Samsung-Aktie: Warum der CEO trotz Rekordgewinn das Handtuch schmeißt

Die Geschäfte des südkoreanischen Technologie-Giganten Samsung laufen so gut wie nie zuvor. Trotzdem wirft der Firmenchef das Handtuch. (Foto: JPStock / shutterstock.com)

Langfrist-Anleger dürfte bei dem Blick auf den Samsung-Chart ganz warm ums Herz werden. Denn wer im Jahr 1998 zugriff, konnte sich die Aktien noch für unter 5 € ins Depot legen.

Heutzutage notieren die Papiere mit knapp 815 € auf dem höchsten Niveau der Firmengeschichte.

Damit hat der Kurs das Debakel um das brennende Mobiltelefon Note 7 im vergangenen Jahr längst hinter sich gelassen.

Die Geschäfte laufen so gut wie nie; der Technologie-Riese hat gerade das beste Quartal der ganzen Firmengeschichte hingelegt.

Vor diesem Hintergrund mag es Sie verwundern, dass gerade jetzt der Vorstand Kwon Oh-hyun seinen Rücktritt bekanntgibt.

Ungünstiger könnte die Zeit kaum sein, denn der Firmenerbe Lee Jae-yong verbüßt zur Zeit noch eine 5-jährige Haftstrafe.

Rekordgewinn Dank boomendem Geschäft mit Speicherchips

Operativ läuft es momentan glänzend bei dem südkoreanischen Technologie-Riesen:

Dank der starken weltweiten Nachfrage nach Speicherchips erreichte Samsung Electronics im 3. Quartal den höchsten Gewinn der Firmengeschichte.

Das operative Ergebnis verdreifachte sich vorläufigen Zahlen zufolge auf umgerechnet knapp 11 Mrd. € (14,5 Bio. Won).

Damit konnten selbst die positiven Schätzungen der Analysten übertroffen werden.

Ähnlich beeindruckend zeigte sich die Umsatz-Entwicklung mit einem Zuwachs von knapp 30% auf umgerechnet 46,2 Mrd. €.

Samsung-Chef tritt den Rückzug an

Trotz dieser Rekord-Ergebnisse schmeißt Firmenchef Kwon Oh-hyun das Handtuch und gibt seinen Posten bei dem Technologie-Giganten auf.

Als Grund führte er an, dass Samsung seiner Meinung nach in einer beispiellosen Krise stecke und für einen erfolgreichen Neustart eine jüngere Konzernführung das Ruder übernehmen müsse.

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Für Sie zur Information:

Im August war der Firmen-Erbe und quasi Chef Lee Jae-yong wegen Unterschlagung von Firmen-Vermögen, Bestechung und Meineids zu einer 5-jährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Das Verfahren gegen Lee steht im Zusammenhang mit der Korruptions-Affäre um Südkoreas frühere Präsidentin Park Geun-hye.

Samsung soll Bestechungs-Gelder an Parks frühere Vertraute Choi Soon-sil gezahlt haben.

Führungs-Vakuum droht

Der Abgang von Kwon könnte zu einem Führungs-Vakuum führen. Branchen-Experten hatten ihm eine noch eine größere Rolle im Samsung-Imperium zugetraut.

Immerhin arbeitete er seit 32 Jahren für den Konzern und stand seit 5 Jahren an der Spitze der erfolgreichen Samsung Electronics.

Zu den genauen Details wurde bislang noch nichts bekanntgegeben; weder der Zeitpunkt des Abgangs noch mögliche Nachfolge-Kandidaten wurden veröffentlicht.

Breite Aufstellung macht sich bezahlt

Momentan kommt dem Konzern seine breite Aufstellung zugute.

Im Gegensatz zu anderen Smartphone-Herstellern ist Samsung nämlich nicht nur von der Entwicklung auf dem Mobilfunkmarkt abhängig. Mit dem Sortiment aus

  • Hausgeräten,
  • Fernsehern,
  • Bildschirmen
  • und Halbleitern

ist Samsung ausgesprochen breit diversifiziert.

Immerhin war der Mischkonzern zuletzt für 1/5 der südkoreanischen Wirtschafts-Leistung verantwortlich.

An der hohen Wachstums-Dynamik dürfte sich vorerst wenig ändern; für das 4. Quartal erwarten die Analysten im Schnitt einen Gewinn-Anstieg um satte 74% auf 16 Bio. Won.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.