinesischen Unternehmen Corpco, einem international aufgestellten Hersteller von Federungssystemen, versalzte den Leer-Verkäufern dann die Suppe und trieb die Aktie erneut auf ein Jahreshoch.

Aufgabe oder neuer Versuch der Leer-Verkäufer?

Doch aufgeben gilt nicht in der Branche und so versuchten die Hedgefonds erneut ihr Glück. Teilweise mit Erfolg, so zeigt der Blick auf den Point&Figure-Chart, denn der zweite Versuch gleicht dem Ersten auf den Punkt genau.

Ein neues Hoch, dann Leerverkäufe, die nach einigem Hin und her wieder mit einem Unter-schreiten eines Dreifach-Bodens ein neues Point&Figure-Verkaufssignal ausbildeten. Die zweite rote waagerechet Linie zeigt den gebildeten Boden, der letzte rote Kreis das Verkaufssignal mit einem aktuellen Kursziel bei 7,00 €

Und wie geht es nun weiter mit dem Aktienkurs? Vor allem jetzt, wo die Hedgefonds medienwirksam erklärt haben, sich aus SAF Holland zurückgezogen zu haben?

Der Aktienkurs hat jedenfalls schon einmal reagiert und ist vom bisherigen Monatstief bei 8,50 € wieder nach oben geklettert, die letzte Säule im Chart, eine X-Säule, zeigt den Kursanstieg auf 9,20 €.

Und genau hier wird es jetzt spannend. Gelingt es dem Kurs auf mindestens 9,30 €, besser noch auf ein neues Jahreshoch über 9,60 € zu steigen, haben wir ein deutliches Point&Figure-Kaufsignal mit Kurszielen oberhalb von 10,00 €.

Oder lauern hier bereits wieder die Short-Seller, die einen dritten Versuch wagen, die Kurse zu ihren Gunsten zu drücken? Denn auch wenn sie jeweils nur Centbeträge an einer einzelnen Aktie verdienen, die Menge macht es. Und wen sie einmal am Haken haben, den lassen sie so schnell nicht von der Leine, auch wenn sie öffentlich gerne das Gegenteil behaupten.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.