Sangamo: Hochspekulative Biotech-Aktie

Die Aktie des kleinen US-Biotech-Unternehmens Sangamo Therapeutics bietet eine Menge Potenzial, aber auch ein hohes Risiko. (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Gestern habe ich Ihnen mit BB Biotech eine solide Möglichkeit vorgestellt, um breit gestreut in den langfristig weiterhin aussichtsreichen Biotech-Sektor zu investieren. Heute möchte ich Ihnen einen spekulativen Biotech-Spezialwert vorstellen, der erhebliches Gewinnpotenzial bietet, aber nichts für schwache Nerven ist: das kleine US-Biotech-Unternehmen Sangamo Therapeutics.

Revolutionäre „Zinkfinger“-Technologie

Sangamo Therapeutics entwickelt Proteine, die in der Lage sind, sich an defekte (mutierte) Gene anzuhaften. Aufgrund ihrer fingerähnlichen Ausstülpungen, die an der Basis durch ein Zink-Atom in Form gehalten werden, sind diese Proteine auch als „Zinkfinger“ bekannt. Damit können sie buchstäblich nach DNA-Strängen greifen und diese abtasten. Die Idee dahinter: Die Proteine können darauf „programmiert“ werden, bestimmte defekte Gene zu reparieren bzw. abzuschalten.

Die Zinkfinger-Technologie zählt zu den sogenannten Genscheren, die bei der Krebsimmun-therapie zum Einsatz kommen. Im Vergleich zur aktuell sehr im Fokus stehenden CRISPR-Genschere ist die Entwicklung der Zinkfinger weiter fortgeschritten, aber auch mit höherem Aufwand verbunden.

Bereits 7 Projekte in klinischen Studien

Sangamo hat derzeit 12 Projekte aus den Bereichen HIV, Krebs, Bluterkrankungen und Erb-krankheiten in der Forschungspipeline. 7 dieser Projekte befinden sich bereits in der Phase der klinischen Studien. Das am weitesten fortgeschrittene Projekt (Stufe 2 von 3 der klinischen Studien) ist eine Genom-Editierung in T-Zellen durch Zinkfinger, die den Patienten weitgehend resistent gegen eine HIV-Infektion machen soll.  Zum Teil werden die Projekte mit namhaften Kooperationspartnern durchgeführt, darunter der US-Pharmagigant Pfizer und die Sanofi-Tochter Bioverativ.

Neue Kooperation bietet Chance auf bis zu 3 Mrd. US-Dollar

Im Februar sorgte eine neue Kooperationsvereinbarung von Sangamo mit dem Biotech-Giganten Gilead Sciences für einen Paukenschlag: Gilead will mit Hilfe der Zinkfinger-Technologie neuartige Gentherapien entwickeln. Dafür erhält Sangamo eine Zahlung von 150 Mio. US-Dollar plus – im Erfolgsfall – bis zu 3,0 Mrd. US-Dollar an Meilensteinzahlungen und eine Umsatzbeteiligung an Produktverkäufen.

Aktienkurs fährt Achterbahn

Die volatile Kursentwicklung der vergangenen 12 Monate gibt Ihnen einen guten Eindruck von der Aktie: Erst kletterte der Kurs von 7 auf 28 US-Dollar rauf, anschließend ging es auf 15 US-Dollar runter. Diese hohen Kursschwankungen dürften in den nächsten Jahren anhalten.

Aktie mit sehr hohen Gewinnchancen und Risiken

Die mögliche 3,0 Mrd. US-Dollar Zahlung plus Umsatzbeteiligung verdeutlichen das riesige Potenzial von Sangamo. Das Unternehmen bringt es derzeit auf einem Jahresumsatz von 80 Mio. US-Dollar und ist bislang von der Gewinnzone weit entfernt. Ein Forschungsdurchbruch bei diesem Projekt würde das Unternehmen und selbstverständlich auch die Aktie (die aktuell mit 1,7 Mrd. US-Dollar bewertet wird) in ganz neue Dimensionen katapultieren.

Im Falle eines Misserfolgs wird es hingegen mit dem Aktienkurs heftig in die andere Richtung gehen. Daher ist die Sangamo-Aktie hochspekulativ und sollte nur als Depotbeimischung mit kleinem Geld zum Einsatz kommen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.