SAP Aktie: Scheitern mit Ansage

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Die Umstellung der Lidl-IT auf SAP ist nach langjährigen Versuchen gescheitert. Dank starker Quartalsbilanz landet die SAP Aktie weich. (Foto: photobyphm / Shutterstock.com)

Es war ein Scheitern in Zeitlupe: Fast sieben Jahre lang haben die Discounterkette Lidl und der Softwarehersteller SAP versucht, ihre Zusammenarbeit zum Erfolg zu führen und die IT-Infrastruktur des Einzelhändlers auf Stand zu bringen.

Das Ergebnis ist ein Desaster. Kosten in Höhe von geschätzten 500 Millionen Euro dürften wohl abgeschrieben werden, das Image beider Unternehmen ist stark angekratzt durch das Experiment, an dessen Ende Lidl wohl nun zu seinem rund 30 Jahre alten Warenwirtschaftssystem zurückkehren dürfte, das weitgehend in Eigenregie gewachsen war.

Schwierige Kundschaft

Gerade die Einzelhandelsbranche hat jahrzehntelang mit hauseigenen Systemen gearbeitet, Standardsoftware kam kaum zum Einsatz. Nach und nach wird nun mit der Umrüstung begonnen – nicht zuletzt, um auch im Onlinehandel mithalten zu können. SAP gilt mit seiner Datenbank Hana als richtungsweisend.

Und doch haben die Vorstellungen beider Unternehmen am Ende nicht zusammengepasst – obwohl oder gerade weil eine dreistellige Anzahl von Beratern in den Prozess involviert war, um die Umstellung zu begleiten.

Doch Sonderwünsche auf Seiten des Discounters, die vom üblichen SAP-Standard abweichen, haben offenbar zu Verzögerungen und Kostenexplosionen geführt, die Unzufriedenheit hinter den Kulissen stieg auf Seiten aller Beteiligten.

Lidl steht vor Scherbenhaufen

Nun haben SAP und Lidl das Projekt offiziell für gescheitert erklärt. Die Einsicht kommt spät, das Experiment war teuer – und es unterstreicht den Ruf, der SAP-Anwendungen vorauseilt, dass eine Umstellung auf entsprechende Standardsysteme kompliziert ist. Lidl ist nicht der erste Großkunde, bei dem ein solches Vorhaben scheitert.

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Auch der Versandhändler Otto stand vor ähnlichen Problemen, beendete seine Bestrebungen aber bereits nach zwei Jahren und fuhr somit zumindest finanziell wohl geringeren Schaden ein.

Dass Lidl nun offenbar keine bessere Alternative sieht, als zumindest für den Moment an seinem althergebrachten System weiter zu werkeln, das bereits vor zwei Jahren intern als überholt und nicht mehr zeitgemäß eingestuft wurde, spricht Bände.

SAP Aktie punktet dank Quartalsbilanz

Für SAP ist das Scheitern ärgerlich, geht damit doch ein potenziell lukratives Geschäft verloren. Doch immerhin werden die Schlagzeilen abgefedert durch die positiven Quartalszahlen, die das Unternehmen erst vor wenigen Tagen vorlegen konnte.

Demnach boomt vor allem das zukunftsträchtige Cloudgeschäft, bei dem Firmen ihre IT-Infrastruktur auf onlinebasierte externe Server auslagern. Im Zeitraum von April bis Ende Juni verbesserte SAP seinen Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4 Prozent auf 6 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis stieg um 13 Prozent auf gut 1 Milliarde Euro. Das Ergebnis je Aktie legte um 8 Prozent zu auf 0,60 Euro.

Die SAP Aktie hat seit Anfang April kräftig zugelegt und notierte zuletzt bei etwas mehr als 100 Euro.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.