SAP-Aktie: Softwarekonzern mit Rückenwind durch schwachen Euro

Gestern hat der SAP-Konzern seine Zahlen vorgelegt. Diese werden von den Anlegern gewöhnlich mit Argusausgen verfolgt.

Denn die Entwicklung bei dem viertgrößten Software-Hersteller bzw. dem weltweit größten Hersteller von Unternehmens-Software lässt interessante Rückschlüsse auf die gesamte Software-Branche zu:

Im vergangenen Jahr konnte die Kursentwicklung der Aktie jedoch nicht mit dem Vergleichs-Index DAX mithalten.

Der Zuwachs von gut 16% liegt deutlich unter dem Deutschen Aktienindex DAX, der um 24% auf Sicht von 12 Monaten zulegen konnte.

Kosten deutlich erhöht

Der Walldorfer Software-Konzern zeigte in den ersten 3 Monaten einen Umsatz-Anstieg um 22% auf 4,5 Mrd. €. Dabei hat das Unternehmen stark von Währungs-Effekten profitiert.

Wie stark der Rückenwind war, sehen Sie bei einem Blick auf das Vorsteuer-Ergebnis. Bereinigt um Währungs-Effekte musste SAP hier sogar einen Gewinn-Rückgang um 2% hinnehmen.

Neuausrichtung belastet die Marge

Die Neuausrichtung hin zur Cloud-Software drückt die Marge. Die Gewinne verteilen sich wegen des Abonnement-Modells über einen längeren Zeitraum.

Zugleich fallen im 1. Quartal eines Jahres immer die höchsten Kosten an. Zudem belastet der Personalumbau die Bilanz. Durch das Mietmodell werden Jobs überflüssig.

Insgesamt sollen rund 3% der Mitarbeiter (insgesamt 2000 Mitarbeiter) auf andere Stellen gesetzt werden oder mit Abfindungs-Programmen nach Hause geschickt werden.

Dafür sind im 1. Quartal bereits 50 Mio. € angefallen. Insgesamt beziffert die Unternehmens-Führung die erwarteten Restrukturierungs-Kosten auf 150-250 Mio. €.

Immerhin wurden die Umsätze im 1. Quartal im Cloud-Bereich auf 509 Mio. € mehr als verdoppelt. Aber der Sprung ist nicht nur dem originären Wachstum zuzuschreiben.

Concur-Übernahme

Ende vergangenen Jahres machte SAP mit der größten Übernahme in der Firmengeschichte auf sich aufmerksam:

Für rund 6,5 Mrd. € wurde das Cloud-Unternehmen Concur gekauft. Die Erlöse werden nun vollständig sichtbar.

Concur besteht schon seit gut 20 Jahren und hat inzwischen 4200 Mitarbeiter. Bei gut 23.000 Firmenkunden nutzen 25 Mio. Beschäftigte dessen Buchungs- und Spesenabrechnungs-Programme.

Concurs Kunden liegen zu 84% in den USA. Beispielsweise wird auch die US-Regierung bedient, die mit einem jährlichen Reisebudget von 15 Mrd. US-Dollar der größte Reise-Kunde weltweit ist.

Das traditionelle Geschäft mit Software-Lizenzen verbesserte sich hingegen nur um 5%.

Jahresprognose bekräftigt

Währungsbereinigt peilt der Software-Riese einen Anstieg des Betriebsergebnisses um bis zu 5% an. Wegen des tiefgreifenden Umbaus hat SAP allerdings zu Jahresbeginn bereits die mittelfristige Prognose nach unten genommen.

Bis 2017 erwartet die Gesellschaft nun Erlöse von 21-22 Mrd. €. Zuvor war der Konzern noch von mindestens 22 Mrd. € ausgegangen.

Die Anleger honorierten die Zahlen dennoch. Mit einem Kursgewinn von knapp 3% war das Papier der Tagesgewinner im DAX am gestrigen Tag.

22. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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