Samsung-Aktie: Wie schwer wiegt der Korruptions-Skandal?

Dass die Interessen wichtiger Wirtschaftszweige eines Landes bei politischen Entscheidungen zumindest berücksichtigt werden, ist nichts Neues.

Und es lässt sich hierzulande immer wieder am Einfluss der Autolobby ablesen.

Doch im Fall von Samsung und Südkorea sind die Dimensionen anders gelagert:

  • Samsung ist das mit Abstand wichtigste Unternehmen des Landes,
  • das Imperium erstreckt sich über weite Teile des gesellschaftlichen Lebens,
  • sein jährlicher Gesamt-Umsatz beläuft sich auf rund 20% des Bruttosozialprodukts des kleinen Staates.

Schon diese Zahl unterstreicht die immense Bedeutung, die Samsung für Südkoreas Wirtschaftskraft hat.

Nun wird seit Ende vergangenen Jahres gegen Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye wegen Bestechung, Veruntreuung und Meineid ermittelt – und auch Samsung soll in den Korruptions-Skandal verstrickt sein.

Samsung-Vize Lee in Haft

Genauer gesagt wurde vergangene Woche Lee Jae-yong verhaftet.

Er ist der Enkel des Firmen-Gründers und de facto strategischer Firmen-Lenker, seit sein Vater aus gesundheitlichen Gründen die Leitung des Konglomerats nicht mehr ausführen kann.

Dieser erlitt im Frühjahr 2014 einen Herzinfarkt. Seither ist der Einfluss Lees massiv gewachsen.

Er hat jedoch nur wenig Berührungspunkte mit dem Tagesgeschäft, sondern fällt eher strategische – und somit langfristige – Entscheidungen.

Und so dürfte seine Verhaftung zumindest kurzfristig keine größeren Auswirkungen auf die Geschäfte von Samsung haben.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, umgerechnet rund 34 Mio. € über Umwege an eine Vertraute der Präsidentin gezahlt zu haben.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dürfte dies den guten Ruf von Samsung zumindest ankratzen.

Denn die Stimmung im Lande ist aufgeheizt, aktuell läuft ein Amtsenthebungs-Verfahren gegen die Präsidentin.

Neue Beweise – drohendes Führungs-Vakuum

Dass der Haftbefehl gegen Lee bestätigt und umgesetzt wurde, könnte sich auf das Verfahren auswirken.

Denn offenbar sind neue Beweise aufgetaucht, die Lee belasten – vor einigen Wochen war ein Haftantrag gegen ihn von den zuständigen Behörden noch abgelehnt worden.

Neben der politischen Krise stellen sich für Samsung gleich mehrere Fragen, etwa danach, wie groß und wie lang das Macht-Vakuum ausfallen wird, sollte Lee länger in Haft sitzen.

Ihm droht eine Anklage, eine Verhandlung würde wohl Monate dauern.

Lee als Person ist beschädigt, dennoch zeigen frühere Beispiele – etwa das seines Vaters –, dass dies in Südkorea nicht unbedingt ein Ende der Führungs-Karriere bedeuten muss.

Samsung-Aktie trotzt Skandalen

Das Image von Samsung jedoch wird dadurch zusätzlich belastet – und das können die Koreaner eigentlich gerade gar nicht gebrauchen.

Zu frisch im Gedächtnis ist noch der Skandal um explodierende Handy-Akkus, der den Konzern im vergangenen Sommer in die Schlagzeilen und unter Druck brachte.

Die Smartphone-Reihe wurde letztlich eingestellt, was für Samsung einen immensen wirtschaftlichen Verlust bedeutete.

Nichtsdestotrotz können sich Anleger über eine positive Kurs-Entwicklung freuen: Die Samsung-Electronics-Aktie hat auf Jahressicht um mehr als 85% zugelegt.

2017-02-23 Samsung

24. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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