SAP-Aktie: Nach Gewinnziel-Verschiebung unter Druck

Der deutsche Leitindex DAX bleibt auch zu Beginn der 4 Kalenderwoche 2015 in der Nähe seines Allzeithochs. Die Handelsspanne ist allerdings deutlich zurückgekommen. Kurz vor der wichtigen Zentralbank-Sitzung am Donnerstag zeigen sich die Investoren vorsichtig.

Im Tableau überwiegen zum Mittag grüne Vorzeichen. Angeführt wird der DAX von der Lufthansa und der Commerzbank-Aktie. Schlusslicht ist die SAP-Aktie, die nach der Verschiebung von Margenzielen fast 5% abgeben.

35% EBIT-Marge erst ab 2020

Ursprünglich wollte SAP in 2017 eine Ergebnisspanne von 35% gemessen am Umsatz erzielen. Jetzt teilte das Unternehmen mit, dass dieses Ziel „im günstigsten Fall“ 2020 erreicht wird.

Grund dafür ist das Clud-Geschäft. Wie alle großen Software-Unternehmen muss auch SAP kräftig in den Zukunftsmarkt investieren. Das klassische Geschäft mit Software-Lizenzen geht zurück. Die Kunden wollen mieten und nicht kaufen.

Zudem sollen die Programme von überall genutzt werden können und nicht nur stationär am Firmenrechner. Das Cloudgeschäft bietet das. SAP arbeitet daher an einer Verbesserung des Angebots und kauft im großen Stil zu.

Concur-Übernahme drückt auf die Marge

Jüngster Zukauf der Walldorfer ist Concur für 8,3 Mrd. $. Laut SAP-Unternehmenschef Bill McDermott ist es die größte Übernahme im Cloud-Bereich überhaupt.

Concur ist ein führender Software-Anbieter für Reisekosten-Management. Die Walldorfer erhoffen sich mit dem Schritt ein tieferes Eindringen in den US-Markt, der eine Größe von 1,2 Bio. $ besitzt. Zudem sollen auch die eigenen Kunden verstärkt Concur nutzen. Bisher nutzen laut McDermott etwa 30% das Angebot.

Die Concur-Margen und die Integration drücken aber auf die Unternehmens-Gewinnspanne, sodass trotz der langfristig günstigen Perspektive zunächst niedrigere Ergebnisse in Kauf genommen werden müssen.

Wachstumsstrategie zahlt sich langfristig aus – Kurzfrist-Investoren wollen nicht warten

Langfristiges, nachhaltiges Wachstumspotenzial auf Kosten kurzfristiger Ziele zu erschließen, ist zwar sinnvoll – sorgt aber an der Börse zunächst einmal für gedämpfte Freude. Anleger haben nicht den gleichen Investitionshorizont wie das Management eines Unternehmens.

Daher wundert auch der heutige Kursrückgang nicht wirklich. Für viele SAP-Aktionäre sind Schwankungen jedoch auch nicht ungewöhnlich. 2014 schwankte der Kurs zwischen 50 und 62 und hatte in kurzer Zeit Ausschläge in die eine oder andere Richtung.

Daher wäre es auch nicht sehr verwunderlich, wenn nach dem heutigen Ausreißer nach unten schon bald wieder Investoren in die Aktie einsteigen. Immerhin rät der überwiegende Anteil der Analysten zum Kauf der Aktie.

Und auch die Neuinformation werden nicht ganz so kritisch gesehen, wie es die Marktreaktion vermuten lässt. Verschiedene Analysehäuser haben heute ihre Kursziele bestätigt.

Dennoch wird auf einen schwächer als erwarteten Jahresausblick verwiesen. Das könnte zur Folge haben, dass die Konsens-Schätzung etwas zurückkommt und damit auch der Kurs kurzfristig noch unter Druck bleibt.

20. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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