Salzgitter und ThyssenKrupp, derzeit kein Kauf

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Die Strukturkrise der europäischen Stahlindustrie macht den beiden Unternehmen Salzgitter und ThyssenKrupp zu schaffen, für einen Einstieg ist es noch zu früh. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Im 1. Halbjahr 2013 spürte Salzgitter die Strukturkrise der europäischen Stahlindustrie sehr deutlich.

Der Umsatz ging um 7,5% auf 4,98 Mrd € zurück. Durch einen extrem verschärften Wettbewerb, der aus der Unterauslastung zahlreicher südeuropäischer Produzenten resultiert, wurden die erzielbaren Absatzpreise für die meisten Walzstahlerzeugnisse unter deren Herstellungskosten gedrückt. So fiel unterm Strich ein hoher Verlust von 315 Mio € an.

Hohe Verluste im Unternehmensbereich Stahl

Die von der Bauindustrie verarbeiteten Profilstahlprodukte wurden von dem Wettbewerb am härtesten betroffen.

In diesem Umfeld verzeichnete der Unternehmensbereich Stahl einen hohen Verlust, der maßgeblich eine Abschreibung auf das Anlagevermögen der Peiner Träger GmbH umfasst. Zusätzliche Ergebnisbelastungen ergaben sich aus einem eklatanten Auftragsmangel im Großröhrengeschäft.

Um auch unter den erschwerten Rahmenbedingungen akzeptable Ergebnisse zu erreichen, wurde im Herbst 2012 das Restrukturierungsprogramm „Salzgitter AG 2015“ initiiert.

Mittlerweile ist eine Vielzahl konkreter Maßnahmen zur Verbesserung der Aufbau- und Ablauforganisation definiert worden, die zur Umsetzung anstehen oder sich bereits in Realisierung befinden.

Der negative Abschluss des 1. Halbjahres und der zu erwartende operative Geschäftsverlauf erforderten eine Anpassung der Ergebnisprognose.

Salzgitter erwartet jetzt für 2013 einen geringeren Umsatz sowie ein negatives Ergebnis vor Steuern in der Größenordnung von 400 Mio €.

Unternehmensporträt

Salzgitter gehört zu den größten Stahltechnologie-Konzernen Europas. In Deutschland ist das Unternehmen hinter ThyssenKrupp die Nummer 2. Im Bereich Großrohre ist Salzgitter nach der Übernahme der Mannesmannröhren-Werke (MRW) Weltmarktführer.

Die Produktpalette umfasst Flachstahlprodukte, Träger, Grobbleche sowie nahtlose und geschweißte Rohre in allen Dimensionen.

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ThyssenKrupp: Aufzugssparte kann leicht zulegen

In einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld verringerte sich in den ersten 9 Monaten der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten um 9% auf 27,4 Mrd €.

Desinvestitionen und Rückgänge im Komponenten- und Werkstoffgeschäft stand eine Umsatzsteigerung in den Aufzugs- und Projektgeschäften gegenüber.

Die Aufzugssparte legte sowohl im Vorjahresvergleich als auch, wie das Komponenten- und Werkstoffgeschäft, im Vergleich zum Vorquartal zu.

Jahresziel greifbar

Mit einem bereinigten operativen Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten von 802 Mio € ist ThyssenKrupp auf gutem Weg, das Jahresziel von rund 1 Mrd € zu erreichen. Wesentliche Stützen waren die soliden Positionen bei Elevator Technology und Industrial Solutions.

Zudem konnten alle Bereiche ihre Ergebnisse gegenüber dem Vorquartal steigern. Im Rahmen des Verkaufs von Steel Americas ergab sich ein Anpassungsbedarf auf Sachanlagen in Höhe von 683 Mio €.

Dieser Buchverlust führte hauptsächlich zu dem Verlust von 1,2 Mrd €. Der Auftragseingang lag mit 28,3 Mrd € um 8% unter dem Vorjahresniveau. Deutliche Zuwächse gab es jedoch in der Aufzugssparte, die neue Rekordwerte erzielte, und im Projektgeschäft.

Industrial Solutions konnte trotz einer aufgrund von Projektverschiebungen schwächeren Ordertätigkeit im 3. Quartal den Auftragseingang insgesamt um 8% steigern.

Wir erwarten, dass der Umsatz im Geschäftsjahr unter dem Niveau des Vorjahres bleiben wird. Entfallende Umsätze aus Portfoliobereinigungen können durch organisches Wachstum bei den Industriegüter-Geschäften nicht vollständig kompensiert werden.

Unternehmensporträt

ThyssenKrupp gehört weltweit zu den größten Rohstahlproduzenten. Der Konzern verfügt über die drei Tätigkeitsschwerpunkte Stahl, Industriegüter und Dienstleistungen. Die Produktion von Flachstahl ist das Kerngeschäft.

Die weiteren Bereiche befassen sich mit der Herstellung von Investitionsgütern (Maschinen, Aufzüge, Fahrzeugtechnik, Werkstoffe) sowie mit dem Handels- und Dienstleistungsgeschäft.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.